Beratungsbedarf beim FX-Hedging

01.09.16 09:31

Brexit: Treasurer suchen neue Banken

Von Desiree Backhaus

Das Brexit-Votum hat viele Banken überrascht. Das hat Folgen: Europäische Treasurer klagen über schlechte Beratung und wollen ihre Banken wechseln.

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Die Londoner City fürchtet den Brexit. Einige europäische Treasurer wenden sich von britischen Banken ab.

Viele Treasurer fühlen sich im Nachgang an das Brexit-Referendum nicht gut beraten von ihren Banken. Das geht aus einer Umfrage der US-Beratungsgesellschaft Greenwich Associates hervor, die in der zweiten Juli-Hälfte 128 europäische Treasury-Verantwortliche aus Unternehmen befragt, die mindestens eine halbe Milliarde Euro Jahresumsatz schreiben. Von den 93 Befragten aus Kontinentaleuropa geben 61 Prozent an, sie hätten nicht genug oder lediglich unklare Ratschläge von ihren Banken erhalten. In Großbritannien empfindet dies knapp die Hälfte der Befragten.

Dabei ist der Beratungsbedarf der Unternehmen in Zeiten der Unsicherheit besonders hoch: Insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Währungsrisiken wünschen sich die Befragten eine bessere Ratschläge. Immerhin ein Drittel der Befragten vom Kontinent und die Hälfte der britischen Treasurer haben ihre Hedging-Strategie nach dem Austrittsvotum bereits angepasst. Für künftige Investitions- und Finanzentscheidungen setzen Unternehmen derzeit verstärkt auf Szenarioanalysen. Beim Daten-Input für diese Modelle setzen die Befragten ebenfalls auf die Banken. Die vergleichsweise beste Informationspolitik attestieren die Befragten der HSBC, gefolgt von BNP Paribas und der Citi – sowohl vor als auch nach dem Referendum.

Brexit: Britische Banken drohen Firmenkunden zu verlieren

Ein EU-Austritt Großbritanniens dürfte den Studienergebnissen zufolge Bewegung in den Bankenkreis der Unternehmen bringen. Vor allem britische Banken drohen Firmenkunden zu verlieren. Mit 54 Prozent ist die Mehrheit der Corporates aus Kontinentaleuropa davon überzeugt, dass Finanzdienstleister mit Sitz in Großbritannien ihre Passporting-Rechte mit einem EU-Austritt verlieren werden. Dies beträfe allerdings nicht nur britische Banken, sondern auch amerikanische oder asiatische Institute, die von der Londoner City aus den EU-Markt bedienen.

Immerhin 40 Prozent planen deshalb, ihre Bankengeschäfte umzuschichten – weg von britischen Banken hin zu Regionalbanken in der EU oder zu global tätigen Instituten. Aus den Führungsetagen dieser Global Player ist bereits zu hören, dass man sich wegen des Brexits Hoffnung auf Neugeschäft mache. Ihre Cash-Management-Aufstellung nehmen die Unternehmen ebenfalls unter die Lupe: Immerhin 13 Prozent überprüfen die Liste ihrer britischen und europäischen Cash-Management-Anbieter.

Backhaus[at]derTreasurer.de