Der Konsumgüterkonzern Henkel baut sein Repertoire an nachhaltigen Finanzierungsinstrumenten aus. Jetzt haben die Düsseldorfer zwei Sustainability-linked Bonds im Gesamtvolumen von rund 720 Millionen Euro platziert.
Eine Anleihe hat ein Volumen von 500 Millionen Euro, läuft elf Jahre und wird mit 0,5 Prozent verzinst. Die zweite Anleihe umfasst 250 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 220 Millionen Euro), läuft fünf Jahre und ist mit einem Kupon von 1,8 Prozent ausgestattet. Es sind die ersten beiden Emissionen unter den Vorgaben des neuen „Sustainable Finance Framework“, das Henkel vor gut einen Monat eingeführt hat.
Henkel: Pionier am nachhaltigen US-Dollar-Kapitalmarkt
Der Konsumgüterkonzern ist eigenen Angaben zufolge der erste Emittent überhaupt im Euro-Dollar-Markt, der einen Sustainability-linked US-Dollar-Bond begibt. Laut dem Magazin „Global Capital“ gestaltete sich die Platzierung allerdings nicht so geschmeidig wie im Euro-Markt. Henkel hätte dem Bericht zufolge gerne bis zu 300 Millionen US-Dollar aufgenommen, ging nach etwas verhaltener Marktresonanz dann aber auf 250 Millionen US-Dollar runter.
„Als erster Emittent einer Sustainability-linked Anleihe im Euro-Dollar-Markt überhaupt hat Henkel erneut Pionierarbeit geleistet und einmal mehr im Bereich Sustainable Finance Neuland betreten. Wir mussten allerdings feststellen, dass die Märkte auf eine solche Platzierung noch nicht ausreichend vorbereitet waren“, teilte der Konzern hierzu gegenüber DerTreasurer mit.
Dennoch freut sich Henkel-CFO Marco Swoboda. Der Konzern bekräftige „mit dieser Emission den Anspruch, unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen“. Denn die Finanzierungskosten für die Anleihen sind, wie im „Sustainable Finance Framework“ festgelegt, an die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele von Henkel gekoppelt.
Dabei hat der Konsumgüterkonzern drei unterschiedliche Leistungsindikatoren und konkrete Zielgrößen festgelegt. Dazu zählt zum einen die Reduzierung von CO2-Emissionen innerhalb der Henkel-Produktion und innerhalb der Lieferkette des Konsumgüterkonzerns. Zum anderen will der Konzern den Anteil von recyceltem Kunststoff in Plastikverpackungen steigern.
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Nachhaltige Anleihen von Henkel an zwei KPIs geknüpft
Pro Anleihe werden jeweils zwei der drei definierten Leistungsindikatoren genutzt. Sollte Henkel einen oder beide Leistungsindikatoren verfehlen, wird der Zinssatz angepasst. Wird ein Leistungsindikator bei der Euro-Anleihe verfehlt, steigt der Zins Unternehmensangaben zufolge um 37,5 Basispunkte. Sollten beide Indikatoren verfehlt werden, steigt der Zins um 75 Basispunkte. Bei der US-Dollar-Anleihe liegen diese Zinssteigerungen laut Henkel bei 25 beziehungsweise 50 Basispunkten.
Den Emissionserlös wollen die Düsseldorfer für allgemeine Unternehmenszwecke nutzen, unter anderem, um eine fällig gewordene Anleihe zu refinanzieren. Die Emission der US-Dollar-Anleihe haben ING, Société Générale und Deutsche Bank begleitet. Bei der Euro-Anleihe war neben diesen drei Banken noch die HSBC mandatiert.
Henkel nutzt seit 2018 Green-Finance-Instrumente
Für Henkel ist diese Transaktion bereits die dritte neuartige nachhaltige Finanzierung. 2018 hat der Konsumgüterkonzern als erstes Unternehmen in Deutschland und weltweit in seiner Branche eine grüne Kreditlinie abgeschlossen, die Zinskonditionen mit Nachhaltigkeitskriterien verbindet. Im Juli 2020 folgte eine weitere Premiere: Die Düsseldorfer platzierten als erste weltweit einen sogenannten „Plastic Waste Reduction Bond“. Die Erlöse des Bonds dürfen ausschließlich zur Reduzierung von Plastikabfall verwendet werden.
Sabine Paulus ist Redakteurin bei DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Finanzierung, Fintechs sowie Personal und Organisation im Treasury.


