Big Bang im EU-Zahlungsverkehr

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Anfang der Woche fand der „Big Bang“ im europäischen Zahlungsverkehr statt: die Target2- und Swift-ISO-20022-Migration. Schon seit Monaten hatten sich die Banken und Payment-Dienstleister darauf vorbereitet.

Damit hat die Umstellung im zweiten Anlauf funktioniert. Ursprünglich sollte die Migrationsphase schon ab dem 21. November 2022 beginnen. Ende Oktober des vergangenen Jahres verschob die EZB allerdings die Modernisierung des europäischen Zahlungsverkehrssystems Target2 (T2). Über Target2 wickeln Banken sämtliche Zahlungs- und Wertpapiertransaktionen in Europa ab. Grund für die Verschiebung war, dass die Banken noch mehr Zeit für Tests brauchten.

„Für so eine komplexe Umstellung gab es marginale Probleme“, hat Norbert Hambloch, Berater des Zahlungsdienstleisters Geva Group und Mitglied des Verbands Deutscher Treasurer (VDT), beobachtet. Über die Webseite der EZB konnte man die Umstellung über einen Ticker beobachten, zwischenzeitlich konnten demnach einige Banken keine Zahlungen ausführen. Welche es genau waren, teilte die EZB nicht mit. Seit Dienstag 10 Uhr heißt es: „T2 is currently operating normally.“

ISO-20022-Migrationsphase hat begonnen

Nachdem die Modernisierung von T2 verschoben worden war, verkündete auch Swift einen späteren Start der Migrationsphase von ISO 20022. Bei ISO 20022 geht es um eine Formatumstellung von MT auf XML bei grenzüberschreitenden Zahlungen. Die Umstellung ist „ein wichtiger Meilenstein für die globale Zahlungsverkehrsbranche“, schreibt der Nachrichtendienst Swift in einer Mitteilung.

Bis November 2025 gibt es eine Koexistenzphase, in der beide Formate genutzt werden können. Für Corporates bedeutet das, dass bis dahin in Deutschland der textbasierte DTAZV und insbesondere der MT940 als Standard-Kontoauszugsformat abgeschaltet werden. In anderen europäischen Ländern können Banken diese Umstellungsphase sogar kürzer gestalten. „Wer heute als Corporate noch auf das Auszugsformat MT940 setzt, sollte sich alsbald mit der Umstellung auf die neuen Camt-Formate beschäftigen“, sagt Hambloch.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es in dieser Phase zu Konvertierungsfehlern zwischen den Banken kommen könnte, weil die Felder der Kontoauszüge bei den Kontoauszügen unterschiedlich ausgefüllt werden. Laut Hambloch könnte sich das dann auch auf die Informationen, die im ERP-System der Unternehmen stehen, auswirken.

s.backhaus[at]dertreasurer.de

Autorenbild Sarah Backhaus

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.