ESG-Faktoren spielen bei Kautionsversicherungen eine immer wichtigere Rolle.

Kamilpetran/adobestock.com

30.04.21
Risiko Management

Kautionsversicherungen werden teurer

Kautionsversicherungen, Warenkreditversicherungen, Avale: Der Markt steht unter dem Eindruck von Corona, Versicherer reagieren weiter risikoavers, wie eine Analyse vom Makler Gracher erbracht hat.

Der Markt für Kautionsversicherungen unterliegt weiter einer hohen Unsicherheit. Das spiegelt sich auch in steigenden Preisen wider, wie eine aktuelle Analyse des Kredit- und Kautionsmaklers Gracher zeigt. Problematisch ist die Situation vor allem bei Großgeschäften von über 10 Millionen Euro pro Einzelstück, beobachtet Geschäftsführer Alfons Maria Gracher.

Dies entspreche bei einer Vertragserfüllungsbürgschaft von 10 Prozent einem Auftragswert von 100 Millionen Euro. „Hier haben die Preise bis ins dritte Quartal 2020 um mehr als 100 Prozent angezogen“, sagt Gracher.

Zurich, Euler Hermes und SwissRe fahren zurück

In diesem Segment gibt es nur neun Kautionsversicherer am deutschen Markt. Die drei Etablierten – Zurich, Euler Hermes und SwissRe – hätten den Geschäftsbetrieb zeitweise „stark eingeschränkt oder sogar ganz“ eingestellt. Vor allem bei Euler Hermes zeichneten sich im Bestandsgeschäft laut Gracher „deutliche Preisanstiege“ ab.

Dies treffe besonders Unternehmen im „Non-Investmentgrade“. Die Lage entspanne sich aber zusehends. Zum Höhepunkt der ersten Corona-Welle, im April 2020, seien selbst Kunden mit A-Ratings abgelehnt worden.

„Das Thema ESG habe ich zuerst unterschätzt.“ 

Alfons Gracher

Vergleichsweise milde ist dagegen der Preisanstieg bei kleineren Volumina: „Bei Fazilitäten bis 10 Millionen Euro ohne Sondergeschäfte, also dem Großteil des Tagesgeschäfts, lag der Preisanstieg zuletzt bei etwa 15 Prozent pro Jahr“, erklärt Gracher. Das liege vor allem darin begründet, dass der Wettbewerb in diesem Segment groß ist und insgesamt 16 Kautionsversicherungen (KTV) um „die Gunst der Kunden“ buhlten. Erschwerend komme im ersten Quartal 2021 hinzu, dass viele Unternehmen jetzt schwächere Bonitäten haben.

Preise sollen um durchschnittlich 15 Prozent steigen

Gracher geht davon aus, dass die Preise für Bestandskunden in diesem Jahr um durchschnittlich 15 Prozent steigen werden. Warenkreditversicherer setzten über alle Bereiche Prämienerhöhungen von 10 bis 20 Prozent durch. Banken zögen sich weiter aus dem Avalgeschäft zurück. „Alternative Finanzierungsmodelle wie Kaution, Factoring und Debt-Fonds sind daher umso gefragter und werden die klaffende Lücke schließen“, meint er.

Allerdings achteten die Versicherer zunehmend auf Nachhaltigkeit. „Das Thema ESG habe ich zuerst unterschätzt“, räumt Gracher ein. „Jetzt zeigt sich: Öl und Gas sind nicht beliebt. Auch bei Unternehmen, die in die Kohleproduktion liefern, ziehen sich Versicherer zurück.“

Dentz[at]dertreasurer.de

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