Währungsrisiken und Kapitalmärkte im Fokus

29.03.17 08:16

Das denken Treasurer über den harten Brexit

Von Desiree Backhaus

Am heutigen Mittwoch will die britische Regierung den Brexit offiziell beantragen. Treasurer haben vor allem Währungsrisiken im Blick. Doch weil ein harter Austritt wahrscheinlich ist, rücken auch Folgen für Kapitalmärkte und Bankbeziehungen zunehmend in den Fokus.

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Der Trennungsprozess beginnt: Großbritannien beantragt heute offiziell den Brexit. Treasurer bleiben gelassen.

Die britische Regierung gibt den Startschuss für die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der Europäische Union: Mehr als neun Monate nach dem Brexit-Votum will London heute das offizielle Scheidungsgesuch in Brüssel einreichen. Damit dürfte Großbritannien voraussichtlich im März 2019 aus der EU ausscheiden – und in der Folge wohl auch den Zugang zum Binnenmarkt verlieren.

Denn erklärtes Ziel von Premierministerin Theresa May ist es, die Einwanderung in das Inselreich zu stoppen. Die EU wiederum pocht darauf, dass der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital nur dann zu haben ist, wenn auch Personenfreizügigkeit herrscht. Ein harter Brexit scheint daher vorprogrammiert. Viele internationale Banken schmieden deshalb bereits Umzugspläne, da sie ihr EU-Geschäft künftig womöglich nicht mehr von der Themse aus betreiben können.

Harter Brexit: Jeder Dritte rechnet mit „eher negativen“ Folgen

Treasurer geben sich dagegen gelassen, wie eine Umfrage von DerTreasurer und der Deutschen Bank unter leitenden Treasurern im deutschsprachigen Raum zeigt: 44 Prozent der bis dato rund 85 Befragten sieht keine Konsequenzen für das eigene Unternehmen, sollte Großbritannien den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren. Lediglich jeder Dritte rechnet mit „eher negativen“ Folgen, 16 Prozent können es noch nicht abschätzen, 6 Prozent geben an, ihr Unternehmen habe kein Geschäft auf der Insel.

Auch in Bezug auf die eigene Arbeit warten die meisten Finanzverantwortlichen noch ab: 61 Prozent der Befragten geben an, ihre Treasury-Abteilung bereite sich derzeit nicht auf den anstehenden Brexit vor. Das liegt in der Mehrheit der Fälle daran, dass das Unternehmen kein oder kaum signifikantes Geschäft in Großbritannien macht. Allerdings geben auch einige Finanzer an, es sei noch zu früh, um sich vorzubereiten.

Währungsrisiken bleiben größte Brexit-Sorge

Von denjenigen Treasurern, die Vorbereitungen treffen, überprüfen mehr als drei Viertel ihr Währungsmanagement. FX-Risiken standen nicht nur unmittelbar nach dem Brexit-Votum im Juni im Fokus der Treasurer: Damals fiel der Kurs des britischen Pfunds innerhalb weniger Stunden von 1,40 Euro pro Pfund auf 1,20. Seither hat die britische Währung weiter an Wert verloren und ist vor allem volatiler geworden. Jeder achte Befragte hat deshalb den Sicherungsgrad im britischen Pfund erhöht.

Angesichts der nun über zwei Jahre laufenden Austrittsverhandlungen dürfte die Unsicherheit – und damit auch die Schwankungsanfälligkeit des Pfunds – noch eine Weile hoch bleiben. Experten raten Treasurern deshalb, auch über alternative Hedging-Instrumente nachzudenken. So können sich Unternehmen die jeweilige Marktlage zunutze machen und auch in Zeiten hoher Volatilität relativ günstig Sicherungsgeschäfte abschließen.

Was passiert nach dem Brexit mit Kapitalmarktregulierungen?

Mittel- bis langfristig sehen die meisten befragten Treasurer die größten Brexit-Auswirkungen ebenfalls im Bereich Risikomanagement. Es folgen der Umgang mit den Banken und Kapitalmarktthemen auf den Plätzen 2 und 3. Diese Einschätzung dürfte vor allem der Aussicht auf einen harten Brexit geschuldet sein: Mit einem Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt können Banken ihr Geschäft auf dem Kontinent künftig nicht länger von der Themse aus betreiben. Die Umzugspläne aus der City laufen deshalb auf Hochtouren.

Zudem entfällt auch die gemeinsame Rechtsgrundlage für Kapitalmarktregulierungen. Das trifft etwa die Finanzmarktrichtlinie Mifid II, die Derivatverordnung Emir oder die Basel-III-Umsetzungsrichtlinie CRD IV, wie ein aktueller Report des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zeigt.

Wie das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU künftig aussehen soll, müssen jetzt die Austrittsverhandlungen klären. London hat heute den Auftakt gemacht. In einem Monat wollen die EU-Mitgliedsstaaten auf einem Sondergipfel über die eigene Strategie entscheiden.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Wie viele Treasurer planen in Folge des Brexit Bankgeschäfte umzuschichten? Und wie bewerten Finanzverantwortliche die Auswirkungen der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 und der Instant Payments auf Ihre Arbeit? Diese und weitere Fragen adressiert das 18. Treasurer-Panel, das Mitte Mai erscheint.

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