Banken helfen Unternehmen mit verschiedenen Maßnahmen in der Coronakrise.

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02.04.20
Finanzen & Bilanzen

So reagieren die Banken in der Coronakrise

Die Banken erleben derzeit einen Ansturm wie selten zuvor. Im Fokus stehen die KfW-Kredite. Bis die Gelder fließen bieten Commerzbank & Co. Überbrückungslinien. Wir liefern den Überblick.

Die ganze Welt ist im Ausnahmezustand: Um die drastischen Auswirkungen der Coronakrise auf die deutsche Wirtschaft zumindest etwas abzudämpfen, hat die Bundesregierung mit den KfW-Hilfskrediten, dem Wirtschaftsstabilisierungsfond und erweiterten Möglichkeiten für Exportkreditgarantien starke Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Das spiegelt eine Kurzumfrage von DerTreasurer wider, an der sich neben der KfW auch Deutsche Bank, Commerzbank, BNP Paribas, HSBC, Hypovereinsbank, DZ Bank, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sowie LBBW, BayernLB und NordLB beteiligt haben.

KfW-Hilfskredite: Instrument der Wahl in Coronakrise

Zweifellos sind die KfW-Hilfskredite derzeit erste Wahl, insbesondere wenn Liquiditätsengpässe absehbar sind. Sofern Unternehmen zum Jahresende 2019 gesunde Bilanzen aufweisen und der zusätzliche Bedarf an Cash durch die Coronakrise ausgelöst ist, können sie diese erhalten. „Dann sind die KfW-Förderkredite ein großzügiges Angebot, inklusive der günstigen Zinssätze“, erklärt Stefan Bender, Leiter Unternehmensbank Deutschland bei der Deutschen Bank mit Blick auf das KfW-Sonderprogramm.

Deshalb verwundert es auch nicht, dass viele in Deutschland aktive Banken einen wahren Ansturm an Anfragen verzeichnen. So hatte beispielsweise die Deutsche Bank „allein in den ersten Tagen seit Start des Programms mehr als 10.000 Informations- und Hintergrundanfragen“, erklärt Bender. „Daraus resultieren konkrete Kreditanfragen im mittleren vierstelligen Bereich.“

„Die KfW-Förderkredite sind ein großzügiges Angebot, inklusive der günstigen Zinssätze.“

Stefan Bender, Leiter Unternehmensbank Deutschland, Deutsche Bank

Auch die Hypovereinsbank hat eigenen Angaben zufolge bereits mehrere Tausend Anfragen erhalten. „Damit ist das Antragsvolumen derzeit um ein Vielfaches höher als das Interesse an Förderkrediten in normalen Zeiten“, berichtet Andreas Wagner, Leiter des Förderkreditgeschäfts der Hypovereinsbank.

Bei der Commerzbank sind sogar knapp 17.000 Anfragen eingegangen. „Seit Beginn der Krise haben wir unseren Firmenkunden bereits Corona-bedingte Kredite in einstelliger Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt“, sagt Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Mittelstandsbank Mitte/Ost bei der Commerzbank im Interview mit DerTreasurer.

BayernLB und LBBW verzeichnen Ansturm auf Kredite

Die Landesbanken berichten ähnliches: „Seit dem 23. März haben die Fördermittelspezialisten der BayernLB mehr als 1.000 telefonische Anfragen bearbeitet, die im Zusammenhang mit den Corona-Programmen der Förderbanken stehen“, heißt es bei den Münchener.

Die Stuttgarter LBBW hat eigenen Angaben zufolge seit Anfang vergangener Woche mehr als 700 Anfragen wegen der Förderkredite erhalten. Darüber hinaus hat die Landesbank bereits rund 300 Anträge für Corona-Kredite von den Sparkassen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen, die die LBBW als Zentralbank betreut, an die KfW weitergeleitet.

