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11.02.19
Risiko Management

Derivate: DAI und VDT warnen vor Brexit-Chaos

Zahlreiche Unternehmen könnten durch den Brexit ohne Absicherungen durch Derivategeschäft dastehen, befürchtet das Deutsche Aktieninstitut. Mit weiteren Interessenvertretern pocht es auf die Anpassung der Übergangsregeln.

Die Brexit-Verhandlungen befinden sich in einer Sackgasse, selbst ein No-Deal-Szenario wird immer wahrscheinlicher. Dies ruft das Deutsche Aktieninstitut (DAI), den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie den Verband Deutscher Treasurer (VDT) auf den Plan. Ein Brexit ohne Abkommen erschwere die Risikoabsicherung durch Derivategeschäfte, geben die Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme zu bedenken. Die Interessenverbände fordern deshalb von der Bundesregierung die Anpassung des sogenannten „Brexit-Steuerbegleitgesetzes“.

Derivate-Geschäft im Billionen-Bereich betroffen

Das Gesetz soll im Wesentlichen die Übergangszeit nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs für Unternehmen einfacher gestalten. Dabei sollen bereits geschlossene Derivateverträge auch 21 Monate nach dem Brexit mittels eines temporären EU-Passes noch gültig bleiben. Jedoch sehen DAI und Co. genau hier einen der Knackpunkte des Gesetzentwurfs: Neu geschlossene Derivateverträge würden von dem Gesetz nicht abgedeckt. Sämtliche neu geschlossenen Verträge mit britischen Finanzdienstleistern würden somit zum Problem. Denn nach dem Brexit dürften die Institute ihren Kunden keine Dienstleistungen mehr anbieten.

Die britischen Banken verlagern zwar gerade ihre Aktivitäten nach Kontinentaleuropa. Die Wirtschaftsverbände sind aber skeptisch, dass dies rechtzeitig der Fall sein wird. Könnten sie der „der Flut an Verlagerungen nicht Herr werden“, könnten manche Absicherungen „gar nicht mehr stattfinden oder nur zu sehr viel höheren Kosten“.

Zudem könnten auch nicht alle Unternehmen ihren Derivatehandel auf europäische Banken verlagern. „Um im Fall eines harten Brexit die Risikoabsicherung nichtfinanzieller Unternehmen nicht zu gefährden, sollte für eine Übergangszeit auch der Abschluss von neuen Derivateverträgen über im Vereinigten Königreich ansässige Finanzdienstleister möglich sein“, fordert deshalb Michaela Hohlmeier, Leiterin des Brexit-Projekts beim Deutschen Aktieninstitut.

Angesichts der Derivate-Volumen ist dies nicht zu unterschätzen. Der Bank of England zufolge werden aktuell nicht-clearingpflichtigen außerbörslich gehandelten OTC-Derivate  im Wert von 28 Billionen Pfund gehandelt. Alleine 18 Billionen davon laufen erst nach dem offiziellen Brexit-Termin Ende März aus. 

Unternehmen schaffen Umstellung nicht

Bereits im September 2018 warnte der Bahn-Treasurer Wolfgang Bohner im Gespräch mit DerTreasurer vor den möglichen Folgen eines No-Deal-Brexits für das Derivategeschäft.

Sollte der Gesetzesentwurf nicht entsprechend angepasst werden, könnten manche Absicherungen entweder gar nicht mehr oder nur zu sehr viel höheren Kosten stattfinden, teilen die Interessenverbände mit. Gleichzeitig forderten die Verbande auch die Unternehmen auf, sich schnellstmöglich auf einen harten Brexit ohne Austrittsabkommen vorzubereiten. Zumindest eine Umfrage unter Treasurern aus dem Herbst 2018 deutete an, dass nur wenige über einen Notfallplan verfügen.

Mehring[at]derTreasurer.de

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