Die Koexistenzphase von Swift ISO 20022 startet vier Monate später.

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27.10.22
Cash Management & Zahlungsverkehr

Nach Target2 verschiebt Swift ISO 20022

Nachdem das Mammutprojekt Target2 von den Zentralbanken um vier Monate verschoben wurde, zieht auch Swift nach. Die ISO-20022-Migration ist ebenfalls prolongiert.

Der 21. November wäre für den europäischen Zahlungsverkehr eigentlich ein großer Tag gewesen. Nun wird alles um vier Monate auf März 2023 verschoben.

Es geht konkret um zwei Projekte. Einerseits verschiebt die EZB die Modernisierung des europäischen Zahlungsverkehrssystems Target2 auf den 20. März nächsten Jahres, wie die Bank am 20. Oktober bakanntgab. Über Target2 wickeln Banken sämtliche Zahlungs- und Wertpapier-Transaktionen in Europa ab. Die Umstellung von Target2 haben die EZB und Zentralbanken der Eurozone Ende 2017 initiiert, um den Zahlungsverkehr, die Wertpapierabwicklung sowie die Cybersicherheit zu verbessern. Die Migration sollte in einem „Big Bang“ an einem Wochenende erfolgen.

Schon im September hatte die deutsche Kreditwirtschaft Kritik an dem Termin geäußert. Notwendige Tests seien bei manchen Banken nicht in vollem Umfang möglich gewesen. Selbst die EZB begründete die Verschiebung jetzt damit, dass es noch Schwächen in der Vorbereitung gibt und den Nutzern so mehr Zeit eingeräumt wird. Als weitere Gründe nennt sie die aktuellen geopolitischen Bedingungen und die volatilen Finanzmärkte.

Auch Swift lässt sich mehr Zeit für Migration

Zum gleichen Zeitpunkt wie Target2 wollte Swift für den Interbankenzahlungsverkehr die Migrationsphase auf das Format ISO 20022 starten. Nach der Bekanntgabe der Verschiebung prüfte auch der Finanznachrichtendienst den Starttermin. Swift teilte heute mit, dass der neue Termin ebenfalls im 20. März 2023 stattfinden wird. Gleichzeitig teilte Swift mit, dass Banken, die das neue Swift-Format bereits jetzt nutzen möchten, weiterhin ISO-20022-Nachrichten auf Opt-in-Basis austauschen können. 

Bei der Migration geht es um die Umstellung der Formate von MT auf XML bei grenzüberschreitenden Zahlungen. Nach dem Start gibt es eine Übergangszeit bis November 2025, in der beide Formate genutzt werden können. Primär betrifft das Thema Banken, ist aber auch für Corporates relevant.

Welche Folgen hat die Verzögerung? Marc Joppeck, Head of Global Payments Team Germany & Corporate Payments Europe bei StoneX Global Payments, sagt: „Für Banken könnte die Verschiebung ein Vorteil sein – sie können nun durchschnaufen und alles nochmal in Ruhe testen.” Für Unternehmen verändere sich durch die Verzögerung nicht viel, da es sie konkret erst nach der Übergangsphase betrifft. „Dennoch sollten sie sich früh genug damit beschäftigen“, rät Joppeck.

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