Die EZB hat die Hoffnung zerstört, dass es sich bei den Negativzinsen nur um ein temporäres Phänomen handelt.

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19.11.19
Asset Management

Immer mehr Banken reichen Negativzinsen weiter

Neue Realität für Treasurer: Unternehmen können Negativzinsen auf Einlagen fast nicht mehr vermeiden. Die Bundesbank geht inzwischen von einer „üblichen Praxis“ aus.

Mehr als die Hälfte der deutschen Banken erhebt inzwischen Negativzinsen auf Einlagen von Firmenkunden. Das geht aus dem November-Monatsbericht der Bundesbank hervor. Hierfür hat die deutsche Zentralbank rund 220 Banken zu ihren volumengewichteten Durchschnittszinssätzen in den einzelnen Einlagenpositionen befragt. Demnach meldeten 58 Prozent der meldepflichtigen Institute im September 2019 einen negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz auf Sichteinlagen von Unternehmen. Diese Banken verwalten wiederum insgesamt 79 Prozent des gesamten Sichteinlagenvolumens von Unternehmen.

Damit hat sich die Quote der Banken, die Negativzinsen von ihren Firmenkunden erheben, deutlich erhöht. Zum Vergleich: Im Dezember 2017 betrug der Anteil der Institute, die volumengewichtet im Durchschnitt negative Zinsen auf Sichteinlagen meldeten, gut 50 Prozent. Sie verwalteten damals nur rund 40 Prozent aller gemeldeten Sichteinlagen im Firmenkundengeschäft. Das geht aus dem 2018er September-Monatsbericht der Bundesbank hervor.

„Die Berechnung negativer Zinsen gegenüber Unternehmen scheint dabei eine über fast alle Bankengruppen hinweg übliche Praxis zu sein“, stellt die Bundesbank fest, die ihre Erhebung als „repräsentative Stichprobe“ ansieht.

Deutsche Bank gibt Negativzinsen weiter

Diese Zahlen der Bundesbank bestätigen Einzelmeldungen, die DerTreasurer in den vergangenen Tagen und Wochen veröffentlicht hat. So will beispielsweise die Deutsche Bank „Negativzinsen künftig an Konzerne und große Firmenkunden weiterreichen“, erklärt Ole Matthiessen, Leiter des globalen Cash Managements der Deutschen Bank kürzlich exklusiv gegenüber DerTreasurer.

Hintergrund dieser Entwicklung ist die Ende September getroffene Entscheidung der EZB, den Einlagenzins auf ein neues Rekordtief zu senken. Damit hatten die Währungshüter jegliche Hoffnung zerstört, dass es sich bei den Negativzinsen nur um ein temporäres Phänomen handelt. Schon im vergangenen Sommer hatte sich dieser Schritt der EZB abgezeichnet.

Wenige Konten mit hohen Guthaben

Dem November-Monatsbericht der Bundesbank zufolge führten nach Aussagen der meldepflichtigen Institute „vor allem großvolumige Einlagen“ zu den negativen volumengewichteten Durchschnittswerten. Das könnte bedeuten, dass einige wenige Unternehmenskonten mit sehr hohen Guthaben oberhalb der Freibeträge das Volumen der negativen Einlagen steigen lassen.

Beim Termineinlagenbestand fallen laut der Bundesbank die Werte deutlich geringer aus. Nur rund 10 Prozent der befragten Institute meldeten demnach im Durchschnitt negative Zinsen auf Termineinlagen für Unternehmen. Dies entspreche einem Volumenanteil von 19 Prozent.

Paulus[at]derTreasurer.de

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