Teure Rohstoffe fordern Treasurer

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Die Rohstoffpreise kannten in den vergangenen Monaten fast nur eine Richtung: nach oben. In vielen Unternehmen sind Treasury-Abteilungen zwar nicht für Rohstoffe zuständig, das Thema liegt im Einkauf. Doch in den vergangenen Wochen brauchten immer mehr Treasurer Beratung, wie die Commodity-Experten Ralph Schilling und Bardia Nadjmabadi von KPMG berichten: „Viele Unternehmen – egal ob Mittelstand oder Konzern – kennen ihr Rohstoff- oder Energie-Exposure überhaupt nicht“, sagt Schilling, Head of Finance- und Treasury-Management bei KPMG Deutschland.

Viele Treasurer kennen Rohstoff-Exposure nicht

„Bei zahlreichen Unternehmen geht es jetzt um Fragen wie: Können wir Futures für Strom abschließen? Können wir CO2-Preise absichern? Dem Treasury fehlt zur Beantwortung aber die Datenbasis“, ergänzt Nadjmabadi, Risikospezialist bei KPMG. Auch Bilanzierungs- und Bewertungsfragen seien kurzfristig häufig nicht leicht zu klären, da die Fragestellungen sehr komplex sein können.

„Die Modellerstellung für die Bewertung und die korrekte bilanzielle Abbildung haben in einem Fall ein halbes Jahr gedauert“, führt Nadjmabadi ein Beispiel an. Den Experten von KPMG zufolge sei Rohstoff-Hedging aber anspruchsvoller als etwa FX-Hedging, weil es tief in die Wertschöpfungskette eingreife. „Um beispielsweise Aluminium zu verarbeiten, braucht man viel Energie und je nach Legierung weitere Rohstoffe. Die Absatz- und Beschaffungsseite hängen stark zusammen. Das müssen Treasurer beachten“, erklärt Schilling.

Kontrahentenlimits schneller überschritten

Für Treasurer ist es auch problematisch, dass die steigenden Rohstoffpreise Cash-wirksam sind. Die Lagerbestände werden zwar wertvoller, aber der Einkauf der Materialien auch teurer: „Viele Treasurer schauen deshalb noch einmal genauer auf das Working Capital Management und gehen Themen wie Factoring an“, beobachtet Schilling. Auch Kontrahentenrisiken sind zum Teil ein Problem, da durch die explodierenden Preise die Limits schneller ausgelastet sind. „Manche Unternehmen können derzeit Materialien auf Termin nur schwer beschaffen, weil die Kontrahentenrisiken ausgelastet sind.“

Die KPMG-Experten empfehlen Treasury-Abteilungen, sich eingehend damit zu beschäftigen, was die steigenden Rohstoffpreise für ihr Unternehmen bedeuten. „Auch wenn die Verantwortung eigentlich im Einkauf oder Vertrieb liegt“, so Schilling. „Denn die Abteilungen kommen in solchen Situationen gerade bei CFO-Anfragen zu Risikokennzahlen und Sicherungsmöglichkeiten auf Treasurer zu und erwarten sich Hilfe.“

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury.