Treasury-Chef Jörg Boche erläutert die nachhaltige Finanzierungsstrategie von Volkswagen im Interview.

Klaus Lange/Berlin

16.10.20
Persönlich & Personal

„Green Bonds waren nur der Startschuss“

Volkswagens Treasury-Chef Jörg Boche hat die ersten grünen Anleihen des Autobauers am Markt platziert. Das war nur der Anfang, wie er im Gespräch mit DerTreasurer verrät.

Herr Boche, bereits Anfang März hat Volkswagen sein Green Finance Framework vorgestellt. Warum haben Sie erst ein halbes Jahr später Ihr Debüt am Green-Bond-Markt gegeben?
Im Frühjahr, also zum Höhepunkt der Coronakrise, haben wir unsere Liquidität zunächst nicht über Bonds abgesichert. Stattdessen haben wir unsere Kreditlinie in Höhe von 10 Milliarden Euro gezogen, die wir erst im Dezember 2019 neu und günstig aufgesetzt hatten. Das war billiger und flexibler. So konnten wir die Coronakrise bis jetzt ganz gut von der Liquiditätsseite abfedern.

Mit der gerade platzierten grünen Anleihe können Sie den Kredit jetzt schon teilweise zurückführen - richtig?
Ja, wobei die grüne Anleihe natürlich der Refinanzierung grüner Investitionen dient. Auf der anderen Seite haben wir uns im Vorfeld der Transaktion auch gefragt, wie wir die gezogene Linie am besten längerfristig ausfinanzieren können. Die Spreads sind am Anleihemarkt im Laufe des Sommers deutlich gesunken, weshalb wir bis Mitte September gewartet und für die Green Bonds einen günstigen Zeitpunkt abgepasst haben. Für die achtjährige Tranche über 1,25 Milliarden Euro liegen wir bei 125 Basispunkten über Mid-Swap, bei der zwölfjährigen Tranche über 750 Millionen Euro bei 150 Basispunkten über Mid-Swap.

Finanzieller Vorteil bei Green Bonds von Volkswagen

In Fachkreisen wurde bisher immer wieder darüber gestritten, ob es einen finanziellen Vorteil von Green Bonds gibt. Das scheint nun der Fall zu sein.
Ja, wir haben sehr gute Konditionen erhalten. Das Pricing dieser grünen Anleihen hat dazu geführt, dass unsere Euro-Kurve etwas reingelaufen ist. Das heißt, unser Pricing hat sich insgesamt leicht verbessert. Die Anleihen wurden 15 beziehungsweise 17 Basispunkte unter Fair Value gepreist. Es ist davon auszugehen, dass der Vorteil gegenüber einer alternativen Anleihe in der Größenordnung dieser Basispunkte liegt, auch wenn wir es nicht genau sagen können, da wir ja nicht zeitgleich eine „normale“ Anleihe emittiert haben.

Wie aufwendig die Erstellung des Green Finance Frameworks war und wie bei Volkswagen die Idee entstanden ist, den Green-Finance-Markt anzuzapfen, lesen Sie nach dem Login im vollständigen Interview im E-Magazin 19-2020.

Paulus[at]derTreasurer.de

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