Der Markt für Treasury-Management-Software bleibt in Bewegung. Dieses Mal ist es aber keine Übernahme, die für Aufsehen sorgt, sondern ein Lizenz-Deal: Der österreichische Finanzsoftwareanbieter Cops hat eine unbefristete Lizenz für die Software von Much-Net erworben („PMS“). Zugleich übernehmen die Wiener ab sofort die Kundenbetreuung für sämtliche bestehenden Much-Net-Kunden.
„Wir können nun sicherstellen, dass nicht nur der Kundensupport weitergeführt, sondern vor allem auch PMS kontinuierlich weiterentwickelt wird. So können unsere Kunden sicher sein, dass ihre bestehenden und zukünftigen Anforderungen erfüllt werden“, wird Cops-Geschäftsführer Martin Zavadil in einer Mitteilung zitiert, die DerTreasurer exklusiv vorliegt. Zudem wird Cops das System auch an Neukunden vertreiben – und ist damit künftig eigenen Angaben zufolge das einzige Unternehmen, bei dem Interessenten PMS erwerben können.
Coupa hat Much-Net im September 2020 übernommen
Spannend ist dieser Deal vor allem deshalb, weil noch nicht mal ein Jahr vergangen ist, seitdem der TMS-Anbieter Bellin den Softwareanbieter Much-Net übernommen hat. Hintergrund der Akquisition damals: Bellin wollte seine Funktionalitäten im Risikomanagement stärken und dafür die Much-Net-Software in sein System tm5 integrieren. Eine Anfrage von DerTreasurer, inwieweit dies in den vergangenen Monaten schon geschehen sei, ließ der TMS-Anbieter zunächst unbeantwortet.
Much-Net ist auf komplexe Bewertungen von Finanzinstrumenten, Risikoanalyse und regulatorische Anforderungen fokussiert. Das sind Bereiche, in denen klassische TMS-Lösungen Lücken haben. Die Anwendung PMS wird vor allem von Banken und Investmentgesellschaften eingesetzt. Einige Funktionalitäten sind aber auch für Corporate Treasurer interessant – etwa, wenn es ums Hedge Accounting geht.
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An diesen Funktionalitäten von Much-Net ist Bellin interessiert, um sein eigenes TMS-Angebot aufzurüsten. Die anderen Bereiche liegen dagegen strategisch offenbar nicht im Fokus der Ettenheimer, die im vergangenen Jahr selbst vom US-Softwareriesen Coupa übernommen wurden und nun offiziell auch unter der Marke Coupa auftreten. So heißt es in der Mitteilung, Coupa werde PMS nicht als Standalone-Lösung am Markt anbieten. Stattdessen würden Teile von PMS in das eigene Treasury-Angebot integriert.
Treasury-Kunden von Cops sollen profitieren
Nutznießer dieser Entwicklung ist der Wettbewerber Cops, der PMS nun weiterentwickeln und mit der Kundenbetreuung und dem Vertrieb der Lösung Geld verdienen kann. Davon sollen auch die Corporate-Kunden der Österreicher profitieren, die das TMS-Tool Corima im Einsatz haben. Dazu gehören früheren Angaben aus dem Jahr 2017 zufolge etwa der Technologiekonzern Rheinmetall und die Container-Reederei Hapag Lloyd.
„Wir können nun sicherstellen, dass nicht nur der Kundensupport weitergeführt, sondern vor allem auch PMS kontinuierlich weiterentwickelt wird.“
„In Zukunft können wir […] sicherstellen, dass alle Einflüsse aus dem Finanzsektor, zum Beispiel regulatorischer Natur oder auf der Produktseite, ebenso im Corporate Treasury abgebildet werden können“, wird Lukas Steiner, Geschäftsführer von Cops in der Mitteilung zitiert.
Der österreichische Finanz-IT-Anbieter kooperiert bereits seit den 1990er Jahren mit Much-Net. In dieser Zusammenarbeit habe Cops immer eine „entscheidende Rolle bei der Implementierung von PMS und dem First-Level-Support gespielt“, heißt es in der Mitteilung. Dem Vernehmen nach haben die Wiener selbst kurzzeitig eine Übernahme erwogen, den Gedanken aber schnell wieder verworfen. Wie viel Cops nun für die Lizenz an Coupa bezahlt, ist nicht bekannt.

