Adidas platziert Anleihen erstmals mit Rating

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Der Sportartikelhersteller Adidas hat erstmals als geratetes Unternehmen den Kapitalmarkt angezapft. Mit zwei Anleihen haben die Herzogenauracher insgesamt 1 Milliarde Euro eingesammelt. Für die vierjährige Tranche muss der Dax-Konzern keine Zinsen zahlen, die 15-jährige Tranche wird mit 0,625 Prozent pro Jahr verzinst. Das Volumen teilt sich jeweils hälftig auf beide Tranchen auf. Das finale Angebot war Unternehmensangaben zufolge mehr als siebenmal überzeichnet.

Die Emission ist eine Premiere für Adidas: Erst vor einem Monat hatte sich der Sportartikelhersteller extern von den beiden US-Agenturen Moody’s und S&P raten lassen, um laut CFO Harm Ohlmeyer „jederzeit Zugang zum Kapitalmarkt zu haben“. Moody’s bewertet den Dax-Konzern mit A2, S&P vergibt A+. Bei beiden Ratingagenturen ist der Ausblick stabil. Die jetzt erfolgte Anleihetransaktion bezeichnet Finanzchef Ohlmeyer daher auch als „wichtigen Schritt zur weiteren Optimierung der Kapitalstruktur sowie der Finanzierungskosten des Unternehmens“.

Adidas zieht erste Lehren aus der Coronakrise

Mit diesen beiden Schritten hat der Sportartikelhersteller erste Lehren aus der Coronakrise gezogen. Denn Adidas war bis Anfang August eines der wenigen Großunternehmen ohne externes Rating. Das rächte sich im Lockdown infolge der Corona-Pandemie, da der Kapitalmarkt für ungeratete Unternehmen in den vergangenen Monaten geschlossen war. „Für uns war eine Platzierung einer Anleihe am Kapitalmarkt nicht machbar“, gestand Adidas-CEO Kasper Rorsted Ende April in einer Telefonkonferenz mit Journalisten ein.

Angesichts der deutlichen Cash-Abflüsse sahen sich die Herzogenauracher schließlich im April gezwungen, einen revolvierenden Konsortialkredit in Höhe von 3 Milliarden Euro zu beantragen. Die staatliche Förderbank KfW gab dabei eine Darlehenszusage über 2,4 Milliarden Euro ab. Mit dem Emissionserlös der gerade platzierten Anleihen will der Dax-Konzern eigenen Angaben zufolge nun diesen Konsortialkredit „zum Teil“ reduzieren. Der Rest ist nach Unternehmensangaben „für allgemeine Unternehmenszwecke“ vorgesehen.

Sabine Paulus ist Redakteurin bei DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Finanzierung, Fintechs sowie Personal und Organisation im Treasury.