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21.07.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

Goldman Sachs legt Plattform für Cash Management auf

Goldman Sachs macht Ernst: Die Investmentbank hat in den USA ein Cash-Management-Angebot aufgelegt. In Europa ist der Launch der Plattform für 2021 geplant.

Goldman Sachs ist nun offiziell ins Transaction Banking eingestiegen: Nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit hat die Investmentbank im Juni ihre Cash-Management-Plattform auf den Markt gebracht. Das Angebot wird zunächst in den USA ausgerollt. Im kommenden Jahr will Goldman Sachs die Plattform dann auch Kunden in Europa zur Verfügung stellen.

Anfang 2019 war durchgesickert, dass die Investmentbank plant, ins Cash Management einzutreten. Die Amerikaner wollen sich so unabhängiger vom volatilen und kapitalintensiven Investmentbanking machen. Neben stabileren Einnahmen erhofft sich Goldman, die Refinanzierungskosten zu senken. Die Bank will sich künftig stärker über Kundeneinlagen als über den Kapitalmarkt finanzieren.

Plattform von Goldman Sachs ist cloudbasiert

Bei den Unternehmen will Goldman wiederum mit Technologiekompetenz und Geschwindigkeit punkten: So nennt die Bank als Alleinstellungsmerkmal auf Anfrage von DerTreasurer, dass es sich bei der Plattform für Zahlungsverkehr und Liquiditätssteuerung um eine „volldigitale Cloud-Lösung“ handele, die „in Echtzeit“ operiere. Man setze die neuesten Technologien wie etwa offene Programmierschnittstellen (APIs) ein. 

Das Onboarding neuer Kunden dauere ein bis zwei Tage, anschließend könnten Konten in etwa zehn Minuten eröffnet werden. „Wir haben eine komplette Technologiegeneration übersprungen und sind direkt zur nächsten Generation übergegangen“, sagte Hari Moorthy, globaler Leiter Transaction Banking in einem Podcast der Bank zum Launch der Lösung.

Goldman: 175 Kunden für Cash Management

Klar ist: Goldman Sachs hat als neuer Player im Cash Management den Vorteil, sich nicht mit veralteten IT-Systemen herumschlagen zu müssen, die viele Wettbewerber als Last mit sich herumschleppen. Sie müssen nun für viel Geld ihre Infrastruktur umrüsten, damit diese neue Technologien und Angebote wie Instant Payments unterstützt. So hat etwa die Deutsche Bank kürzlich eine Kooperation mit dem Technologieriesen Google geschlossen. Gemeinsam will man künftig cloud-basierte Produkte für Treasury-Kunden entwickeln.

Doch auch viele Corporates sind noch längst nicht in der Echtzeitwelt angekommen, im Zahlungsverkehr dominieren Alltagsprobleme. Für diese „maßgeschneiderte Lösungen“ zu finden, wenden Wettbewerber ein, dürfte Goldman als Newcomer mit einer standardisierten Plattform schwerfallen. Hinzu kommt, dass Unternehmen aufgrund der engen Verflochtenheit mit den eigenen Systemen nur selten und eher ungern ihre Cash-Management-Banken wechseln.

Bei US-Firmen, die bereits Geschäft mit Goldman machen, fällt das Angebot dennoch offenbar teilweise auf fruchtbaren Boden: Wie die Bank erklärte, habe man schon 20 Milliarden US-Dollar an Einlagen eingeworben, über 175 Kunden würden die Plattform nutzen. In den kommenden fünf Jahren erhoffe man sich einen jährlichen Ertrag von 1 Milliarde Dollar.

Buchholz[at]derTreasurer.de