Faurecia

14.01.19
Finanzen & Bilanzen

Faurecia platziert Debütschuldschein über Digitalplattform

Der französische Konzern Faurecia hat vor kurzem den ersten Schuldschein in seiner Unternehmensgeschichte emittiert. Die Transaktion ist aus verschiedenen Gründen bemerkenswert.

Der Automobilzulieferer Faurecia (Umsatz 2017: 17 Milliarden Euro) hat im vergangenen Dezember einen Schuldschein in Höhe von insgesamt 700 Millionen Euro begeben. Die Franzosen haben die Transaktion in Euro- und US-Dollar-Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten unterteilt. Die Emission sei „erheblich überzeichnet“ gewesen, heißt es seitens der Kanzlei Linklaters, die Faurecia bei der Debütemission rechtlich begleitet hat.

Aber nicht nur aus Unternehmenssicht, sondern auch aus Sicht des Marktes ist die Transaktion von Faurecia bemerkenswert: Denn es ist eine weitere Emission, die über die digitale Plattform VC Trade abgewickelt worden ist. Dem banknahen Fintech zufolge handelt es sich bei dem Faurecia-Papier zudem um den zweitgrößten Schuldschein, den ein französisches Unternehmen jemals emittiert hat.

Lediglich der französische Elektrogeräte- und Kochgeschirrhersteller SEB hatte im Dezember 2016 mit 800 Millionen Euro ein größeres Papier begeben. Darüber hinaus handelt es sich bei dem Faurecia-Darlehen um eine der größten Schuldscheintransaktionen 2018 – einem Jahr mit eher wenigen Jumboschuldscheinen.

Faurecia nutzt als erstes LMA-Muster für Schuldschein

Faurecia platzierte damit auch den ersten Schuldschein, der auf Grundlage der von der Loan Market Association Ende Oktober 2018 veröffentlichten empfohlenen Vertragsmuster für Schuldscheindarlehensverträge dokumentiert worden ist.

Linklaters-Partner Neil George Weiand war maßgeblich an der Erarbeitung des LMA-Vertragsmusters beteiligt. „Das Fehlen eines etablierten Standards hat gerade auch vor dem Hintergrund der Internationalisierung dazu geführt, dass die Grenzen, insbesondere zu syndizierten Krediten, verwischt wurden“, sagte der Anwalt im vergangenen Herbst zu DerTreasurer. „Weil niemandem daran gelegen sein kann, die Konturen eines tradierten deutschen Finanzierungsinstruments unkenntlich zu machen, hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es einen Schuldscheinstandard braucht.“

Die Dokumentation nach dem LMA-Vertragsmuster für Schuldscheindarlehensverträge ist relativ überschaubar, unterliegt zwingend deutschem Recht und folgt den knappen deutschen, nicht aber angloamerikanischen Dokumentationsusancen. Sie ist in deutscher und in englischer Sprache mit integrierter und ohne integrierte Garantie verfügbar.

Paulus[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos den DerTreasurer-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.