Der HSBC-Banker Alexander Mutter wechselt zum Supply-Chain-Finance-Fintech Taulia.

Taulia; Montage: DerTreasurer

06.10.20
Persönlich & Personal

Alexander Mutter geht zu Fintech Taulia

Taulia erhält prominenten Neuzugang: Der Working-Capital-Spezialist Alexander Mutter ist nun bei dem Supply-Chain-Finance-Fintech an Bord.

Von der Bank zum Fintech: Alexander Mutter hat der Bankenwelt den Rücken gekehrt und ist zu Taulia gewechselt. Seit 1. Oktober ist der ehemalige HSBC-Banker für das Supply-Chain-Finance-Fintech als Managing Director of Capital Markets tätig. Das teilte Taulia am heutigen Dienstag mit.

„Von Düsseldorf aus werden wir das Netzwerk der Finanzierungspartner von Taulia weltweit ausbauen“, sagt Mutter gegenüber DerTreasurer. „Unsere Lösungen sollen durch unterschiedliche Partner im Markt finanziert werden.“ Taulia arbeitet eigenen Angaben zufolge mit „führenden institutionellen Anlegern“ zusammen. „Wir werden die Forderungen über eine Multi-Funder-Distribution im Markt platzieren“, sagt Mutter weiter.

Taulia ist auf Supply Chain Finance spezialisiert

Das 2009 von vier Deutschen mit SAP-Hintergrund gegründete Fintech Taulia bietet verschiedene Lösungen im Bereich Supply Chain Finance und Working Capital Management an: Das sogenannte Dynamic Discounting, eine auf Eigenmittel basierte Lieferantenfinanzierung, folgt dem Grundsatz: Je früher der Kunde zahlt, desto höher fällt der Skontosatz aus. Der Diskontierungssatz richtet sich nach der Dauer des Zahlungsziels.

Daneben offeriert der Supply-Chain-Finance-Anbieter aber auch eine Fremdkapitallösung, bei der Finanzdienstleister als Zwischenfinanzierer auftreten. Dabei handelt es sich um eine Art Reverse Factoring. Zudem bietet das Fintech auch Cash Flow Prognosen, E-Invoicing, Invoice Automation, Supplier Management und Self-Service Solutions für Lieferanten an.

Mutter: „SCF-Geschäft wird Plattformgeschäft“

Mit diesem Wechsel lässt Alexander Mutter die Konzernstruktur internationaler Großbanken hinter sich. Der Banker war bislang in verschiedenen Führungspositionen im Bereich Trade und Supply Chain Finance bei mehreren Banken tätig, unter anderem bei der Citigroup, der ABN Amro, der Deutschen Bank und zuletzt bei der HSBC. Dort war er zunächst Country Head des Bereichs „Global Trade and Receivables Finance“ bei HSBC Deutschland. Später hat er bei der britischen Großbank von London aus als Global Head of Product ebenfalls im Bereich „Global Trade and Receivables Finance“ gearbeitet.

Seine Beweggründe für den Wechsel in die Fintech-Welt erläutert der Banker wie folgt: „Die Grenzen zwischen Banken und Fintechs verschwimmen immer mehr. Es gilt über die klassischen Industriegrenzen hinwegzudenken.“ Genau diese Entwicklung zeichne sich im Supply Chain Finance ab. „Die Supply-Chain-Finance-Dienstleistungen werden sich weiter zu einem digitalen Plattformgeschäft  entwickeln“, ist Mutter überzeugt. Taulia als Fintech könne mit seinen digitalen Working-Capital-Lösungen effizienter agieren.

Taulia will sich nun die Erfahrung und das Netzwerk von Mutter als „Industrie-Schwergewicht“, wie ihn Taulia-CEO Cedric Bru bezeichnet, zu Nutze machen. Denn der Supply-Chain-Finance-Anbieter, der seinen Sitz in San Francisco hat, möchte seine Präsenz in Europa ausbauen und setzt dabei unter anderem auf Kooperationen mit Banken. Bislang arbeitet Taulia eigenen Angaben zufolge mit J.P. Morgan und der HVB/Unicredit zusammen. Nach eigenen Angaben nutzen insgesamt 2 Millionen Unternehmen die Lösungen des Fintechs weltweit.

Working Capital Management wird strategisch

Mutter wechselt mitten in der Coronakrise in einer turbulenten Zeit zu Taulia. „Die Supply-Chain-Finance-Industrie ist von einer hohen Schnelligkeit und Flexibilität geprägt. Die Nachfrage nach diesen Services ist hoch“, sagt der Banker. Die Pandemie habe diesen Trend sogar noch weiter beschleunigt, da die Belastbarkeit der Lieferketten und die Optimierung des Working Capitals in den vergangenen Monaten für viele Unternehmen kritische Themen gewesen seien. „Das Working Capital Management ist strategisch bedeutender geworden. Geprägt von den Supply-Schocks, die fast alle Unternehmen erfahren haben, sind agile Strukturen und innovative Geschäftsmodelle gefragt, mit dem Ziel ganzheitlich resiliente Wertschöpfungsketten zu schaffen“, glaubt Mutter. 

Insbesondere das Treasury sollte deshalb beim Working Capital Management eine Führungsrolle einnehmen und sich mit Bereichen außerhalb des Finanzressorts, zum Beispiel mit dem Einkauf oder der Logistik, abstimmen.

Paulus[at]derTreasurer.de

Neben Dynamic Discounting und Reverse Factoring gibt es noch viele weitere Trends, wie Lieferketten finanziert werden können. Mehr darüber lesen Sie auf unserer Themenseite Supply Chain Finance. Auch auf den Themenseiten Fintechs im Treasury und Woking Capital Management finden Sie spannende Informationen zu den neuesten Entwicklungen in diesen Bereichen. 

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