Der Technologiekonzern Robert Bosch gilt seit jeher als konservativ finanziertes Unternehmen. Das liegt auch am Testament des gleichnamigen Gründers, der zwar 1942 verstorben ist, das Handeln des Managements aber immer noch maßgeblich prägt: Bosch soll finanziell unabhängig bleiben und sich kraftvoll weiterentwickeln, so die Vorgabe.
Die Corona-Pandemie stellt aber auch den Technologiekonzern vor Herausforderungen und hat zu einer für den Konzern einzigartigen Fremdkapitalaufnahme geführt: Im vergangenen Jahr hat Bosch einen Mega-Schuldschein über 2 Milliarden Euro emittiert. Zudem hat das Unternehmen erstmals einen Konsortialkredit aufgelegt, der auf ein stolzes Volumen von 3 Milliarden Euro kommt, zuletzt aber nicht gezogen war.
Bosch: Treasury spielt wichtige Rolle
Der Treasury-Abteilung kam plötzlich eine wichtige Rolle zu, wie Abteilungsleiter Christian Zeidler gegenüber DerTreasurer erklärt: „Wir haben schon vorher mit verschiedenen Szenarien in der Liquiditätsplanung gerechnet, aber unsere Berechnungen sind durch die Pandemie direkt auf die Probe gestellt worden. In der Krise steht das Treasury schnell im Fokus.“ Bosch setzt in der Treasury-Abteilung auf eine monatliche Liquiditätsplanung.
Diese werde laut Zeidler „systemseitig mit neuen Technologien wie etwa Predictive Analytics“ durchgeführt. Trotz der technologischen Mittel setzt das Bosch-Treasury auch auf die Erfahrung seiner Mitarbeiter, für die Planung sei ein enger Austausch im Team notwendig gewesen.
Bosch hält sich an Testament des Gründers
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Wie passt eine solch enorme Fremdkapitalaufnahme zur finanziellen Unabhängigkeit, die das Testament des Gründers vorschreibt? „In der Umsetzung beider Vorgaben sind wir letztlich ziemlich frei in unserem Handeln“, sagt Zeidler hierzu. „Wir setzen dazu auf einen ausgewogenen Finanzierungsmix, machen das aber nicht an planharten Grenzen fest.“
Das Unternehmen verfüge über eine solide Kapitalstruktur. Die Liquidität von Bosch belief sich Ende 2020 auf 9 Milliarden Euro – doppelt so viel wie vor der Pandemie. „Unsere Eigenkapitalquote liegt bei 44 Prozent. Beim Kredit haben wir mit unseren vertrauten Bankpartnern kooperiert“, so Bosch-Manager Zeidler. Beim Schuldschein seien die Investoren sehr divers. „Insofern bleibt die Unabhängigkeit gewahrt.“
Was Boschs Treasury-Chef Zeidler über grüne Finanzierungen für seinen Konzern denkt und welche Aufgaben die Treasury-Abteilung des Traditionskonzerns hat, erfahren Sie im Interview mit Christian Zeidler in der Juni-Ausgabe unseres aktuellen Print-Magazins (auch als E-Paper).

