Zahlungsverzögerungen bei Importen

27.01.17 07:40

Kapitalverkehrskontrollen in China torpedieren Handelszahlungen

Von Desiree Backhaus

Zum wiederholten Male hat China die Daumenschrauben bei den Kapitalverkehrskontrollen angezogen. Die Maßnahmen behindern jetzt auch den Zahlungsverkehr für den grenzüberschreitenden Handel – eine neue Eskalationsstufe für Treasurer, deren Unternehmen Geschäft in China machen.

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Es darf nicht mehr Geld raus als reinkommt: Banken in Schanghai müssen derzeit bei einer Auslandsüberweisung im Gegenzug die gleiche Summe von einem Konto im Ausland auf ein Konto in China gutschreiben.

Seit Jahresbeginn prüfen die chinesischen Regulierungsbehörden Auslandsüberweisungen für Warenimporte nach China sehr genau. Das erfuhr der DerTreasurer aus Bankenkreisen. Die Folge: Chinesische Importeure haben Schwierigkeiten, ihre Rechnungen zu begleichen. Es kommt zu Zahlungsverzögerungen, Exporteure sind bei der Lieferung auf Rechnung zurückhaltend, Treasurer müssen das Länderrisiko für China möglicherweise neu bewerten.

Bereits seit Anfang 2016 verschärft China die Kapitalverkehrskontrollen, um die Kapitalflucht aus dem Land einzudämmen und die Abwertung des Renminbi zu stoppen. Bislang hatten die chinesische Devisenbehörde SAFE und die Zentralbank PBoC allerdings lediglich Finanzströme eingeschränkt. Dies traf Dividendenzahlungen, unternehmensinterne Darlehen und die Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen. Nun schränken die Maßnahmen auch Handelszahlungen ein.

Grenzüberschreitender Zahlungsverkehr stark eingeschränkt

Der Hintergrund: Einige Unternehmen hätten – nachdem sie über Dividendenausschüttungen kein Geld mehr aus China abziehen konnten – überhöhte Rechnungen für Warenimporte gestellt, um so Kapital außer Landes zu schaffen. So ist es aus Bankenkreisen zu hören. Dieses Schlupfloch wollen die Chinesen schließen. Dem Vernehmen nach müssen Unternehmen bei Auslandsüberweisungen jetzt diverse Dokumente vorlegen, um zu beweisen, dass es sich um valide Transaktionen handelt.

Diese neue Regelung trifft auch deutsche Konzerne: Bei einem MDax- Unternehmen begleichen chinesische Tochtergesellschaften ihre Verbindlichkeiten an die deutsche Mutter in Renminbi. So wird das Währungsrisiko in Deutschland zentralisiert. „Grenzüberschreitender Renminbi-Zahlungsverkehr ist seit einigen Wochen aber de facto nicht mehr möglich“, sagt der Treasury-Chef.

Die Financial Times hatte am Montag berichtet, für Auslandsüberweisungen müssten Banken in Schanghai derzeit im Gegenzug die gleiche Summe von einem Konto im Ausland auf ein Konto in China gutschreiben. Auch in anderen Regionen soll es solche Vorschriften geben. Jedoch liegt das Verhältnis, mit dem Auslandsüberweisungen ausgeglichen werden müssen, nicht immer bei 1:1.

China fährt Kapitalverkehrskontrollen sukzessive hoch

Nach Jahren der Liberalisierung haben die chinesischen Behörden Anfang 2016 damit begonnen, die Kapitalverkehrskontrollen hochzufahren. Im Januar schränkte die PBoC zunächst das grenzüberschreitende Cash Pooling ein – Netto-Abflüsse über den Pool sind seither nicht erlaubt – während die SAFE Dividendenzahlungen ab 50 Millionen US-Dollar für genehmigungspflichtig erklärte. Im November senkten die Regulatoren diese Schwellenwerte: Seither werden Auslandsüberweisungen ab 5 Millionen US-Dollar sehr genau geprüft.

Offizielle Statements dazu gibt es nie. Die Banken erhalten stets nur mündliche Anweisungen („Window Guidance“). Das schafft Unsicherheit und Interpretationsspielraum. Andererseits verweisen Banker auch auf den Vorteil dieses Vorgehens: Lässt der Abwertungsdruck auf den Renminbi nach, können diese Maßnahmen schnell und unbürokratisch zurückgedreht werden.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Als Reaktion auf die Kapitalflucht und die Abwertung des Renminbi dreht China die Öffnungspolitik der vergangenen Jahre zurück. Auf dem Laufenden bleiben Sie mit unserer Themenseite Cash Management in China.