Allein bei Sparkassen bisher rund 300.000 Anfragen

Bei den Sparkassen selbst sind inzwischen rund 300.000 Anfragen eingegangen, erklärt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Im genossenschaftlichen Sektor haben die Anfragen ebenfalls zugenommen: „Wir verzeichnen einen erheblichen Zuwachs an Kreditanfragen. Hinzu kommen die Anfragen, die direkt bei den Volks- und Raiffeisenbanken platziert werden“, sagt Stephan Ortolf, Bereichsleiter Firmenkundengeschäft bei der DZ Bank, dem Spitzeninstitut der Genossen.

Auch die in Deutschland tätigen Auslandsbanken wie die HSBC oder die BNP Paribas erhalten „zahlreiche“ Anfragen deutscher Firmenkunden. „Kunden versuchen aktuell sowohl wegbrechendes Geschäft und damit laufende Cashflows, aber auch mögliche Disruptionen an ABS oder Schuldschein-Märkten durch neue Kredite abzufedern“, sagt Dorothée Regazzoni, Leiterin Unternehmenskunden im Bereich Corporate & Institutional Banking bei BNP Paribas Deutschland. Nicht immer sei klar, ob die KfW-Programme im Einzelfall geeignet seien und wann das Geld zur Verfügung stehen werde. Daher seien die Kreditanfragen von Großkonzernen bis hin zum Mittelstand breit angelegt und vielfältig.

Die Optionen für Firmenkunden

•    Ausweitung bestehender Kredite
•    Überziehungen
•    Vorübergehende Zins- und Tilgungsaussetzungen
•    Durchleitung der Anträge für KfW-Hilfskredite einschließlich Risikoprüfung
•    Zwischenfinanzierungen
•    beschleunigter und vereinfachter Kreditprozess (im Rahmen des regulatorisch Möglichen)

Quelle: DerTreasurer-Bankenumfrage

KfW liegen fast 2.000 Anträge für Hilfskredite vor

Einige der Anfragen können die Banken durch einen individuellen Umgang mit bestehenden Krediten beantworten. Denn viele Unternehmen sichern sich über erweiterte Kreditlinien zusätzliche Liquidität. So hat beispielsweise die LBBW ihren Unternehmenskunden unabhängig von den KfW-Hilfskrediten aufgrund der Coronakrise kurzfristig 3 Milliarden Euro an zusätzlichen Krediten zur Verfügung gestellt.

Andere Anfragen beziehen sich auf Bürgschaften, wiederum andere direkt auf die KfW-Hilfskredite. Einige Anträge dafür sind bei der staatlichen Förderbank bereits eingegangen: Zum Geschäftsschluss am 31. März lagen der KfW 1.833 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 8,954 Milliarden Euro vor. Mehr als 98 Prozent davon entfallen auf Anträge im Volumen von weniger als 3 Millionen Euro, wie die KfW mitteilt. Sieben Kreditanträge haben demnach jeweils ein Kreditvolumen von über 100 Millionen Euro, insgesamt stehen allein diese für ein Kreditvolumen von 7,725 Milliarden Euro. Bei 16 Anträgen liegt das Kreditvolumen zwischen 10 und 100 Millionen Euro.

Durchleitende Banken übernehmen Kreditprüfung

Da die Förderbank bei Krediten bis 3 Millionen Euro die Kreditprüfung der durchleitenden Bank übernimmt, bei Krediten bis 10 Millionen Euro selbst eine vereinfachte und beschleunigte Kreditprüfung und bei Krediten mit einem Volumen von mehr als 10 Millionen Euro eine eigene reguläre Kreditprüfung vornimmt, veröffentlicht sie derzeit noch keine Zahlen der Kreditzusagen. „Das abgestufte Kreditprüfungs-Procedere würde zu erheblichen Verzerrungen führen“, erklärt ein Sprecher der KfW.

Bis spätestens zum 14. April sollen die Gelder aus den KfW-Hilfskrediten fließen. „Aus technischen Gründen kann die KfW die durchleitenden Banken noch nicht sofort refinanzieren“, erläutert die Förderbank gegenüber DerTreasurer. Dies werde jedoch in den kommenden Tagen der Fall sein.

