Deutsche Treasury-Abteilungen halten Instant Payments für interessant, doch bisher gab es noch viele Hürden, die den großen Durchbruch der Echtzeitzahlungen verhinderten. Das soll sich laut der EU-Kommission nun ändern. So hat sich die EU-Kommission das Ziel gesetzt, die Echtzeitzahlungen zum Standard zu machen. Das geht aus einem Verordnungsentwurf der Kommission hervor, der der F.A.Z. vorliegt.
Banken sollen nun verpflichtend für den Eurozahlungsverkehr Instant Payments ebenso wie klassische Sepa-Überweisungen anbieten. Das würde auch bedeuten, dass die Echtzeitzahlungen dann günstiger, in vielen Fällen sogar kostenlos werden. Bisher galten sie eher als „Premiumprodukt“.
Im Sepa-Raum gibt es seit 21. November 2017 einen Standard (SCTInst), der Details zur Instant Payments vorgibt. Viele dieser Details sollen nun verpflichtend gelten. Zum Beispiel: Instant Payments dürfen bei der Überweisung eine Höchstdauer von zehn Sekunden haben und sie müssen 365 Tage im Jahr möglich sein. Bei den Banken, die Instant Payments anbieten, sind diese Punkte in der Regel schon gegeben. Auch schärfere Kontrollen gegen Geldwäsche seien gefordert.
Instant Payments bislang noch optional
Bislang scheitert der großflächige Einsatz der Instant Payments noch daran, dass sie nur optional von Banken angeboten werden und es keine Regulatorik gibt. Außerdem bestehen Betragsobergrenzen, was den Einsatz der Echtzeitzahlungen weiter eingeschränkt hat. Ein weiterer Punkt, der die Nutzung von Instant Payments einschränkte, waren fehlende Business Cases auf Seiten der Unternehmen.
Werden die Hürden nun kleiner, könnten sich Treasurer mit den Einsatzmöglichkeiten auch besser auseinandersetzen. Auch das neue Format Request to Pay könnten die neue Regeln für Echtzeitzahlungen beflügeln.
Instant Payments werden noch wenig genutzt
Bislang hinkt die Einführung der Instant Payments noch. Laut der EU-Kommission bieten in der EU etwa ein Drittel aller Bankinstitute keine Instant Payments an. Unter anderem wegen des nicht flächendeckenden Angebots seien Ende 2021 nur 11 Prozent aller Überweisungen in Echtzeit erfolgt. Der neue Rechtsrahmen soll das Thema nun in der Breite nach vorne bringen.
Der Vorschlag geht nun in die Gesetzesberatungen des Europaparlaments und der Mitgliedstaaten. Der wirtschaftspolitische Sprecher der EVP-Fraktion, Markus Ferber (CSU), begrüßte den Vorschlag. Er sorge dafür, dass der europäische Zahlungsverkehr im 21. Jahrhundert ankomme. „Es ist heute schlichtweg nicht mehr zeitgemäß, wenn wir die Zahlungsabwicklung in Tagen und Stunden messen müssen“, sagte Ferber.
Treasury steht trotzdem noch vor Hürden
Mit Blick in die Treasury-Praxis, wo derzeit vor allem eher der E-Commerce Echtzeitzahlungen nutzt, wird das aber vermutlich nicht der ultimative Durchbruch sein. Gut ist, dass Banken nun „gezwungen“ werden, in ihre Systeme zu investieren, so dass es bei den Banken eine Harmonisierung bei Instant Payments gibt.
Eine große Hürde aber bleibt: Instant Payments bringen nichts, wenn die Treasury-Systeme nicht in Echtzeit arbeiten. Treasury- und ERP-Systeme müssen in der Lage sein, Realtime-Prozesse zu verarbeiten. Jetzt sei es häufig noch so, dass zwar eine Echtzeitzahlung an das Unternehmen verschickt wird, dieses aber erst zwei Tage später erfährt, dass die Zahlung eingegangen ist und dann erst die Ware rausschickt, mahnte Ex-Strabag-Treasurer Norbert Hambloch im Juli im Gespräch mit DerTreasurer. Den jetzigen Schritt finder er gut und meint, dass nur so kann der flächendeckende Durchbruch der Instant Payments gelingen kann.
Damit die Treasury-Systeme bereit für Instant Payments sind, sollten sie in der Zusammenarbeit mit ihren Banken mit APIs interagieren. Da jede Bank aber eine eigene API etabliert hat, ist auch dieses Thema komplex. Einige Zahlungsverkehrsdienstleister sehen hier ihre Chance und wollen die Verknüpfung für Corporate Treasurer übernehmen. Ein jüngstes Beispiel ist Siemens, die mit Finlync zusammenarbeiten.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.

