Maschinenbauer kämpfen mit höheren Preisen bei Kautionsversicherungen.

DedMityay - adobestock.com

14.09.21
Risiko Management

Kautionsversicherungen: Kreditqualität sinkt

Ein neuer Preisindex von Gracher zeigt klare Rating-Migration im „Standardgeschäft“. Dennoch gibt es keinen Preisschock.

Im zweiten Quartal 2021 ist die Kreditqualität bei Kunden von Kautionsversicherungen im Schnitt deutlich gesunken. Damit schlägt sich die Coronakrise offensichtlich verzögert nieder, lag die durchschnittliche Kreditqualität in den Vorquartalen doch gleichbleibend bei BBB-, also noch knapp im Investmentgrade-Bereich.

Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Preisindex für Kautionsversicherungen, den der Makler Gracher aufgelegt hat und der die Skala von Euler Hermes in die Noten der Ratingagentur S&P übersetzt hat. Demnach ist die Kreditqualität auf BB- gefallen. In die Berechnungen flossen 52 Neuabschlüsse ein. Nach eigenen Angaben deckt Gracher derzeit rund die Hälfte des Neugeschäfts für Kautionsversicherungen im deutschen Markt ab.

Dabei betrachtet der Makler primär das Segment von Abschlüssen zwischen 1 Million und 10 Millionen Euro. Größere Deals hat Gracher absichtlich herausgelassen, weil sie „das Ergebnis verfälschen würden“. Dies liege an den komplexeren Transaktionen, längeren Laufzeiten und Währungsrisiken, die eingepreist werden.

Gracher: Preise im großvolumigen Geschäft höher

Die Unterschiede zeigen sich auch bei den Prämien: Bei großvolumigen Geschäften sind die Preise weiterhin höher als im „Brot-und-Butter-Geschäft“. In diesem Segment bleiben die Preise im Schnitt fast stabil - und das, obwohl sich die Kreditqualität deutlich verschlechtert hat. Dass ein Preisschock ausbleibt, kann laut Gracher daran liegen, dass der Risikoappetit der Kautionsversicherer seit dem Höhepunkt der Coronakrise im Frühjahr 2020 gestiegen ist und mehr Anbieter am Markt aktiv sind.

„Während der Coronakrise hatten sich einige Kautionsversicherer aus dem Neuversicherungsgeschäft weitgehend zurückgezogen“, so Gracher. Die Preise der Avalkredite lagen bei durchschnittlich 1 Prozent pro Jahr. Dabei zeigten sich Branchenunterschiede: Maschinen- und Anlagenbauer, die die konjunkturellen Auswirkungen deutlich spüren, lagen „signifikant“ über diesem Wert.

Das Baugewerbe oder Anbieter technischer Gebäudeausrüstung zahlten hingegen niedrigere Preise. Das liege auch daran, dass Maschinen- und Anlagenbauer relativ teure Anzahlungsbürgschaften benötigen, der Bau aber nicht. „Erst im dritten Quartal 2021 werden wir sehen, ob es bei den Bonitätsverschlechterungen bleibt“, stellt Alfons Maria Gracher fest.

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