LBBW skaliert Plattform

11.01.18 11:20

Telefónica-Treasurer über den neuen Blockchain-Schuldschein

Von Desiree Backhaus

Der Blockchain-Schuldschein kommt ins Rollen: Als zweites Unternehmen nach Daimler finanziert sich der Mobilfunkkonzern Telefónica Deutschland mit dem neuartigen Instrument. Dieses Mal können mehr Investoren den Schuldschein via Blockchain zeichnen.

Telefónica Deutschland

Telefónica Deutschland begibt als zweites Unternehmen einen Blockchain-Schuldschein.

Telefónica Deutschland will sich per Blockchain-Schuldschein finanzieren. Gemeinsam mit der LBBW und der DZ Bank hat der Mobilfunkkonzern am heutigen Vormittag mit der Vermarktung eines Schuldscheindarlehens begonnen. Die Blockchain-Tranche wird dabei exklusiv von der LBBW begleitet, während sich die DZ Bank auf die klassische Tranche fokussiert. Insgesamt will Telefónica 200 Millionen Euro einsammeln.

„Wir befassen uns schon länger mit der Blockchain-Technologie und wollen Vorreiter bei Innovationen im Finanzbereich sein“, erklärt Albert Graf, Director Corporate Finance & Tax bei Telefónica Deutschland im Gespräch mit DerTreasurer seine Motivation. „Dennoch war uns wichtig, dass die Transaktion kein Selbstzweck ist, sondern auch unseren langfristigen Finanzierungsbedarf erfüllt.“ Deshalb habe man sich dafür entschieden, neben dem innovativen Teil auch eine klassische Schuldschein-Tranche mit längerer Laufzeit zu begeben.

Die konventionelle Tranche soll voraussichtlich eine Laufzeit von sieben bis 15 Jahren haben und 150 Millionen Euro betragen. Während die Blockchain-Tranche ein Volumen von 50 Millionen Euro haben und etwas mehr als ein Jahr laufen soll. Die kurze Laufzeit hat zwei Gründe: Zwar kann so einerseits der gesamte Lebenszyklus des Schuldscheins abgebildet werden: von der Initiierung über die Zuteilung bis hin zum Vertragsabschluss sowie Zins- und Rückzahlungen. Andererseits kann die LBBW so schneller auf technische Weiterentwicklungen reagieren.

Telefónica-Schuldschein mit mehr Investoren als Daimler

Läuft die Transaktion wie geplant, wäre es der zweite Blockchain-Schuldschein nach dem Debüt von Daimler im vergangenen Juni. Damals zeichneten allerdings lediglich vier Investoren aus dem Sparkassenuniversum das neuartige Papier. Das soll bei der Telefónica-Transaktion dieses Mal anders sein: Die LBBW rechnet mit einer niedrigen zweistelligen Anzahl an Investoren, erklärte ein Sprecher auf Anfrage von DerTreasurer.

Die LBBW sollte in der Lage sein, die Zahl einigermaßen präzise vorauszusagen: Denn die Bank hatte bereits im Vorfeld bei „interessierten Darlehensgebern die notwendige technische Infrastruktur implementiert“, um den Blockchain-Schuldschein zeichnen zu können. Dieses Mal sind neben Sparkassen auch Banken und institutionelle Investoren involviert. Damit macht die LBBW einen wichtigen Schritt, um den Blockchain-Schuldschein als wirkliche Option für die Unternehmensfinanzierung zu etablieren.

Telefónica-Treasury spricht mit der Bafin

Neben der Skalierung der Plattform gibt es aber eine zweite Baustelle für die LBBW: die Regulatoren davon zu überzeugen, die Blockchain als alleinigen Emissionskanal zu akzeptieren. Denn nur dann können die Effizienzvorteile der Technologie wirklich zum Tragen kommen.

Dabei bekommt die LBBW Schützenhilfe vom Corporate-Finance-Team von Telefónica: „Wir werden noch im Januar mit der Bafin sprechen und der Aufsicht von unseren Erfahrungen berichten“, erklärt Finanzer Graf. Beim aktuellen Blockchain-Schuldschein muss zwar zunächst weiter parallel der konventionelle Emissionsweg beschritten werden. Je mehr Transaktionen es gibt, desto größer dürfte jedoch die Chance sein, dass die Regulatoren die neue Technologie anerkennen, hoffen sowohl Banker als auch Treasurer. Die LBBW ist DerTreasurer-Informationen zufolge zuversichtlich, dass die Regulatoren die Platzierung via Blockchain womöglich noch in diesem Jahr akzeptieren könnten.

Telefónica experimentiert weiter mit Blockchain

Die Vorbereitung für den Blockchain-Schuldschein bei Telefónica dauerte Graf zufolge etwa sechs Wochen: „Wir waren sehr schnell, weil wir uns im Vorfeld bereits mit der Blockchain befasst hatten.“ Anders als beim Debüt-Schuldschein im Frühjahr 2015 waren dieses Mal aber auch die IT- und Innovationsabteilung des Mobilfunkkonzerns bei der Transaktion eingebunden. Externe Berater waren dagegen Graf zufolge nicht involviert.

Der Schuldschein soll nur der Auftakt in einer Reihe von Blockchain-Versuchen im Finanzbereich von Telefónica sein: „Wir denken auch über Anleiheemissionen, Verbriefungen und Forderungsverkäufe mithilfe der Technologie nach.“ Konkrete Transaktionen seien derzeit aber nicht geplant.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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