Die neue Technologie bringt mehr Geschwindigkeit in die Platzierung. Das Fintech Nivaura hat das nun bei einem strukturierten Investmentprodukt gezeigt.

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27.04.18
Asset Management

Nivaura bringt Blockchain in die Geldanlage

Das britische Fintech Nivaura hat nach der ersten Krypto-Unternehmensanleihen nun ein strukturiertes Investmentprodukt über die Blockchain platziert. Das Angebot für Treasurer soll weiter wachsen.

Das britische Fintech Nivaura hat das nach eigenen Angaben erste Blockchain-basierte strukturierte Investmentprodukt platziert. Konkret handelt es sich um eine „Principal Protected Note“ (PPN) - eine Anleihe mit einer Laufzeit von zwei Monaten, deren Performance an die Entwicklung des FTSE 100 Index geknüpft ist. Wenn sich der wichtigste britische Aktienindex sehr gut entwickelt, dann erhält der PPN-Investor einen annualisierten Kupon von bis zu 13 Prozent.

Das Interessanteste an der in Pfund denominierten Transaktion: Das Clearing und die Platzierung wurde vollständig über die Blockchain-Infrastruktur abgebildet. Das bedeutet, dass, anders als etwa bei den in Deutschland durchgeführten Blockchain-Transaktionen, kein traditioneller Platzierungsprozess parallel laufen musste, um den regulatorischen Vorgaben zu entsprechen.

Nivaura konnte die Technologie in der sogenannten FCA Sandbox testen. In Großbritannien hat die Finanzaufsicht eine Testumgebung („Sandbox“) geschaffen, in der sie eng mit Marktteilnehmern zusammenarbeitet, die Plattformen dieser Art entwickeln. „Nach zwei Jahren des Testens haben wir nun alle notwendigen regulatorischen Freigaben erhalten“, erklärt Avtar Sehra, CEO von Nivaura. „Zukünftig würden wir also nicht mehr von der Sandbox-Umgebung abhängig sein.“

Blockchain-Transaktion bringt Zeit- und Kostenersparnis

Nivaura hat eine weitere PPN in gleicher Höhe auf dem klassischen Weg über Clearstream platziert. „Wir wollten das parallel durchführen, um die Vorteile des neuen dezentralisierten Models zu demonstrieren“, so Sehra. Der zeitliche Vorteil ist offensichtlich: Während die Blockchain-Platzierung in zwei Minuten abgeschlossen war, benötigte die herkömmliche ein Zeitfenster von zwei Tagen, was sich durch Fehler im Platzierungsprozess allerdings noch weiter verzögerte. Das Risiko menschlicher Fehler, die zu Verzögerungen führen, reduziere man, wenn man die Möglichkeiten der Blockchain nutzt, so der CEO.

Neben der Zeitersparnis soll die Transaktion, die über eine öffentliche Ethereum-Blockchain abgebildet wurde, helfen, Kosten zu reduzieren. Den Vorteil habe Nivaura schon vergangenes Jahr zeigen können, als es den ersten Crypto-Currency-Corporate-Bond für den Online-Möbelhändler Luxdeco über die Blockchain platzierte, so Sehra. „Wir haben bei der Unternehmensanleihe gezeigt, dass wir die Transaktionskosten für eine Einzelplatzierung von rund 30.000 Pfund auf etwa 50 Pfund senken konnten.“ Sehra argumentiert, dass der Kostenvorteil letztlich auch Investoren zugute kommen wird.

Bei der neuen Transaktion spielte dieser Vorteil laut Sehra allerdings keine allzu große Rolle, da der Emittent des Instruments, die Investmentfirma Chartered Opus, ein Frequent Issuer in dem Bereich ist und deshalb pro Emission recht geringe Kosten hat. Die Investmentfirma platzierte die Bonds über die „ResonanceX“-Plattform, die das arrangieren und vertreiben übernahm. Diese Plattform wiederum wurde von Grund auf mit Technologie von Nivaura aufgebaut.

Ziel ist die Digitalisierung des gesamten Emissionsprozesses

Avtar Sehra betont allerdings, dass Nivauras Ansatz über die Distributed-Ledger-Technologie hinausgeht. „Wir sind kein Blockchain-Unternehmen. Die spezielle Technologie, die Clearing und Platzierung zugrunde liegt, ist nicht so wichtig“, betont der CEO. „Uns geht es vielmehr darum, den gesamten Emissionsprozess zu digitalisieren.“

Auf der Plattform von Nivaura wird auch die Dokumentation für die Instrumente digital erstellt, auch das Pricing läuft über die Plattform. „Wir haben die Plattform außerdem so entworfen, dass es dem Nutzer am Ende egal sein kann, wie das Instrument gecleart, platziert und verwaltet wird. Es muss nur in einer regulatorisch einwandfreien, sicheren, schnellen und kostengünstigen Weise passieren“, betont Sehra.

Nivaura plant, die Plattform-Technologie für Corporate Treasurer zu öffnen. Die Plattform soll als Treasury-Tool von Banken und anderen Dienstleistern angeboten werden, damit Anleihen, aber auch Kreditvereinbarungen wie zum Beispiel Schuldscheine, über die Plattform strukturiert, ausgeführt und verwaltet werden können.

Ob das Angebot angenommen wird, muss sich noch zeigen. Klar ist: Das britische Fintech ist durch die Zusammenarbeit mit den britischen Regulatoren im Vorteil gegenüber deutschen Initiativen. Hierzulande gibt es eine vergleichbare Testumgebung bisher noch nicht.

Koegler[at]derTreasurer.de

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