Donald Trump (links) feierte mit dem Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence den Sieg.

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09.11.16
Risiko Management

Das bedeutet Trumps Sieg für Treasurer

Unerwarteter Ausgang der US-Wahlen: Donald Trump wird der nächste Präsident, das steht seit dem Morgen fest. Die Märkte reagieren mit Kurseinbrüchen und Unsicherheit. Experten gehen nicht mehr von einer US-Leitzinserhöhung in diesem Jahr aus. Auf was müssen Treasurer sich jetzt einstellen?

Wie das unerwartete Ergebnis des Brexit-Referendums erwischt auch die Wahl Donald Trumps die Märkte auf dem falschen Fuß. Bis kurz vor der Wahl sahen führende Meinungsforschungsinstitute die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton noch knapp in Führung. Ihr Vorsprung war in den vergangenen Tagen allerdings immer weiter geschrumpft. Eine Rolle dabei dürften auch neue Ermittlungen in der E-Mail-Affäre gespielt haben.

Kurzfristig zeigten sich die Märkte beeindruckt, der große Schock blieb aber aus: Die asiatischen Leitbörsen eröffneten mit deutlichen Kursrückgängen, der Dax fiel zwischenzeitlich um bis zu 3 Prozent, blieb aber über der Marke von 10.000 Punkten. Auch der Mexikanische Peso fiel um über 10 Prozent gegenüber dem US-Dollar.

Nach dem Wahltag stellt sich deswegen die Frage: Wird Trump als Präsident tatsächlich die im Wahlkampfgetöse geäußerten Ansichten in reale Politik umsetzen? Von der Antwort werden mittelfristig die weiteren Entwicklungen des US-Dollar, der US-Leitzinsen und Aktienmärkte abhängen.

US-Leitzinserhöhung wird wahrscheinlich verschoben

Klar ist: Angesichts der derzeitigen Unsicherheit über den Kurs der neuen US-Regierung nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, dass die Fed in diesem Jahr noch die Leitzinsen erhöhen wird. Experten hatten eine Anhebung für Dezember vorausgesagt. Dadurch können sich deutsche Unternehmen wohl weiterhin sehr günstig am US-Anleihemarkt finanzieren. Das dürfte deutschen Unternehmen zugutekommen, die derzeit in den USA zukaufen, beispielsweise dem Bayer-Konzern, der in den kommenden Monaten die Monsanto-Übernahme durch Anleiheplatzierungen in Höhe von rund 28 Milliarden US-Dollar refinanzieren will.

„Die größte Sorge der Wirtschaft ist nicht die Präsidentschaft von Trump an sich, sondern, dass er Fed-Chefin Janet Yellen abberufen könnte“, meint James Butterfill, Head of Research and Developement bei ETF Securities. Eine derartige Personalie dürfte die Volatilität an den Märkten weltweit erhöhen.

US-Dollar schwächer gegenüber Euro, Yen und Schweizer Franken

Die Devisenmärkte sind ebenfalls unter Druck: Mit Blick auf die anstehenden Handelstage rechnen Beobachter mit dem Schlimmsten. „In Sachen Kursausschlägen wird es mindestens zehn Tage lang Brexit hoch fünf“, sagte zum Beispiel David Hall, Leiter Devisen und Edelmetalle beim Vermögensverwalter Indosuez, gegenüber N-tv. Das überraschende Votum zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU hatte Ende Juni ein Börsenbeben ausgelöst.

Der Dollar hat bereits 3 Prozent gegenüber dem Yen nachgegeben. Die Analysten der HSBC glauben, dass der japanische Yen und der Schweizer Franken als sichere Häfen weiter zulegen werden. Auch den Euro sehen Sie angesichts der weiter zu erwartenden expansiven Geldpolitik der EZB eher stärker positioniert gegenüber dem US-Dollar und wertete auf. Doch ist auch für die Wechselkursentwicklung entscheidend, welche Politik Trump letztlich betreiben wird.

Die politische Dimension

Trump kommt bei seinen Vorhaben zugute, dass er über eine republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus und Senat verfügt. Das dürfte zunächst innenpolitische Konsequenzen haben: Die republikanische Kontrolle beider Häuser bietet die Möglichkeit, die politischen Blockaden in der amerikanischen Innenpolitik in den vergangenen Jahren zu durchbrechen. „Es wird starke Bestrebungen geben, viele Initiativen Obamas zurückzufahren, vor allem Obamacare“, glaubt Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer für Aktien beim Geldverwalter Fidelity.

Außerdem hat Trump sich vehement gegen illegale Einwanderer positioniert. „Würde Donald Trump tatsächlich wie angekündigt mehr als 11 Millionen illegale Zuwanderer zurückschicken, würde die Zahl der Erwerbstätigen in den USA um mehr als 5 Prozent schrumpfen“, sagt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Selbst wenn Donald Trump über mehrere Jahre bis zu einem Drittel der Einwanderer abschieben könnte, entspräche das immer noch 1,7 Prozent der Erwerbsbevölkerung. „Der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre wäre also ausradiert, was das Wachstum negativ beeinflussen würde.“

Ende des Freihandels?

Außenpolitisch hat Trump sich stets als Gegner des Freihandels positioniert. Viele Beobachter und Anleger fürchten protektionistische Vorhaben. Auch hinter das bereits angezählte Freihandelsabkommen der EU mit den USA, TTIP, muss man ein großes Fragezeichen setzen. Zu erwarten sind neue Zölle, eine Beschränkung der Einwanderung und Neuverhandlung von Handelsverträgen. Die dürfte besonders exportorientierte Unternehmen schmerzen, für die die Vereinigten Staaten ein starker Absatzmarkt sind. Stark reagierte etwa die Aktie des Autobauers Toyota, die zeitweise um bis zu 6 Prozent nachgab.

Aber auch für Deutschland könnten derlei Vorhaben problematisch sein: „Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß“, sagt Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo Instituts. „In Deutschland hängen 1,5 Millionen Arbeitsplätze vom US-Geschäft ab, die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands.“

Die Unsicherheit bleibt

Schwer abzuschätzen ist, ob die politischen Berater Trump tatsächlich von einem gemäßigteren Kurs überzeugen können. Vorsichtig optimistisch äußert sich Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer von Feri: „An den Börsen wird das Leben weitergehen – zum einen, weil die neue Situation an den Märkten bereits durch Kursverluste partiell antizipiert wurde, zum anderen, weil Trump grundsätzlich als ,business friendly‘ wahrgenommen wird.“ Nach den ersten Marktturbulenzen sollten bald wieder „partielle Erholungen an den internationalen Finanzmärkten möglich“ sein.

Auf jeden Fall müssen sich Treasurer nach dem überraschenden Ausgang der US-Wahl auf eine Phase der Ungewissheit einstellen. Ähnlich wie nach dem Brexit-Votum regiert zunächst die Unsicherheit, die zu einer hohen Volatilität an den Finanzmärkten führt und Anleger in vermeintlich sichere Anlagen treibt. „Durch die Wahl von Donald Trump wird der Goldmarkt eine Rally von rund 10 Prozent sehen“, erwartet James Butterfill, Head of Research and Delevopement bei ETF Securities. Insgesamt dürften Investitionen in als sicher geltende Anlageformen zunehmen. „Die Kapitalmärkte haben seine Wahl zum Präsidenten nicht eingepreist, deshalb dürften die Reaktionen jetzt sehr deutlich sein“, sagt Butterfill. Das wäre unter Hillary Clinton vermutlich weniger der Fall gewesen: Sie stand für Kontinuität.

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