Henkel platziert einen ganz neuen Junk-Bond.

Henkel

10.07.20
Finanzen & Bilanzen

Henkel feiert mit Anleihe Novum bei Green Finance

Ein Junk-Bond ganz neuer Façon: Henkel platziert eine Anleihe, deren Mittel zur Reduzierung von Plastikmüll verwendet werden soll. Die Düsseldorfer liegen im Trend, denn auch sonst trotzen grüne Emissionen der Coronakrise.

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat jüngst wieder den Anleihemarkt geentert. Der global aufgestellte Konsumgüterkonzern hat Unternehmensanleihen in zwei Tranchen privat bei japanischen und deutschen ESG-Investoren platziert. Diese haben je ein Volumen von 70 Millionen US-Dollar und 25 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren.

Das Besondere an der Transaktion: Als weltweit erstes Unternehmen hat Henkel einen sogenannten „Plastic Waste Reduction Bond“ abgeschlossen. Mit dem aufgenommenen Kapital würden „innovative Verpackungslösungen“ entwickelt mit dem Ziel, bis 2025 „alle Henkel-Verpackungen wiederverwendbar und recyclebar zu machen“, heißt es in einer Pressmitteilung der begleitendenden Bank HSBC. Das Unternehmen leiste so „seinen Beitrag, Kunststoffabfälle zu vermeiden“. Speziell die Verschmutzung der Meere durch Kunststoffabfälle hatten Umweltaktivisten wie die Fridays-for-Future-Bewegung in den vergangenen Jahren immer wieder angeprangert.

Henkel sammele mit der Transaktion „Pluspunkte“, glaubt die HSBC, die die Transaktion als „Green Structuring Advisor“ und Sole Lead Manager begleitet hat. Eine Studie der Bank in Kooperation mit dem Sustainability Consortium der Universitäten Arizona und Arkansas zeige, dass Unternehmen für ihre Stakeholder an Attraktivität gewinnen, die sich „umfassend mit der Ausbalancierung und Abfederung ihrer Lieferketten beschäftigen“.

Neuer CFO und Treasurer begleiten Kapitalmarkttransaktion

Die Anleihe dürfte die erste größere Transaktion unter dem neuen Henkel-CFO Marco Swoboda gewesen sein, der Carsten Knobel Anfang des Jahres in dem Amt nachgefolgt war – Knobel agiert seither als Vorstandsvorsitzender bei Henkel. „Nachhaltigkeit ist nicht nur fester Bestandteil unseres strategischen Rahmens für die Zukunft, gleichzeitig wird das Thema auch immer relevanter für Investoren und die Finanzmärkte”, kommentiert Swoboda die Transaktion.

Auch die Treasury-Leitung ist seit kurzem neu besetzt. Seit Anfang April leitet Ulrich Borgstädt die Treasury-Abteilung des Dax-Konzerns und folgt damit Michael Reuter nach, der bereits Ende September 2019 in den Ruhestand gegangenen war. Dies berichtet DerTreasurer in seinem aktuellen E-Magazin 13/2020

Henkel feierte auch mit ESG-linked loan eine Premiere

In der Vergangenheit hatte Henkel, die eigentlich kein Frequent Issuer am Anleihemarkt sind, immer wieder durch spektakuläre Anleihetransaktion von sich Reden gemacht. Dabei gelang es dem Konzern mehrfach, rekordniedrige Kupons zu erzielen. Im vergangenen Jahr war Henkel etwa am Sterling-Markt aktiv und platzierte dort ein Papier mit negativer Rendite.

Erste Erfahrungen sammelte Henkel auch als Vorreiter mit „grünen“ Krediten. Ende 2018 debütierte der Düsseldorfer Konzern mit einem ESG-Loan – ebenfalls einem Novum in Deutschland, das schon viele Nachahmer gefunden hat. Dabei beeinflusst die Nachhaltigkeitsperformance des gesamten Unternehmens den Zinssatz des Kredits.

Emissionsvolumen im ESG-Segment legt um 33 Prozent zu

Grüne Finanzierungen liegen derzeit im Trend. Das beweisen auch aktuelle Zahlen der HSBC. Trotz der Coronakrise sei das weltweite Volumen im nachhaltigen Anleihesegment im Jahr 2020 bisher auf 194 Milliarden Euro gestiegen. Das ist ein Zuwachs von stolzen 33 Prozent im Vergleich zum Ende Juni 2019, als das Anleihevolumen noch bei 146 Milliarden Euro lag. Das Untersegment nachhaltiger Corporate Bonds blieb gegenüber dem Vorjahr stabil und wuchs bis Ende Juni 2020 um 3 Milliarden Euro auf 52 Milliarden Euro, heißt es bei der HSBC.

Trotz der makroökonomischen Verwerfungen durch Corona sei „die Sorge um die nachhaltige Ausrichtung und Innovationskraft der Wirtschaft und Infrastruktur ungebrochen hoch“, glauben die Spezialisten der HSBC und verweist dabei neben Henkel auch auf einen aktuellen Social-Bond der NRW-Bank.

Zur Refinanzierung von nachhaltigen Infrastrukturprojekten hat das nordrhein-westfälische Förderinstitut jetzt seinen ersten Social Bond im Benchmark-Format begeben. Die Anleihe mit 15-jähriger Laufzeit im Volumen von 1 Milliarde Euro solle den „Bau von Wohnprojekten und die Kreditvergabe nach sozio-ökonomischen Maßstäben“ finanzieren. Die Anleihe der Bank beruhe auf den Social Bond Principles, den kürzlich verabschiedeten Rahmenbedingungen der International Capital Market Association (ICMA).

Dentz[at]derTreasurer.de

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