Bis dahin gelte eine Übergangsregelung. Diese sieht wie folgt aus: Sobald die KfW einen Kredit zusagt, erhält die durchleitende Bank eine verbindliche Refinanzierungszusage, auf deren Basis sie den Kredit sofort auszahlen und nach Vorliegen der technischen Voraussetzungen die Mittel bei der KfW abrufen kann.

 

 

„Kunden versuchen wegbrechendes Geschäft und mögliche Disruptionen an ABS oder Schuldschein-Märkten durch neue Kredite abzufedern.“

Dorothée Regazzoni, Leiterin Unternehmenskunden, BNP Paribas Deutschland

Banken gehen in Vorleistung bis KfW-Gelder fließen

Die Banken bieten ihren Firmenkunden deshalb zur Überbrückung in der Regel eine Zwischenfinanzierung an. So hat beispielsweise die Commerzbank hierfür ein Kreditprogramm über 700 Millionen Euro aufgelegt.

Auch die anderen von DerTreasurer befragten Banken unterstützen ihre Firmenkunden eigenen Angaben zufolge mit individuellen Lösungen. „Wir strukturieren die Finanzierungen so, dass sie den heutigen Marktbedingungen entsprechen, und KfW-kompatibel sind, damit die Kredite weitergeleitet werden können“, sagt beispielsweise Dorothée Regazzoni von der BNP Paribas Deutschland. „Wir stellen bevorzugt fest zugesagte Kreditlinien mit mittlerer Laufzeit zur Verfügung.“

Die NordLB betont auf Anfrage von DerTreasurer: „Sollten Kunden aufgrund der aktuellen Situation in eine Notlage geraten, suchen wir gemeinsam nach Lösungen.“ Das könnten unter anderem Überziehungen, Zwischenfinanzierungen und Zins- und Tilgungsaussetzungen umfassen, erklärt die Landesbank aus Hannover weiter.

Wie Banken mit Covenants umgehen

Auch im Hinblick auf die Financial Covenants agieren die Banken unterschiedlich. Eine Umfrage von GCA Altium unter 30 Banken zeigt zwar keinen ganz allgemeinen Trend, aber fast die Hälfte der befragten Banken greift auf verschiedene Maßnahmen zurück, um in der gegenwärtigen Situation mit Covenants ihrer Ansicht nach angemessen umgehen zu können: „Corona-Anpassungen“ kommen dabei für 7 Prozent der Banken in Frage. Holiday-Perioden, in denen die  Financial Covenants weiter gefasst oder sogar ganz ausgesetzt, können sich sogar 14 Prozent der Banken vorstellen.

Die aktuelle DerTreasurer-Umfrage unter einigen Banken bestätigt dieses Bild. So sagt beispielsweise BNP-Paribas-Bankerin Regazzoni: „Die allermeisten unserer Kunden sind so finanziert, dass die Covenants Stand heute nicht ausgesetzt werden müssen. Dort, wo es nötig ist, werden wir das aber auch in Betracht ziehen. Für Neu-Finanzierungen würden wir die Covenants wohl eher so setzen, dass sie den aktuellen Verhältnissen Rechnung tragen.“ Auch bei der BayernLB sind „nach Prüfung des Einzelfalls verschiedene Maßnahmen denkbar“. Das könne auch die vorübergehende Aussetzung von Covenants betreffen.

Die Banken bemühen sich, den Firmenkunden unter die Arme zu greifen. Viele von ihnen bieten zusätzliche finanzielle Unterstützung an. Auch wenn momentan der weitere Verlauf der Anti-Corona-Maßnahmen unsicher erscheint, wird die Krise irgendwann überwunden sein. „Es ist uns wichtig, auch die Zukunft mit unseren Kunden vorzubereiten“, sagt beispielsweise BNP-Paribas-Bankerin Regazzoni. In den nächsten Wochen und Monaten werde es also darum gehen, wie die Überbrückungsfinanzierungen in tragfähige Lösungen unter Einbezug aller verfügbaren Bank- und Kapitalmarktinstrumenten überführt werden könnten.

Paulus[at]derTreasurer.de

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