Transaktionskosten senken

01.02.18 08:09

Wie Algorithmen das FX-Hedging verändern

Von Desiree Backhaus

Im Währungsmanagement laufen viele Prozesse noch manuell ab. Das kann teuer werden – vor allem, wenn Treasurer große Beträge absichern müssen. Jetzt sollen Algorithmen das FX-Hedging verbessern.

scyther5/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Maschine nimmt dem Menschen Arbeit ab - auch im Währungsmanagement.

Das FX-Hedging milliardenschwerer Übernahmen gehört zu den Königsdisziplinen im Treasury – und ist daher eines der Felder, in dem Banken selbst den professionellsten Firmenkunden einen Mehrwert bieten können. Für das Risiko, das der Deal nach Unterzeichnung des Kaufvertrags noch platzt, haben sie den Deal Contingent Forward erfunden. Um die Transaktionskosten im Währungsmanagement zu senken, setzen die Häuser nun Algorithmen ein.

„Bislang stehen Treasurer vor dem Dilemma, einen FX-Trade entweder schnell oder kostenschonend an den Markt zu bringen“, berichtet Volker Anhäuser, Head of Corporates, Global Markets Deutschland bei BNP Paribas. Verkauft ein Unternehmen eine große Position auf einen Schlag an eine Bank („risk transfer“), verlangt diese einen Risikoaufschlag. Dieser dient als Kompensation für die Gefahr, dass sich der Wechselkurs verschlechtert, bevor die Bank die übernommene Position glattgestellt hat. Diese sogenannte Slippage steigt, je höher das Volumen und je illiquider die Währung ist.

Um das zu vermeiden, zerlegen Unternehmen große Transaktionen in viele Teilgeschäfte, die sie nach und nach in den Markt geben. Damit verbleibt das Marktpreisänderungsrisiko aber beim Unternehmen.

Algorithmus entscheidet über beste Hedging-Umsetzung

Ein Algorithmus, der entscheidet, in welchen Losgrößen und Zeitabständen große Hedging-Volumina in den Markt gebracht werden, löst dieses Dilemma zwischen Planungssicherheit und Kostenoptimierung ein Stück weit auf: „Der Algorithmus misst in Echtzeit die Bid-Offer-Spreads sowie die abgeschlossenen Volumina auf verschiedenen Handelsplätzen und leitet aus diesen und weiteren Parametern die optimale Ausführung ab“, erklärt Anhäuser.

Ändert sich der Markt, reagiert die Software sofort und passt Losgröße und Frequenz an. Der Treasurer kann dies in Echtzeit über das Kundenportal verfolgen, wo er zuvor auf Basis der eingegebenen Parameter eine Prognose über die wahrscheinlichen Transaktionskosten erhalten hat, und im Zweifel manuell eingreifen. Letzteres sei in der Praxis aber noch nie vorgekommen, sagt Anhäuser.

Erste Unternehmen automatisieren ihr FX-Hedging

Dem Derivateexperten zufolge sinken die Transaktionskosten dadurch signifikant: „Bei großen Hedging-Aufträgen kann die Slippage bis zu 20 Basispunkte betragen.“ Bei einer Transaktion über 1 Milliarde Dollar entspräche das bis zu 2 Millionen Dollar, die sich einsparen lassen. Ein weiterer Vorteil: Nicht das Unternehmen, sondern die Bank tritt im Markt als Kontrahent auf, was diskreter ist. Im Gegenzug muss der Treasurer eine Gebühr für die Nutzung des Algorithmus zahlen. Bei BNP Paribas ist dies ein fester Promillesatz vom gehandelten Nominalvolumen, der jedoch individuell und abhängig von der Nutzungshäufigkeit mit dem Kunden ausgehandelt wird.

Der Mehrwert dieses Verfahrens kommt bisher nur bei großen Hedging-Volumina zum Tragen. Anhäuser kann sich aber vorstellen, dass Algorithmen künftig dabei helfen, das FX-Hedging generell zu automatisieren – etwa beim Netting gegenläufiger Positionen, beim Aggregieren kleiner Positionen oder der automatisierten Ausführung in günstigen Marktphasen. Einzelne innovative Unternehmen haben dies schon auf den Weg gebracht.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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