Negativzinsen belasten Treasurer

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Schon in den Panel-Ergebnissen in diesem Frühjahr zeichnete sich ab, dass immer mehr Treasury-Abteilungen nicht mehr im Krisenmodus arbeiten, auch wenn die Corona-Pandemie in diesen Tagen mit rekordhohen Inzidenzzahlen zuschlägt. Dennoch wird der Weg der Finanzabteilungen in die Normalität immer klarer, wie das aktuelle Treasurer-Panel zeigt, an dem 80 Treasury-Chefinnen und -Chefs aus der DACH-Region teilgenommen haben.

Die größte Herausforderung sind nach wie vor die Liquiditätssteuerung und das Cash Management, wie 53 Prozent der Befragten angaben. Im Cash Management kristallisiert sich vor allem ein Sorgenkind heraus: die Negativzinsen. In einer offenen Frage, in der Treasurer die Herausforderungen selbst benennen konnten, taucht in nahezu jeder Antwort der „Umgang mit Negativzinsen“ als problematisch auf.

Daneben stellen wie auch schon im Frühjahr die Treasury-IT und das Risikomanagement die Treasurer vor große Herausforderungen (jeweils 45 Prozent). Beide Themen stiegen in der Wichtigkeit im Vergleich zur ersten Befragung dieses Jahres an. Damals lagen die Treasury-IT bei 42 Prozent und das Risikomanagement bei 38 Prozent.

SAP S/4 Hana ist großes Thema für Treasurer

Gründe dafür nennen zahlreiche Befragte wiederum in einem Freifeld: Viele Treasurer bewegt die aufwendige Umstellung auf SAP S/4 Hana. Im Risikomanagement spielen vor allem eine erhöhte Volatilität und noch nicht sichtbare Pandemie-Folgen“ eine Rolle.

Entwarnung gibt es allerdings von der Finanzierungsfront: Der Punkt Finanzierung allgemein“ als Herausforderung sank im Vergleich zum Frühjahr noch einmal um 2 Prozentpunkte auf 18 Prozent. Die langfristige Analyse der Finanzierungsbedingungen zeigt, dass sie sich für 71 Prozent der Treasurer in den vergangenen drei Monaten nicht verändert haben, für 21 Prozent sind sie sogar besser geworden. Lediglich für rund 9 Prozent haben sie sich verschlechtert. Das dürfte für Unternehmen aus Branchen gelten, die immer noch sehr unter der Coronakrise leiden, wie die Reisebranche zum Beispiel, oder die wie der Fahrzeugbau mit Lieferkettenproblemen zu kämpfen haben.

Skepsis gegenüber digitalem Euro

Viel Unsicherheit herrscht derzeit noch bei Zukunftsentwicklungen, die das Potential haben, die Arbeit im Treasury-Bereich zu revolutionieren. Beispiel digitaler Euro: Den Entschluss der EZB aus dem Juli dieses Jahres, ein Projekt zur Einführung eines digitalen Euro zu starten, bewerten zwar 42 Prozent als richtig und halten nur 12 Prozent für falsch. Es fällt aber auf, dass immerhin 47 Prozent sich kein Urteil zur Entscheidung der EZB zutrauen.

Etwas mehr Klarheit haben Treasurer dagegen bei der neuen Zahlungsaufforderung Request to Pay. Im Juli ist das Sepa-Verfahren an den Start gegangen. 29 Prozent der Befragten können sich vorstellen, Request to Pay zu nutzen, und 47 Prozent können sich vorstellen, dies vielleicht zu tun. Ein Viertel dagegen sieht keine Einsatzmöglichkeit, wo sich Request to Pay am besten anwenden lässt, ist laut der Umfrage nicht eindeutig. Am ehesten können sich Treasurer Request to Pay bei der Verbesserung der Zuordnung eingehender Zahlungen vorstellen sowie als attraktives Bezahlverfahren für Kunden und einen Schritt in Richtung E-Invoicing.

Bei den Treasurern, die sich kein Request to Pay vorstellen können, stehen die Gründe, dass sie bei dem Tool keine Vorteile sehen, sowie, dass sie sich noch nicht mit dem Thema befasst haben, ganz vorne. Das Verfahren trifft auf den ersten Blick aber auf mehr Akzeptanz als der digitale Euro – es ist auch schon deutlich konkreter.

Autorenbild Sarah Backhaus

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.