Unicredit bringt ESG-Angebot ins FX-Hedging

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Industrieunternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen sind inzwischen am Green-Finance-Markt aktiv. Auch aus dem Chemiesektor gibt es immer wieder Transaktionen. Neuestes Beispiel ist Matsen Chemie. Das Unternehmen aus Hamburg hat sich auf die Fahnen geschrieben, bis 2030 sämtliche Produkte und Dienstleistungen durch einen Kompensationsmechanismus CO2-neutral anbieten zu können. Nun nutzt das Unternehmen die eigenen Nachhaltigkeitsambitionen auch bei Währungsabsicherungen.

Dazu hat Matsen Chemie mit der Hypovereinsbank (Unicredit) vereinbart, dass künftig alle Devisengeschäfte des Unternehmens über ESG-linked FX-Derivate gesichert werden. Für die Unicredit ist es die erste Transaktion dieser Art im Währungsbereich. Die Bank hat allerdings an anderer Stelle schon ESG-linked Derivate im Portfolio: Schon 2020 schloss die HVB mit dem Maschinenbauer Dürr einen ESG-linked Zinsswap ab

Unicredit und Matsen entwickeln ESG-linked FX-Derivate

Die Bank hat gemeinsam ein Modell für die ESG-Integration in die Währungssicherung entwickelt. Konkret hängt der Kurs der Sicherungsgeschäfte mit davon ab, ob Matsen zuvor vereinbarte Nachhaltigkeitsziele erfüllt hat. Das wird jährlich durch eine externe Ratingagentur überprüft. In diesem Fall ist das die Ratingagentur Ecovadis. Welcher Anbieter genau damit beauftragt wird, entscheidet der Kunde, erklärt die HVB auf Nachfrage. Erreicht das Unternehmen die Ziele nicht und muss einen Malus zahlen, so wird der Betrag an eine soziale Organisation oder eine Umweltorganisation gespendet.

„Mit der Erweiterung um Währungssicherungen steht mittelständischen Unternehmen ab sofort ein weiteres Instrument zur Verfügung“, sagt Patrick Haak, Leiter des Bereichs Corporate Treasury Sales von der Unicredit. Das Instrument steht nach Angaben der Bank für alle MiFID Professionals zur Verfügung. Die Bank ist nicht die erste, die ein ESG-linked FX-Derivat in ihr Produktportfolio aufnimmt. Bereits 2020 hatte beispielsweise die Deutsche Bank eine ähnliche Vereinbarung mit dem Metall-Anlagenbauer Primetals Technologies abgeschlossen

ESG-linked Derivate verbreiten sich langsam

Matsen Chemie sieht es als einen „weiteren konsequenten Schritt in der Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie, die Wechselkurse nun an die Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele zu koppeln“, kommentiert Jan Hansen, Vorstand des Unternehmens. 

Doch obwohl die ESG-linked Derivate bereits seit längerem im Markt sind, verzeichnen sie bislang noch keinen Durchbruch. Hedging-Produkte weisen eine noch höhere Komplexität aufweisen als klassische Finanzierungsprodukte wie Kredite oder Schuldscheine, bei denen ESG-Links inzwischen gang und gäbe sind. Darüber hinaus äußern einige Treasurer auch Zurückhaltung, weil die finanziellen Ausschläge bei einem solchen Konstrukt in der Regel gering sind. Wie hoch sie auf die Kosten für die Währungsabsicherung bei Matsen Chemie sind oder sein könnten, ist nicht bekannt. 

Antonia Kögler ist Redaktionsleiterin bei DerTreasurer. Sie schreibt über Finanzierung und Asset Management und verfolgt alle Entwicklungen rund um das Thema Sustainable Finance.