ZF-Treasury-Chef Ulf Loleit: „Niemand hat im April und Mai das Geld hinterhergetragen bekommen.“

ZF Friedrichshafen

21.10.20
Finanzen & Bilanzen

„US-Banken waren teilweise zurückhaltender“

ZF Friedrichshafen hat im Frühjahr während des Lockdowns einen neuen Kredit abgeschlossen. Wie für ZF-Treasury-Chef Ulf Loleit die Kreditverhandlungen waren, berichtet er im Interview.

ZF Friedrichshafen ist als Automobilzulieferer von der Coronakrise stark getroffen. Der massive Nachfragerückgang und zeitweise Produktionsstillstand in der Automobilbranche haben in Umsatz und Ergebnis des Stiftungskonzerns im ersten Halbjahr tiefe Spuren hinterlassen: Der Umsatz von ZF betrug im ersten Halbjahr 2020 13,5 Milliarden Euro, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 18,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern lag bei 177 Millionen Euro, das Nettoergebnis betrug im ersten Halbjahr 2020 minus 911 Millionen Euro.

Im Treasury gab es dringenden Handlungsbedarf. Um die Liquidität zu sichern, hat sich ZF im vergangenen Mai eine neue syndizierte Kreditlinie über 1,35 Milliarden Euro gesichert. „Die neue Kreditlinie ergänzt unseren bereits bestehenden revolvierenden Kredit über 3 Milliarden Euro“, sagt Ulf Loleit, der seit November 2019 als Senior Vice President Corporate Finance für das Treasury von ZF verantwortlich ist, im Interview.

Treasurer Ulf Loleit: Bankbeziehungen von ZF „belastbar“

Bei den Kreditverhandlungen während des Lockdowns in Deutschland spürten CFO Konstantin Sauer und Treasury-Chef Loleit die Unsicherheit auf Bankenseite deutlich. „Die US-Banken sind teilweise zurückhaltender geworden. Wie wir gehört haben, gab es in einigen Häusern Vorgaben zu Obergrenzen der Kredit-Commitments in bestimmten Sektoren“, erinnert sich Loleit.

Allerdings hätten auch asiatische und europäische Banken zum Teil zurückhaltend reagiert. „Im April und Mai war die Anspannung im Markt sehr hoch, und niemand hat in dieser Phase das Geld hinterhergetragen bekommen.“ Aber es habe sich schlussendlich gezeigt, dass die Bankbeziehungen von ZF „belastbar“ waren. Es haben sich laut dem Treasury-Chef „fast alle“ Kernbanken an der neuen Kreditlinie beteiligt. „Drei nichteuropäische Banken sind den Weg nicht mitgegangen“, verrät Loleit.

Die neue Kreditlinie hat ZF per Ende September voll gezogen. „Auf diese Weise und durch unser stringentes Kosten- und Liquiditätsmanagement steht uns trotz des Geschäftseinbruchs im zweiten Quartal unsere revolvierende Kreditlinie über 3 Milliarden Euro weiterhin voll zur Verfügung“, sagt Loleit.

Paulus[at]derTreasurer.de

Lesen Sie das vollständige Interview mit Ulf Loleit in der September-Printausgabe von DerTreasurer, die Sie hier abonnieren können. Der ZF-Treasurer spricht auch auf der diesjährigen SF am 23. November.