Der Lebensmittelhändler Edeka ist der erste Großkunde für die Supply-Chain-Finance-Plattform Traxpay.
22.02.19
Finanzen & Bilanzen

Traxpay gewinnt mit Edeka ersten Großkunden

Seit Anfang 2017 bietet Traxpay digitale Lösungen für Supply-Chain-Finanzierungen. Jetzt hat das Fintech mit dem Lebensmittelhändler Edeka einen ersten Großkunden für die Plattform gefunden. Der Wettbewerb ist schon weiter.

Edeka führt die Supply-Chain-Finance-Plattform von Traxpay ein. Mit dem Hamburger Lebensmitteleinzelhändler hat das Fintech knapp zwei Jahre nach dem Start der Plattform den ersten Großkunden gefunden. Bislang hatten nur zwei kleinere Mittelständler die Plattform des Frankfurter Fintechs genutzt.

Als Grund für die lange Vorlaufzeit führt Traxpay die komplexe Vertriebsstruktur heran: Anders als andere Fintechs im Markt für Supply Chain Finance positioniert sich Traxpay als Partner der Banken. Die Kundenansprache erfolgt über Kooperationsbanken, die die Traxpay-Lösung zunächst selbst einführen müssen. Die Kooperation mit Edeka vermittelte nun die NordLB. Weitere Partnerbanken von Traxpay sind die Commerzbank und die LBBW.

Traxpay setzt auf Dynamic Discounting

Den ersten Kunden an Land gezogen haben nun die Norddeutschen. Die Hamburger Edeka-Zentrale setze auf die Traxpay-Plattform, „um ihren Lieferanten finanzielle Freiräume zu verschaffen und die Beziehung zu ihnen weiter zu vertiefen“, wie das Fintech mitteilte. Konkret kommt dabei das sogenannte Dynamic Discounting zum Einsatz: Je früher Edeka zahlt, desto höher fällt der Skontosatz aus. Der Diskontierungssatz richtet sich nach der Dauer des Zahlungsziels.


Das soll Vorteile für beide Seiten mit sich bringen: Während Einkäufer wie Edeka von höheren Skonti profitieren, erhalten die Lieferanten im Gegenzug einen schnelleren Zugang zu Liquidität und senken ihre Finanzierungskosten. Das Forderungsmanagement soll für sie transparenter sein und zu weniger Abhängigkeit von Banken beitragen.


Edeka muss die Lieferanten allerdings nicht mit Eigenmitteln bezahlen. Denkbar wäre auch auf Fremdkapital zurückzugreifen. Dabei handelt sich um eine Art Reverse Factoring, die über die Plattform vermittelt wird: Dabei springt eine Bank als Zwischenfinanzierer ein und bezahlt den Lieferanten. Nach Ablauf der Zahlungsfrist erhält der Investor sein Geld vom Einkäufer zuzüglich einer Marge.

Verschiedene Supply Chain Finance-Plattformen

Das Angebot für Supply Chain Finance ist hart umkämpft. In dem Segment positionieren sich diverse Fintechs als Plattformanbieter. Dazu gehören unter anderem Taulia, CRX Markets, Crossinx, Cflox und C2FO, deren Angebote sich zum Teil deutlich unterscheiden. So setzten etwa C2FO und Cflox auf eine Marktplatzlogik: Hier treten Lieferanten mit Diskontierungsgeboten gegeneinander an und der Einkäufer kann die für ihn besten Konditionen auswählen. Bei Traxpay ist das anders: Hier gibt der Käufer ein Zahlungsversprechen. Deshalb seien die Finanzströme für den Lieferanten planbar.


Einige der Wettbewerber können auch bereits Kunden vorweisen: Während CRX Markets unter anderem Lufthansa und Vattenfall gewinnen konnte, ist der Edeka-Rivale Lidl Kunde von Taulia. Mehr als eine Handvoll Kunden kann allerdings kaum ein Fintech bislang vorweisen. Bei Traxpay heißt es dazu, man sei mit „zahlreichen weiteren Interessenten in fortgeschrittenen Gesprächen“.

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Ein Interview mit Traxpay-CEO Markus Rupprecht lesen Sie auf der Themenseite FinTech-Interviews  unsrer Schwesterpublikation Finance. 

FinTechs werden auch für Treasurer immer interessanter, da sie unter anderem auch in den B2B-Zahlungsverkehr drängen. Welche neuen Entwicklungen es insbesondere für Firmenkunden gibt und wie die Banken darauf reagieren erfahren Sie auf unserer Themenseite „Neue Player im Zahlungsverkehr“. Welche neuen Anbieter es gibt und warum Unternehmen die innovativen Technologien nutzen steht auf unserer Themenseite „FinTechs im Treasury“.