Produzierende Unternehmen haben in diesem Jahr das deutsche Finanzierungsinstrument Schuldschein besonders genutzt, wie eine Studie von Moody’s ergab. In den ersten neun Monaten des Jahres haben europäische produzierende Unternehmen Schuldscheine in Höhe von 2,9 Milliarden Euro platziert – im Vorjahr lag das Volumen auf das ganze Jahr gerechnet bei nur knapp über 2 Milliarden Euro.
Den Grund dafür, dass der Schuldscheinmarkt in diesem Jahr so attraktiv war, sieht Moody’s in der Volatilität an den Bondmärkten. Der Großteil der produzierenden Unternehmen, die Schuldscheine ausgaben, hatten keine Kreditratings. Für diese Konzerne waren Anleiheemissionen in dem unsicheren Marktumfeld kaum möglich. Aber auch Unternehmen, die den Kapitalmarkt nutzen können, zog es diesmal eher zum Schuldschein: Insgesamt zogen die Konditionen am Bondmarkt aufgrund der gestiegenen Risiken deutlich an, während sie am Schuldscheinmarkt relativ stabil blieben.
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Emittenten zwischen IG und Non-IG
Schaut man auf die Qualität der Bonitäten, so zeigt sich, dass der Großteil der Schuldscheinemittenten aus dem produzierenden Segment, die in den vergangenen fünf Jahren an den Markt gingen, in einer Zwischenzone zwischen Investmentgrade und hohem Non-Investmentgrade zu verorten sind. So etwa der Schuldscheinemittent Liebherr International, der 250 Millionen Euro einsammelte. Liebherr fällt laut Moody’s bei der Ebita-Marge und der Free Cash Flow to Debt Ratio in die Kategorie Non-Investmentgrade, erreicht aber beim Gewinn, dem Zinsdeckungsrad, der Retained Cash Flow to Net Debt Ratio und dem Verschuldungsgrad die Investmentgrade-Kategorie.
Weniger Schuldscheine im kommenden Jahr?
Moody’s erwartet nun, dass im kommenden Jahr weniger Schuldscheine platziert werden. Die Konditionen würden aufgrund der allgemein angespannteren wirtschaftlichen Lage auch an diesem Markt anziehen, heißt es. Zudem setzt die Marktlage die Bonitäten im produzierenden Gewerbe unter Druck. Die Gründe sind laut der Agentur vielfältig: Potentielle Energieengpässe und höhere Energiepreise könnten den Konzernen zu schaffen machen. Auch würden sich Lohnerhöhungen und Konsumrückgänge negativ auswirken.
Zuletzt sei auch die schwierige Lage am Kapitalmarkt ein Faktor. Nichtsdestotrotz weisen den Autoren zufolge viele europäische Produzenten robuste Orderbücher aus. Ihre breiten Produktpaletten schützten vor einer Wechselstimmung bei der Nachfrage, die Unternehmen hätten die Pricing-Macht und könnten aus Erfahrungen aus vergangenen Krisen schöpfen. Bei den ESG-linked Schuldscheinen erwartet Moody’s aber keinen Einbruch, sondern rechnet im Gegenteil mit weiterem Wachstum. Schon in diesem Jahr waren deutlich mehr ESG-linked Transaktionen zu beobachten.
Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihr Themenschwerpunkt ist Unternehmensfinanzierung.

