Versicherungsrisiken selbst in Echtzeit absichern

07.11.17 12:53

Allianz testet Blockchain für Captive-Versicherungsmarkt

Von Sabine Paulus

Der Abschluss von Versicherungen kann Unternehmen einige Zeit kosten. Allianz Global Corporate & Specialty hat nun eine Blockchain-Lösung für ein Eigenversicherungsprogramm eines Unternehmens getestet. Dadurch kann der Prozess im Prinzip in Echtzeit erfolgen.

Der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty experimentiert mit der Blockchain-Technologie.

Allianz

Der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty experimentiert mit der Blockchain-Technologie.

Es gibt kaum einen Bereich in der Finanzindustrie, der nicht mit der Blockchain-Technologie experimentiert. So hat nun auch Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) eine auf der Distributed-Ledger-Technologie basierende Blockchain-Lösung für ein Eigenversicherungsprogramm eines Unternehmens (Captive) getestet, teilte der Industrieversicherer am heutigen Dienstag mit.

Captives sind firmeneigene Versicherungsunternehmen, die Risiken des Mutterkonzerns absichern. Vor allem große Konzerne unterhalten solche Eigenversicherer. Dabei bündelt eine Captive AGCS zufolge ausgewählte Vermögenswerte oder Versicherungsrisiken und sammelt dazu Prämien von Tochtergesellschaften ein beziehungsweise zahlt anfallende Schadenleistungen an diese aus. Captives können demnach über 100 Länder und versicherte Vermögenswerte im Wert von mehreren hundert Millionen US-Dollar umfassen.

Captive-Blockchain-Prototyp konzentriert sich auf Standardprozesse

AGCS hat diesen Prozess nun für ein nicht namentlich genanntes international tätiges Unternehmen mit der Blockchain-Technologie getestet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Zeit vom Start bis zur Police über die Prämienzahlung und der Schadenmeldung bis hin zur Leistungszahlung konnte deutlich verkürzt werden. „Prozesse, die bisher bis zu vier Monate gedauert haben, sind jetzt in vier Minuten machbar“, sagt Yann Krattiger, Principal bei der AGCS-Geschäftssparte Allianz Risk Transfer (ART) auf Anfrage von DerTreasurer.

In den Test des Prototypen  waren dem Industrieversicherer zufolge ART, einer ihrer Unternehmenskunden,  Ernst & Young als Blockchain-Beratungsdienstleister und die Digitalagentur Ginetta involviert. In dem Experiment sind auch grenzüberschreitende Zahlungen durchgeführt worden. Der Zahlungsverkehrsanbieter Citi Treasury and Trade Solutions stellte eine Lösung für diese Zahlungsabwicklung bereit.

Der Allianz Captive-Blockchain-Prototyp, der auf Hyperledger Fabric 1.0 basiert, umfasst Unternehmensangaben zufolge zwei Arten von Versicherungspolicen: Berufshaftpflicht- und Sachversicherungen. Sie wurden für ein Captive-Versicherungsprogramm mit drei lokalen Tochtergesellschaften in den USA, China und der Schweiz getestet. Der Prototyp konzentriert sich demnach auf Standardprozesse einer Captive wie die jährlichen Policenerneuerungen, Prämienzahlungen sowie Schadenmeldungen und -regulierungen und überträgt diese in eine Distributed-Ledger-Umgebung.

„Unser Blockchain-Prototyp für Captives zeigt, dass viele Transaktionen und der Geldtransfer zwischen dem Fronting-Versicherer und dem Kunden deutlich beschleunigt und vereinfacht werden können“, erklärt Krattiger weiter. „Die automatisierte Verarbeitung von Daten und Transaktionen ersetzt Tausende von E-Mails und große Tabellen.“ Jeder Prozess sei transparent und könne in Echtzeit verfolgt werden.

Alle Beteiligten der Blockchain sind in Echtzeit infomiert

Der Grund für die schnellere und effizientere Abwicklung der Versicherungsgeschäfte liegt in den drei Vorteilen, die die Struktur der Blockchain mit sich bringt: Alle Beteiligten eines Eigenversicherers – das Captive-Management, die lokalen Geschäftseinheiten und der Fronting-Versicherer wie AGCS, der die Captive bei der Rückversicherung und Verwaltung des Versicherungsprogrammes unterstützt – verfügen als Teilnehmer der dezentralen Datenbank in Echtzeit über denselben Informationsstand. Alle Aktualisierungen der Datensätze können nur gemeinsam erfolgen und die dezentral gespeicherten Daten werden zudem kryptografisch signiert. Damit herrscht rückwirkend volle Transparenz, Sicherheit, Datenintegrität und verteiltes Wissen.

Durch diese Vorteile sehen Experten auch die Handelsfinanzierung, den Schuldschein und die Wertpapierabwicklung für die Anwendung der Blockchain-Technologie prädestiniert. Doch bis die Blockchain in den verschiedenen Bereichen in Serie gehen wird, wird noch einige Zeit vergehen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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