Der Rubel wertet ab, bislang reagieren einige Treasurer aber noch nicht.

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12.09.14
Risiko Management

FX-Management: Versäumnisse beim Rubel-Hedging

Der Rubel hat wegen der Russland-Sanktionen zuletzt deutlich an Wert verloren. Einige deutsche Unternehmen scheinen die Entwicklung unterschätzt zu haben. Das kann teuer werden, wie das Beispiel eines Dax-Konzerns zeigt.

Die Rubel-Abwertung kommt einige deutsche Unternehmen teuer zu stehen. Auch ein namhafter Dax-Konzern hat die Entwicklung nach Informationen von DerTreasurer unterschätzt und muss einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe verzeichnen, weil er sich zu spät gegen den Rubel-Verfall absicherte.

Das ist kein Einzelfall. „Treasurer verzichten häufig auf Absicherung, wenn sie diese für zu teuer halten“, sagt Christian Debus, Partner bei KPMG. Sie würden auf die Terminaufschläge der Währungen schauen, politische Risiken und Marktindikatoren wie die Volatilität dagegen oft ausblenden. Außerdem würden viele Unternehmen ihren Treasury-Abteilungen eine deterministische Absicherungsstrategie vorgeben, so Debus: „In dem Fall gibt es festgelegte Sicherungsquoten, Marktentwicklungen und Risikokennzahlen beeinflussen die Hedging-Entscheidungen dann nicht.“ Unternehmen wollen so Spekulation vorbeugen. Treasurer wiederum schützen sich vor unangenehmen Rechtfertigungen – schließlich kann die vermeintliche Sicherung auch negative Effekte haben, wenn sich der Markt anders entwickelt.

Treasurer müssen jetzt Handeln

Beim Rubel erscheint ein Handeln aber erforderlich, um nicht noch höhere Verluste einzufahren: Aktuell ist 1 Euro knapp 49 Rubel wert, doch der Abwertungsdruck dürfte sich fortsetzen, wenn die EU wie angekündigt ihre Sanktionen verschärft. Die russische Zentralbank könnte laut der Raffeisen Bank International (RBI) mit einer Leitzinserhöhung um 50 Basispunkte auf 8,5 Prozent zwar gegensteuern. Das werde den Rubel aber nicht signifikant stützen, meint die RBI.

Das wichtigste Absicherungsinstrument sind Forwards. Der Markt für Rubel-Termingeschäfte sei liquide und werde immer größer, sagte Thu Lan Nguyen von der Commerzbank Anfang Juli zu DerTreasurer. Ob eine neue Sanktionsrunde die Verfügbarkeit beeinflusst, ist noch nicht abzusehen.

Backhaus[at]derTreasurer.de