DerTreasurer-Ratgeber rund um das Thema Geldmarktfonds.

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07.02.19
Asset Management

Was Treasurer über Geldmarktfonds wissen müssen

Geldmarktfonds waren zeitweise bei der Anlage von kurzfristiger Liquidität sehr beliebt, mussten aber in den letzten Jahren deutlich Federn lassen. Was Treasurer über die neue Regulierung wissen müssen, zeigt dieser Ratgeber.

Geldmarktfonds waren zu Beginn des Niedrigzinsumfelds als Alternative bei der Anlage der kurzfristigen Liquidität sehr beliebt. Die Fonds investieren in Geldmarktpapiere und Wertpapiere mit kurzen Restlaufzeiten unter zwölf Monaten, die Mindestanlagesumme liegt bei rund 1 Million Euro. Treasurer können in der Regel täglich ihr Geld abziehen.

Mithilfe dieses Instruments konnten Finanzverantwortliche bei der Anlage ihrer Liquidität zeitweise noch die schwarze Null halten, als Banken schon längst dazu übergegangen waren, die negativen Zinsen der Bank an ihre Unternehmenskunden weiterzugeben. „Das ist inzwischen nicht mehr möglich“, erklärt Alexander Fagenzer, Senior-Portfoliomanager bei Union Investment. Seit Mitte 2017 seien auch diese Fondsprodukte in Sachen Rendite unter die Nulllinie gerutscht. Trotzdem kann das Instrument für einige Corporates interessant sein – zum einen zur Diversifikation, und zum anderen weil Banken mittlerweile zu hohe Anlagesumme ablehnen.

Das anhaltend ungünstige Zinsumfeld schlägt sich auch in den Marktzahlen nieder.

Das anhaltend ungünstige Zinsumfeld schlägt sich auch in den Marktzahlen nieder: Das zeigt ein Blick auf die Zahl der aktiven Euro-Geldmarktfonds: Zum Jahresbeginn waren 498 Euro-Geldmarktfonds am Markt, zum Jahresende schrumpfte die Zahl auf 399, wie Zahlen des Fondsanalysehauses Morningstar zeigen. Das volatile Marktumfeld sorgte allerdings in den vergangenen Monaten wieder für große Zuflüsse in die Assetklasse, die durch die kurzen Laufzeiten in ihren Portfolien eher immun gegen solche Schwankungen ist.

Herausforderndes Umfeld für Geldmarktfonds

Nach Ansicht von Alexander Fagenzer könnte allerdings eine Neuerung auf regulatorischer Seite das Umfeld für Geldmarktfonds weiter verschlechtern – zumindest solange die Zinsen niedrig bleiben. Seit Kurzem sind die neuen Regeln für Geldmarktfonds in Kraft, die bereits im Juni 2017 von der EU beschlossen wurden. Seit dem 21. Januar 2019 gelten die strengeren Vorschriften nicht mehr nur für neue, sondern auch für bestehende Fonds dieser Anlageklasse. „Die ohnehin begrenzten Risiken, die diese Fonds eingehen können, werden durch die neue Regulierung noch stärker eingeschränkt“, meint Fagenzer. „Daher dürften diese Fonds im aktuellen Zinsumfeld weiterhin einen schweren Stand haben.“ 

Mit den neuen Regeln will die EU Geldmarktfonds krisenfester machen und dadurch Investoren besser schützen. Während der Finanzkrise hatten Geldmarktfonds den Regulatoren Sorgen bereitet, da Investoren massenhaft gleichzeitig ihr Geld zurückforderten. Die Struktur einiger Geldmarktfonds machte dies zu einer besonders brenzligen Situation.

Geldmarktfonds: Sorgen um die CNAVs

Geldmarktfonds gab es in zwei Varianten: den sogenannten CNAVs (Constant Net Asset Value Fund) und VNAVs (Variable Net Asset Value Fund). Bei CNAVs handelt es sich um Fonds mit einem konstanten Nettoinventarwert. Die Anteile des Fonds werden nach einer speziellen Berechnungsmethode konstant mit 1 Euro bewerten. Bei den VNAVs ist der Nettoinventarwert dagegen variabel gepreist und bewegt sich mit den Marktschwankungen mit.

