Stephan Müller verlässt die Commerzbank nach über zehn Jahren Ende März.

Alexandra Lechner/Commerzbank AG

17.02.21
Persönlich & Personal

Commerzbank macht Rolle rückwärts im Transaction Banking

Nach nicht einmal zwei Jahren räumt Stephan Müller bei der Commerzbank den Posten als Transaction-Banking-Chef. Der Bereich soll seine Eigenständigkeit verlieren.

Noch nicht einmal zwei Jahre ist Stephan Müller Bereichsvorstand des Transaction Banking bei der Commerzbank, nun verlässt der langjährige Mitarbeiter das Institut zum 1. April, wie aus einem internen Memo hervorgeht, das DerTreasurer vorliegt.

Ebenfalls wurde bekannt, dass Frank Nierhaus, Bereichsvorstand Vertrieb in der Marktregion Nord für Privat- und Unternehmerkunden, die Commerzbank „auf eigenen Wunsch“ verlassen wird. Seine Aufgaben übernimmt zum 1. April 2021 Christian Hassel, zusätzlich zur Leitung der Marktregionen Mitte und Ost.

Stephan Müller ist seit 2009 Commerzbanker

Transactionbanker Müller war 2009 im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank zur Commerzbank gekommen. Im Juli 2019 wurde dem IT- und Firmenkundenexperten dann die Leitung des Transaction Bankings übertragen. In dieser Funktion hatte Müller neben den beiden Clustern Zahlungsverkehr und Trade Finance auch die weltweite Vertriebsverantwortung für diese Produkte an Firmenkunden.

Seine Ernennung vor nicht einmal zwei Jahren war Teil eines umfassenderen Umbaus des damaligen Commerzbank-CEO Martin Zielke. Denn das Transaction Banking wurde zu einem eigenständigen Bereich innerhalb des Firmenkundensegments der Bank ausgebaut. Zuvor waren die Geschäfte Cash Management  und Trade Finance mit den Geschäften mit Banken weltweit gebündelt. Die Leitung des Bereichs hatte Nikolaus Giesbert inne, der die Aufgaben von Müller nun interimistisch übernimmt.

Manfred Knof wirft den Umbau um

Der Umbau aus dem Jahr 2019 soll unter der Ägide des neuen Chef Manfred Knof offenbar in Teilen wieder rückgängig gemacht werden. Einen neuen Chef für das Transaction Banking sucht die Commerzbank demnach nicht. Stattdessen verschmilzt das Transaction Banking mit dem Segment „Institutionals“, wie eine Sprecherin erklärte. In dem Ressort bündelt die Commerzbank institutionelle Kunden wie Banken, Versicherungen, Asset Manager sowie Pensions- und Hedgefonds bündelt. Das neue Ressort wird Giesbert dann führen.

Die Abgänge von Müller und Nierhaus verdeutlichen, dass der Umbau der Commerzbank auch nicht an den oberen Führungsebenen vorbeigehen wird. Insgesamt will das Geldhaus rund 10.000 Stellen abbauen, darüber wird im Konzern die kommenden Wochen allerdings noch verhandelt. Wie viele der zuletzt 42 Bereichsvorstände sich verabschieden werden, ist noch nicht klar. Laut einer weiteren internen Mitteilung soll die Zahl der Bereichsvorstände verkleinert werden.

Dadurch soll eine schnelle Umsetzung der neuen Strategie gewährleistet werden. Die Implementierung der Pläne und der neue Zuschnitt der Bereichsvorstände wird sich aber noch etwas hinziehen: Die neue Strategie soll tatsächlich erst 2024 komplett umgesetzt sein.

Wie viele Stellen im Transaction Banking abgebaut werden sollen, konnte die Sprecherin auf Nachfrage nicht sagen. Man werde in den kommenden Wochen genauere Zahlen nennen. Der Stellenabbau soll sich aber über alle Bereiche der Bank ziehen.

Commerzbank will sich wandeln

Vor wenigen Tagen hatte die Commerzbank ihre neue Strategie verkündet. Die massiven Einschnitte bringen auch Änderungen im Firmenkundengeschäft mit sich. Zum einen wollen sich die Frankfurter mehr auf jene Unternehmen konzentrieren, die einen „komplexen Beratungsbedarf“ haben. Zum anderen plant die Commerzbank, das Investmentbanking zurückzufahren. Das betrifft speziell die Bereiche Eigenkapitalmarktgeschäft (ECM) sowie die Begleitung von Fusionen und Übernahmen (M&A).

Der Fokus liegt in Zukunft wieder auf dem Heimatmarkt: So will sich die Bank aus 15 internationalen Standorten zurückziehen, zwei Filialen sollen in lokale Repräsentanzen gewandelt werden. Welche Standorte dies genau betrifft, ist noch nicht bekannt. Auslandskunden sollen in Zukunft nur dann betreut werden, wenn sie einen Geschäftsbezug zu Deutschland haben oder wenn sie in „ausgewählten Zukunftsbranchen“ tätig sind.

Eich[at]derTreasurer.de