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13.08.21
Finanzen & Bilanzen

Schaltbau senkt mit ESG-Kredit Finanzierungskosten

KfW-Finanzierung abgelöst, Nachhaltigkeitskomponente eingefügt: Der Verkehrstechnikkonzern Schaltbau erzielt mit seinem neuen revolvierenden Kredit gleich mehrere Vorteile. Vor allem aber sparen die Münchener bares Geld.

Der Verkehrstechnikkonzern Schaltbau löst sich von der Krisenfinanzierung: Die Münchener haben einen neuen revolvierenden Kredit über 150 Millionen Euro abgeschlossen. Die Linie mit der Laufzeit 3+1+1 löst den bestehenden Konsortialkreditvertrag in Höhe von 172 Millionen Euro vorzeitig ab, die KfW scheidet aus dem Konsortium aus.

Schaltbau hatte die Förderbank im Juni 2020 als Kreditgeber an Bord geholt, um sich zusätzliche Liquidität für den Fall zu sichern, dass Corona-bedingt Produktionsstandorte geschlossen werden müssen oder die Nachfrage einbricht. Das damalige Management um CFO Thomas Dippold stockte mit Hilfe der KfW das Volumen des bestehenden Kredits um 60 Millionen Euro auf.

Schaltbau sanierte Bilanz mit Pflichtwandelanleihe

Letztlich schloss Schaltbau das Jahr 2020 aber besser ab als zwischenzeitlich befürchtet, der Umsatz der fortgeführten Geschäftsbereiche legte um 2 Prozent auf 502 Millionen zu, die Ebit-Marge kletterte von 3,7 auf 4,3 Prozent. Zugleich hat die neue Führung um Finanzchef Steffen Munz im April die Bilanzstruktur mit einer Pflichtwandelanleihe über 60 Millionen Euro verbessert: Die Eigenkapitalquote hat sich Stand Ende Juni mit 38 Prozent gegenüber Ende 2020 (22 Prozent) fast verdoppelt, der Verschuldungsgrad sank von 1,9 auf 0,7x Ebitda.

Das half Schaltbau auch in den Kreditverhandlungen: Man habe die neue Linie „zu deutlich verbesserten Konditionen“ abschließen können, teilte das Unternehmen mit. Auf Nachfrage präzisierte Treasury-Chef Stefan Eichmeier, man werde „die Finanzierungskosten um einen zweitstelligen Prozentwert im Vergleich zum bisherigen Kreditvertrag reduzieren“.

Schaltbau koppelt Kredit an ESG-Performance

Die Kreditkosten könnten sogar noch weiter sinken, wenn es dem Verkehrstechnikkonzern gelingt, sein Nachhaltigkeitsrating bei der Agentur Ecovadis jährlich zu verbessern. Schaltbau lässt sich seit 2017 von Ecovadis bewerten, damals erreichte das Unternehmen 45/100 Punkten. Inzwischen hat sich das Rating laut Eichmeier auf 59/100 Punkten verbessert und wird damit im Silberrang bewertet.

Zur Höhe der Einsparungen, die Schaltbau durch die ESG-Komponente erzielen könnte, wollte der Treasury-Chef keine Angaben machen. Verschlechtert sich das Rating, steigen die Kreditkosten. Als Bookrunner waren bei dem Kredit Unicredit und Commerzbank mandatiert. Als Mandated Lead Arranger beziehungsweise Lead Arranger sind zudem DZ Bank, Helaba, Oldenburgische Landesbank sowie die Deutsche Bank engagiert. 

Schaltbau will mit Finanzinvestor Carlyle wachsen

Schaltbau war 2017/2018 an den Rand einer Finanzierungskrise gerutscht. Mit einer Brückenfinanzierung hielt sich das Unternehmen letztlich über Wasser. Nun wollen die Münchener in den Wachstumsmodus schalten: Bis 2023 plant das Management das Bahn-Kerngeschäft durch „gezielte Akquisitionen“ zu stärken, das Servicegeschäft auszubauen und das Geschäft rund um die E-Mobilität zu erweitern.

Unterstützt werden die Münchener dabei künftig wohl von dem Private-Equity-Investor Carlyle, der am vergangenen Wochenende ankündigte, Schaltbau für eine Unternehmensbewertung von 700 Millionen Euro übernehmen zu wollen.

Buchholz[at]derTreasurer.de