Gerade die Fonds mit konstantem Nettoinventarwert waren den Regulatoren ein Dorn im Auge. Diese Fonds konnten in volatilen Marktsituationen in Schwierigkeiten geraten, wenn gleichzeitig viele Investoren ihre Anteile zu einem im Vergleich zum Markt überhöhten Preis zurückgeben wollten. Der europäische Treasury-Verband (EACT) hatte den Erhalt dieser Art der CNAVs im Vorfeld der Regulierung als elementar für das Liquiditätsmanagement von Unternehmen bezeichnet.

Gerade die Fonds mit konstantem Nettoinventarwert waren den Regulatoren ein Dorn im Auge.

EU schafft neue Kategorie für Geldmarktfonds

Für diese Art der Fonds gibt es nun besonders strenge Regeln. Wenn diese Berechnungsmethode angewandt wird, dann dürfen diese Fonds fast nur noch in Public Debt, also in Staatsanleihen, investieren. Alle anderen CNAVs müssen sich an neue Regeln zur Bestimmung ihrer Nettoinventarwerte halten. Für sie hat die EU eine neue Kategorie geschaffen, die sogenannten LVNAVs (Low Volatility Net Asset Value Funds). Sie können die bilanzielle Bewertung ihrer Net Asset Values weiterhin stabil halten, allerdings nur, wenn es keine große Diskrepanz zum Marktpreis gibt.

Für die dritte Kategorie, die VNAVs, bringen die neuen Regeln die geringsten Veränderungen mit sich. Aber auch an sie werden höhere Ansprüche gestellt, zum Beispiel im Hinblick auf die Liquiditätskennzahlen.

Weiterer wichtiger Punkt: Die neue Regelung verbietet grundsätzlich, dass Banken oder Staaten einen in Schieflage geratenen Geldmarktfonds finanziell unterstützen. Auf dem Weg soll eine Ansteckung innerhalb des Finanzsystems vermieden werden. Treasurer sollten das berücksichtigen: Auch wenn es sich um kurzfristige Papiere handelt ist die Investition in Geldmarktfonds nicht risikolos.

Je nach Fondsart mussten aufgrund der neuen Regelung zudem neue Sicherungsmechanismen eingeführt werden, über die sich Treasurer vorab genau informieren sollten. Dazu zählen unter anderem mögliche Liquiditätsgebühren beim Abzug von Geldern in Krisenzeiten oder auch ein zeitweiser Rückzahlungsstopp.

Geldmarktnahe Fonds als Alternative

Wenn Finanzverantwortliche bereit sind, noch etwas mehr Risiko bei der Anlage ihrer Liquidität zu akzeptieren, dann können Kurzläufer-Fonds, auch unter dem Begriff ‚geldmarktnahe Fonds‘ bekannt, eine Alternative sein. Diese Fonds dürfen auch auf Papiere mit etwas längerer Laufzeit setzen. Durch die Beimischung solcher Assets steigert der Fonds insgesamt seinen Ertrag. „Aber auch hier muss man wissen, dass die Rendite ab und an unter die Nulllinie rutschen kann“, betont Union-Investment-Experte Fagenzer.

Viele Corporates hätten im vergangenen Jahr diese Form der Fonds vor Geldmarktfonds bevorzugt, berichtet Fagenzer. Bei einigen verbieten allerdings die Anlagerichtlinien einen solchen Wechsel. Allerdings warnt der Experte, dass diese Art der Geldanlage nicht als Ersatz für Tagesgeldkonten verstanden werden sollte. „Da Kurzläufer-Fonds auf Kursschwankungen am Anleihemarkt reagieren, sind sie nicht geeignet für Unternehmen, die das Geld kurzfristig wieder benötigen.“

Koegler[at]derTreasurer.de

Was Treasurer bei Geldmarktfonds beachten müssen und wie sich der Markt entwickelt, erfahren Sie auf der Themenseite Geldmarktfonds.