Erholt sich der Markt für Commercial-Paper-Programme? Nach dem Flauten-Jahr 2021 gab es 2022 etwas mehr CP-Programme – dieser Trend könnte sich in diesem Jahr verstetigen. „Schon zum Jahresende haben wir eine steigende Zahl an neuen CP-Programmen gesehen“, sagt Alexander Stumpf von der Commerzbank, der das Thema Commercial Papers betreut. Ein Beispiel: Der Intralogistikspezialist Jungheinrich ist eines der Unternehmen, die gerade frisch ein Commercial-Paper-Programm aufgelegt haben. Das Debütprogramm, das im November 2022 verkündet wurde, hat ein Volumen von 300 Millionen Euro. „Der Ausblick für 2023 sieht gut aus. Es könnte sein, dass in diesem Jahr deutlich mehr Programme abgeschlossen werden als im vergangenen, nicht nur von Corporates, sondern auch von anderen Finanzinstitutionen“, erläutert der Coba-Banker.
Für die verhaltene Entwicklung im vergangenen Jahr gebe es eine Vielzahl von Gründen, so Stumpf. „2022 hatten Corporates mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen, daher standen alternative Refinanzierungsinstrumente nicht an erster Stelle.“ Die nach 2021 einsetzende Erholung nach der Pandemie sei durch den Ukraine-Krieg und die Energiekrise ausgebremst worden, berichtet der Experte. Auch die fehlende Übernahmegarantie sei ein Grund: „Dealer, also die begleitenden Banken, arbeiten im Gegensatz zu Bonds auf Best-Effort-Basis. Eine Garantie, dass die Transaktion gelingt, gibt es nicht. Und deshalb wird der Markt in Krisen verhaltener“, erläutert Stumpf.
Treasurer reagierten nicht schnell genug
Ein weiterer kritischer Punkt sei das sich wandelnde Zinsumfeld. „Einige Treasurer taten sich schwer damit, zu akzeptieren, dass die Zeit der Negativzinsen vorbei ist, und hatten Probleme, schnell genug auf die Zinsänderung zu reagieren“, hat Stumpf beobachtet. Auch damit ließe sich das geringere CP-Volumen im Jahr 2022 zum Teil erklären. „Der Umdenkprozess bei den Corporates war nicht so schnell, wie sich Investoren das gewünscht hätten.“ Langsam gebe es wieder mehr Nachfrage der Unternehmen, so der Banker. Heidelberg Materials hat gerade erst ein Programm mit Nachhaltigkeitselement aufgelegt. „Die Nachfrage nach solchen nachhaltigen Commercial-Paper-Programmen ist da, aber der Funke ist noch nicht übergesprungen, vor allem weil es schwer ist, das Thema in ein so kurzfristiges Produkt einzuflechten“, beobachtet der Commerzbank-Experte Stumpf.
Eine Veränderung hat Stumpf beim Pricing bemerkt: „Früher wurde das Pricing auf Basis von Euribor oder Libor gemacht, heute tendieren Unternehmen eher zum Estr.“ Diese Entwicklung beobachtet er seit drei bis vier Monaten. „Der Grund dafür ist, dass die Investoren, die häufig Fondsgesellschaften und Geldmarktfonds sind, auf Estr umgestellt haben. Sie verlangen daher von dem Emittenten ein Pricing über Estr.“
Info
Dieser Artikel ist zuerst im DerTreasurer E-Magazin erschienen. Die ganze Ausgabe zum Herunterladen finden Sie hier.
Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihr Themenschwerpunkt ist Unternehmensfinanzierung.

