18. Treasurer-Panel

19.05.17 08:32

Treasurer befassen sich noch nicht mit PSD2

Von Desiree Backhaus

Viele Treasurer können nicht beurteilen, ob die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 relevant für ihre Arbeit ist. Dabei tritt das Regelwerk in nicht einmal neun Monaten in Kraft.

chombosan/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die PSD2 soll die Innovationskraft und den Wettbewerb im Zahlungsverkehr erhöhen.

Corporate Treasurer fischen bei den anstehenden regulatorischen Änderungen im europäischen Zahlungsverkehr im Trüben. Das geht aus dem 18. Treasurer-Panel hervor, an dem insgesamt 100 Treasury-Verantwortliche im deutschsprachigen Raum teilgenommen haben. Demnach können 41 Prozent der Befragten derzeit nicht einschätzen, ob die Novelle der EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) für ihre Arbeit relevant ist oder nicht. Die PSD2 soll den Wettbewerb, die Innovation und die Sicherheit im Zahlungsverkehr erhöhen – und trifft damit eigentlich eine Kernaktivität der Treasury-Abteilungen. Allerdings glauben lediglich 31 Prozent der Befragten, dass die PSD2 für ihre Arbeit bedeutsam ist. 11 Prozent gehen nicht davon aus.

Das Ausmaß der Unsicherheit, mit dem die Befragten der EU-Richtlinie begegnen, dürfte vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen sein: Zum einen tritt die PSD2 zwar im kommenden Januar in Kraft. „Große Teile der PSD2 werden aber wohl erst ab 2019 gelten“, sagt Lothar Meenen, Global Head of Corporate Cash Management Sales bei der Deutschen Bank, die die Befragung gemeinsam mit DerTreasurer durchgeführt hat. Treasurern bleibt dementsprechend noch viel Zeit zur Vorbereitung. Zum anderen bringt die PSD2 für die meisten Treasury-Abteilungen keinen unmittelbaren Handlungsbedarf mit sich. Im Hinblick auf Sicherheitsanforderungen könnten jedoch einzelne Unternehmen zu Anpassungen gezwungen sein.

PSD2 könnte die Zusammenarbeit mit FinTechs vorantreiben

Gefragt nach den konkreten Auswirkungen der PSD2 geben 36 Prozent der Befragten an, dass sie mit der Entwicklung völlig neuer Services im Zahlungsverkehr rechnen. Knapp jeder dritte Befragte erwartet zudem eine bessere Zusammenarbeit mit Drittanbietern. Auf sinkende Preise im Zahlungsverkehr (15 Prozent) und eine schnellere Gutschrift von Fremdwährungszahlungen (14 Prozent) hoffen dagegen nur wenige. Jeder fünfte Befragte geht davon aus, dass die PSD2 keine Auswirkungen haben wird.

Die PSD2 könnte aber die Zusammenarbeit mit FinTechs verändern und vorantreiben. Denn die Richtlinie unterwirft auch Nicht-Bank-Zahlungsdienstleistern einer stärkeren Regulierung. Bei den befragten Treasurern kommt das gut an: 56 Prozent geben an, die strengere Regulierung würde ihre Einstellung gegenüber diesen Anbietern positiv oder eher positiv beeinflussen. Lediglich 5 Prozent halten dies für eher negativ. Für immerhin 31 Prozent ist es grundsätzlich von Interesse, Drittanbietern direkten Zugang zu Kundenkonten und Daten zu gewähren.

In den kommenden Monaten steht im Zahlungsverkehr noch ein weiterer Umbruch an. Wie Treasurer die Auswirkungen von Instant Payments für Ihre Arbeit beurteilen, das lesen Sie in der Aufmachergeschichte des aktuellen E-Magazins.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Wie bewerten Finanzverantwortliche die Auswirkungen des Brexit auf Ihre Arbeit und in welchen Treasury-Bereichen sehen sie derzeit die größten Herausforderungen? Diese und weitere Fragen adressiert das 18. Treasurer-Panel, das Mitte Mai erscheint.

Sie sind Corporate Treasurer und wollen künftig am Treasurer-Panel teilnehmen? Dann schicken Sie eine E-Mail an backhaus[at]derTreasurer.de