PwC-Leitfaden zeigt Treasurern Möglichkeiten zur Vorbereitung eines Euro-Austritts auf

19.07.12 15:06

Euro-Austritt: Auswirkungen auf das Treasury

Von Andreas Knoch

Das Ende für den Euro? Mittelfristig rechnet eine wachsende Zahl von Unternehmen damit, dass der gemeinsame Währungsraum in seiner jetzigen Form keinen Bestand mehr haben wird.

Droht das Ende des Euro?

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Droht das Ende des Euro?

Auch wenn die akute Gefahr eines Euro-Austritts vorerst gebannt scheint, vorüber ist sie längst nicht. Im Gegenteil: „Wir diskutieren über den Grexit, das Ende des Euros. Währungsschwankungen und Zinsveränderungen sind in diesem Umfeld nur noch schwer zu prognostizieren. Auch die Bonität der Banken ist ein Thema geworden“, sagt Martin Bellin, Chef des Treasury-Softwareund -Beratungshauses Bellin gegenüber FINANCE-TV. „Jeder Treasurer sollte sich dringend fragen: ‚Was ist mir die Transparenz über diese Risiken und ihren Einfluss auf die Liquidität wert‘?“, rät er deshalb.

Ein Austritt einzelner Länder aus der Euro-Zone hätte weitreichende Implikationen – vor allem im Treasury von Unternehmen, die in oder mit diesen Ländern Geschäfte machen. Das Problem: Die damit verbundenen Risiken sind vielschichtig und betreffen Firmen höchst unterschiedlich. „Wir haben deshalb mögliche Auswirkungen eines Austritts einzelner Länder aus der Währungsunion auf das Treasury analysiert“, sagt PwC-Partner Folker Trepte. Herausgekommen ist ein Leitfaden, der Treasurer für mögliche Fallstricke eines solchen Szenarios sensibilisieren soll.

Währungsrisiken durch Euro-Austritte

Ein möglicher Euro-Austritt tangiert Treasurer im Wesentlichen durch höhere Fremdwährungsrisiken, höhere Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken und höhere Bonitätsrisiken. Trepte empfiehlt beispielsweise eine differenziertere Betrachtung des FX-Exposures nach Ländern. „Treasurer sollten sich die Frage stellen, ob die Märkte für die neuen Währungen liquide sind.“ Der Euro-Austritt eines Landes hätte zur Folge, dass die neue Währung unter enormen Abwertungsdruck geriete. Um das Abwertungsrisiko für die Cashflows zu minimieren, sollten Treasurer deshalb prüfen, ob diese sich in weniger volatile Währungsgebiete verlagern lassen. „Darüber hinaus ist zu prüfen, inwieweit Verträge anzupassen sind“, gibt Trepte zu bedenken. So kann es Sinn machen, die Fakturierungswährung neu zu verhandeln oder entsprechende Preisgleitklauseln in die Verträge zu integrieren.

Nicht zuletzt sollten Unternehmen ihre Cashpooling-Strukturen hinterfragen. Eventuell macht es Sinn, Liquiditätsreserven in den Krisenländern abzubauen oder anzupassen. Für ausländische Töchter steigen im Falle eines Euro-Austritts zudem die Risiken bei der Finanzierung. „Treasurer sollten deshalb prüfen, ob in einem solchen Szenario der Zugang zu Finanzmitteln gesichert ist oder neue Quellen erschlossen werden müssen. Das betrifft sowohl die externe, aber auch die konzerninterne Finanzierungsstruktur“, sagt Trepte. „In diesem Zusammenhang sollte auch die Bonität der Auslandsbanken einer genauen Prüfung unterzogen werden. Unter Umständen ist eine Verlagerung der Geschäftsbeziehungen auf stabilere Bankpartner ratsam.“

Knoch[at]derTreasurer.de