Konkurrenz für Swift und R3

23.11.17 13:02

Zahlungsverkehr: Blockchain-Start-up Ripple startet Firmenkundenlösung

Von Desirée Backhaus und Sabine Paulus

Die Blockchain-Technologie soll den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr für Firmenkunden revolutionieren. In den Kampf um die Vormachtstellung schaltet sich nun auch das Start-up Ripple ein – und greift damit R3 und den Finanznachrichtendienstleister Swift an. Wer wird sich durchsetzen?

Ein dreiköpfiges Bankenkonsortium bietet seinen Firmenkunden nun mit Hilfe des Blockchain-Start-ups Ripple grenzüberschreitende Zahlungen nahezu in Echtzeit an.

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Ein dreiköpfiges Bankenkonsortium bietet seinen Firmenkunden nun mit Hilfe des Blockchain-Start-ups Ripple grenzüberschreitende Zahlungen nahezu in Echtzeit an.

Ein weiteres Bankenkonsortium macht dem  Finanznachrichtendienstleister Swift Konkurrenz. Die drei Banken Axis Bank, Standard Chartered und Rakbank bieten ihren Firmenkunden nun mit Hilfe des Blockchain-Start-ups Ripple grenzüberschreitende Zahlungen nahezu in Echtzeit an. Damit haben die Banken nach eigenen Angaben einen bedeutenden Meilenstein bei der kommerziellen Blockchain-Anwendung für Firmenkunden erreicht.

Bereits vor drei Wochen hatte das Start-up R3, das ebenfalls Blockchain-basierte Lösungen für den Finanzsektor baut, gemeinsam mit 22 seiner Mitgliedsbanken den Start einer neuen Plattform für grenzüberschreitende Zahlungen angekündigt. Allerdings wird bis Ende des Jahres zunächst noch der Prototyp gebaut. In den Live-Betrieb dürfte die Lösung frühestens 2018 gehen.

Banken rechnen mit Cross-Border-Zahlungen in Milliardenhöhe

Die Ripple-Lösung der drei Banken steht dagegen ab sofort zur Verfügung: Firmenkunden der Standard Chartered in Singapur können nun mithilfe der neuen Lösung in Echtzeit Geld an Konten bei der Axis Bank, die in Indien ansässig ist, überweisen. Überweisungen von Privatkunden sollen von der Rakbank zur Axis Bank erfolgen. „Die Zahlungen sind in wenigen Minuten – mit der Sicherheit des Settlements der Zahlung – abgeschlossen“, teilt Ripple mit.

Das Zahlungsnetzwerk Ripple Net basiert auf einer geschlossenen Blockchain. Es handelt sich hierbei Unternehmensangaben zufolge um das weltweit erste kommerziell operierende Blockchain-Netzwerk, dem sich weltweit mehr als 100 Banken und Zahlungsanbieter angeschlossen haben. Europäische und internationale Banken wie SEB, BBVA, Westpac, Santander, Mizuho, UBS und MUFG gehören dazu.

Die dezentrale Datenbank enthält ein Register mit Kontoständen. Jeder kann das Register einsehen und Aufzeichnungen über sämtliche Vorgänge im Ripple-Netzwerk sehen. Teilnehmer des Netzwerks einigen sich innerhalb weniger Sekunden gemeinsam auf Änderungen im Register, so dass Güter ohne zentrale Verrechnungsstelle gehandelt werden können.

Ripple experimentiert seit längerem im B2B-Zahlungsverkehr

Bereits seit einigen Jahren experimentiert das Start-up Ripple auch im Bereich des B2B-Zahlungsverkehrs. Insbesondere Standard Chartered gehört zu den Treibern dieser Initiative. Neben der britischen Bank gehören noch Bank of America Merrill Lynch, RBC, MUFG, Santander und Westpac zum Advisory Board von Ripple Net.

Dass die erste Live-Lösung nun in Südostasien startet, hat dem Konsortium zufolge verschiedene Gründe. Laut den Schätzungen von Ripple sind 200 bis 300 große internationale Unternehmen mit regionalen Treasury Hubs in Singapur ansässig. Diese Konzerne würden ihre Produkte häufig in Indien produzieren und sie anschließend nach Singapur für den weltweiten Vertrieb verschiffen. Auf der Singapur-Indien-Handelsachse werden laut Ripple Güter im Wert von 15 Milliarden US-Dollar transportiert.

Cross-Border-Zahlungen: R3 und Swift positionieren sich neu

Mit dem dreiköpfigen Bankenkonsortium kommt ein weiterer Spieler auf den Markt, der den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr beschleunigen will. Auch das Start-up R3 entwickelt derzeit zusammen mit 22 seiner Mitgliedsbanken eine Lösung für Cross-Border-Zahlungen, die auf der Distributed-Ledger-Technologie basieren. Ziel des Konsortiums ist es, den Zahlungsverkehr über eine komplett neue Infrastruktur abzuwickeln.

Der Finanznachrichtendienstleister Swift will hingegen durch seine Global Payments Innovation (GPI) Initiative den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr durch einheitliche Standards im Korrespondenzbankengeschäft vereinfachen und beschleunigen und versucht mit der Blockchain den Status quo – und damit seine Relevanz – zu sichern. Welcher sich von den drei Anbietern schlussendlich im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr durchsetzen wird, dürfte aber davon abhängen, wem es gelingt, am schnellsten ein ausreichend großes Netzwerk aufzubauen.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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