Dieter Unterharnscheidt von Spencer Stuart kann im Treasury bisher noch keinen Corona-bedingten Einstellungsstopp feststellen.

Spencer Stuart

21.04.20
Persönlich & Personal

Spencer Stuart: „Bisher kein Corona-bedingter Einstellungsstopp feststellbar“

Die Rolle des Treasurers verändert sich stetig. Warum im Treasury infolge der Corona-Pandemie keine Einstellungsstopps zu sehen sind und wie die Aufstiegschancen im Treasury sind, erläutert Personalberater Dieter Unterharnscheidt.

Viele Unternehmen haben infolge der Coronakrise Kurzarbeit und Einstellungsstopps angekündigt. Wirkt sich das schon auf den Arbeitsmarkt für Treasurer aus?
Im Bereich Treasury und Finanzspezialisten können wir bisher keinen Corona-bedingten Einstellungsstopp feststellen. Im Gegenteil, gerade die Finanzpositionen sind in Krisenzeiten besonders wichtig und verlangen von den Stelleninhabern höchste Aufmerksamkeit und klare Entscheidungen im Hinblick auf Cashflow, Zahlungsfähigkeit und die Erstellung verschiedener Szenarien, um daraus mögliche Maßnahmenkataloge ableiten zu können. Das führt jedoch noch nicht dazu, dass bei Neueinstellungen Sanierungsspezialisten gefragt sind, so wie wir das in der Finanzkrise erlebt haben.

Die Rolle des Treasurers verändert sich stetig. Welche Fähigkeiten muss er heutzutage grundsätzlich mitbringen, um seinen Job gut zu machen?
Ein Treasurer braucht heutzutage Technologiekenntnisse und auch sehr gute Kommunikationsfähigkeiten. Denn er muss in der Lage sein, komplexe finanzielle Themen und Zusammenhänge für Nicht-Treasurer verständlich darzustellen und zu kommunizieren. Zudem muss er sich nach innen und außen vernetzen können. Introvertierte Menschen und solche, die ihre Themen nicht präsentieren können, haben es heute schwer, sich in diesem Aufgabenbereich zu behaupten.

War das nicht schon immer so?
Doch, aber lange Zeit galt der Treasurer als „Number Cruncher“. Mit zunehmend komplexer werdenden Geschäftsmodellen und Unternehmensabläufen hat sich aber zwangsläufig die Rolle in den vergangenen Jahren gewandelt. Es ist viel stärker das Mitdenken und Mitwirken an strategischen Themen gefordert. Und statt des Wirkens im stillen Zahlenkämmerlein kommt es auf die enge und effektive Zusammenarbeit mit internen Business Units wie Vertrieb und Produktion an. Extern ist das strategische Bankenmanagement und der Austausch beispielsweise mit Ratingagenturen gefordert.

„Klassischer Treasurer nicht zum CFO prädestiniert“

Wir beobachten, dass Treasurer zunehmend das Thema Investor Relations (IR) verantworten. Wird der IR-Chef überflüssig, wenn Treasurer nun lernen, besser zu kommunizieren?
Nein, IR ist aus meiner Sicht kein Aufgabengebiet, das ein Treasurer künftig auf breiter Front leisten muss. Meist beschränkt es sich auf die Kommunikation mit den Fremdkapitalgebern. Der IR-Chef wird also nicht überflüssig. Ich sehe den IR-Leiter und den Treasury-Chef daher eher als Tandem.

Wenn Treasurer Führungsqualitäten mitbringen, die sie für den CFO-Posten qualifizieren: Warum werden dennoch so wenige Treasurer CFO?
Das Aufgabenfeld des Treasurers ist immer noch begrenzt. Er bringt in der Regel keine Controlling-, Accounting- und Steuerkenntnisse mit. Und das ist für einen CFO-Posten neben den Finanzierungserfahrungen essentiell. Wenn einem CFO die Finanzierungserfahrung fehlt, dann ist das nicht so schlimm, da er dafür seinen Treasurer hat. Wenn einem CFO-Anwärter aber die anderen Finanzkenntnisse rund um Controlling, Accounting und Steuern fehlen, dann wird er es nicht schaffen, einen CFO-Posten zu ergattern.

Das heißt, ein Treasurer ist nicht dazu prädestiniert, CFO zu werden?
Ja, das gilt zumindest für den klassischen Treasurer. Wenn jemand im Laufe seiner Karriere nichts anderes gemacht hat und an der Spitze des Treasury angekommen ist, ist dies das Ende seiner Karriereleiter. Ein Leiter Controlling eines großen Konzerns hat dagegen deutlich größere Chancen, CFO zu werden, als ein Leiter Treasury.

„Treasurer mit CFO-Ambition muss sich breiter aufstellen“

Treasurer mit CFO-Ambitionen müssen sich also breiter aufstellen…
Ja, aber das gehört bereits zur Ausbildung mit dazu. Wenn ein Treasurer bereits mittleren Alters ist und seit etwa 20 Jahren im Treasury arbeitet, ist der Zug für ihn abgefahren, um sich breiter aufzustellen.

Unternehmen haben es mitunter schwer, leitende Treasurer zu finden. Treasurer-Chefs sind nicht unbedingt wechselwillig. Was können Unternehmen tun, um dennoch einen Treasurer zum Wechseln zu motivieren?
Einen Leiter Treasury von einem Unternehmen wegzubewegen, ist tatsächlich meist sehr schwierig. Der Grund: Er ist meist schon sehr lange dort tätig und fühlt sich mit dem Unternehmen verbunden. Ein Unternehmen kann versuchen, einen Leiter Treasury mit einem breiter gefächerten oder komplexeren Aufgabenspektrum zu locken. Manchmal hilft es auch, wenn das Treasury beim neuen Arbeitgeber einen höheren Stellenwert hat als beim bisherigen. Die Aussicht auf ein höheres Gehalt motiviert die Leiter Treasury weniger zum Wechseln.

Paulus[at]derTreasurer.de

Dieter Unterharnscheidt leitet die deutsche CFO-Practice bei der Personalberatung Spencer Stuart.

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