Die US-Investmentbank Goldman Sachs will im Cash Management Fuß fassen.

Bloomberg/Getty Images

14.01.19
Cash Management & Zahlungsverkehr

Goldman Sachs will ins Cash Management einsteigen

Die US-Bank Goldman Sachs will sich vom Investmentbanking unabhängiger machen und nimmt deshalb das ertragsstabile Cash Management ins Visier. Doch dieser Schritt ist nicht nur wegen des großen Wettbewerbs gewagt.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs will bald ins Cash-Management-Geschäft einsteigen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, möchten die Amerikaner großen, multinationalen Unternehmen – allen voran ihren eigenen Firmenkunden – mehr Zinsen für ihre Einlagen bezahlen als andere Banken, sofern diese im Gegenzug ihr Transaktionsgeschäft über Goldman Sachs abwickeln.

Den Amerikanern ist es mit den Plänen offenbar ernst: Bereits seit sechs Monaten baue die Bank die für die Zahlungsabwicklung und Liquiditätssteuerung erforderliche Technologie auf. Der Cash-Management-Service solle in der ersten Jahreshälfte 2020 starten, zitiert die Nachrichtenagentur zwei mit der Sache vertraute Personen.

Cash Management soll Goldman stabile Erträge liefern

Mit diesem Schritt will sich Goldman Sachs offensichtlich vom volatilen, transaktionsgetriebenen Investmentbanking unabhängiger machen. Denn das Transaction Banking, in dem bei den meisten Banken die Bereiche Cash Management, Zahlungsverkehr und Trade Finance angesiedelt sind, verspricht den Kreditinstituten eine stabile Einnahmequelle. Allein im Jahr 2017 haben laut der Unternehmensberatung Oliver Wyman große Banken im Zahlungsverkehr und Cash Management weltweit einen Umsatz von insgesamt rund 250 Milliarden US-Dollar generiert.

So verwundert es nicht, dass trotz des aktuellen Niedrigzinsumfeldes insbesondere in der Euro-Zone einige Banken das Transaction Banking als Wachstumsfeld auserkoren haben: So will etwa die Société Générale bis 2020 ihre Einnahmen im Transaction Banking weltweit um 350 Millionen Euro steigern. Bei der Deutschen Bank soll die Transaktionsbank künftig etwa einen Ertragsanteil von etwa 15 Prozent für die Gesamtbank beisteuern.

Konkurrenz im Cash Management ist groß

Für Neueinsteiger ist das Cash Management allerdings ein schwieriges Feld: Denn große, etablierte Banken werden im Cash Management immer dominanter, belegt Umfrage von Greenwich Associates, die die US-Beratung jährlich durchführt. In Europa führte 2018 die BNP Paribas  das Feld mit einer Marktdurchdringung von 41 Prozent an, gefolgt von der HSBC mit einer Marktdurchdringung von 38 Prozent. Die Deutsche Bank lag demnach mit 28 Prozent auf Platz drei.

Dieser steigende Wettbewerb hat auch Folgen für die Erträge der Banken: „Die Preise werden angesichts des zunehmenden Wettbewerbs sinken“, prognostiziert Bain-Partner und Bankenexperte Jan-Alexander Huber anlässlich einer im vergangenen Sommer veröffentlichten Studie.

Wechsel einer Cash-Management-Bank aufwendig

Angesichts dieser Entwicklung dürfte es für Goldman Sachs sehr schwer sein, im Cash Management Fuß zu fassen. Denn die US-Investmentbank tritt gegen Universalbanken an, die bereits seit Jahren im Bereich Cash Management etabliert sind. Hinzukommt, dass der Aufbau einer globalen Cash-Management-Plattform teuer ist, und es Jahre dauern dürfte, bis sich diese Investition für Goldman Sachs rechnet.

Entsprechend wichtig ist es für Banken möglichst viele Kunden auf ihre Plattform zu bekommen, um rentabel arbeiten zu können. Allerdings wechseln Treasurer nur selten ihre Cash-Management-Banken, denn solch ein Schritt ist mit einem hohen Aufwand verbunden. Konten- und Cash-Pool-Strukturen sind tief in die Systemlandschaft der Unternehmen integriert.

Dennoch wagt Goldman Sachs diesen Schritt. Die US-Investmentbank möchte die Treasurer beispielsweise mit einer „benutzerfreundlichen Oberfläche“ und „anderen Verbesserungen“ auf ihre Cash-Management-Plattform locken, schreibt Reuters weiter. So hoffe die Bank, die dritte oder vierte Zahlungsverkehrsbank eines Unternehmen zu werden – und schlussendlich einen Fuß in das mit stabilen Erträgen ausgestattete Cash-Management-Geschäft zu bekommen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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