Trotz deutlich rückgängiger Umsätze in der deutschen Wirtschaft hielt sich Factoring im Krisenjahr 2020 stabil. Diese im Mittelstand beliebte Art der Forderungsfinanzierung wuchs im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht um 1,3 Prozent und erreichte einen neuen Rekordwert von 279 Milliarden Euro. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Deutschen Factoring-Verbands hervor, dessen 46 Mitgliedsinstitute nahezu den gesamten deutschen Markt abdecken.
In der Krise habe Factoring dazu beigetragen, Finanzierungen in der Lieferkette aufrechtzuerhalten, heißt es in der Mitteilung. Über 82.400 Kunden nutzten Factoring 2020. Dass dies fast 8 Prozent weniger als im Vorjahr sind, schiebt der Verband primär auf statistische Gründe bei der Zahlenerhebung.
Vor- und Nachteile von Factoring in der Krise
In wirtschaftlichen Krisenphasen ist Factoring ein geeignetes Instrument, da die kurzfristigen Forderungsfinanzierungen weniger risikobehaftet sind als etwa langlaufende Bankdarlehen. Allerdings entstehen in wirtschaftlichen Schwächephasen deutlich weniger Forderungen, die finanziert werden können.
Zudem ist Factoring sehr abhängig von Warenkreditversicherern, da in aller Regel nur versicherte Forderungen finanziert werden. Deshalb war der staatliche Schutzschirm für die Warenkreditversicherer auch so wichtig, damit Factoringanbieter überhaupt handlungsfähig bleiben konnten. Ungewiss ist, was passiert, wenn dieser im Sommer auslaufen wird, sich Bonitäten insgesamt verschlechtern und staatliche Schutzmaßnahmen runtergefahren werden. Der Verband rechnet deshalb mit einem sehr herausfordernden Jahr 2021.
Speziell im wirtschaftlichen Aufschwung dürfte Factoring aber auch seine Stärken haben, weil Factoringnutzer den ansteigenden Umsatz finanzieren und so ihr Working Capital entlasten können.
Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.
