ZF Friedrichshafen hat mit VC Trade erstmals eine digitale Schuldscheinplattform genutzt.

ZF Friedrichshafen

02.10.19
Finanzen & Bilanzen

ZF platziert Rekord-Schuldschein über Digitalplattformen

ZF Friedrichshafen hat mit einem Schuldschein erneut die Schallmauer von 2 Milliarden Euro durchbrochen. Das Besondere der neuen Rekord-Transaktion: Der Großteil des Orderbuchs wurde dabei auf digitalen Plattformen abgebildet.

ZF Friedrichshafen hat erneut Milliarden über den Schuldscheinmarkt eingesammelt. Der Automobilzulieferer hat insgesamt 2,1 Milliarden Euro bei Investoren platziert. Das Gesamtvolumen verteilt sich auf verschiedene Tranchen mit Laufzeiten zwischen drei und zehn Jahren, teilte ZF mit. Alle Tranchen seien sowohl als fix als auch variabel verzinst angeboten worden. Die durchschnittlichen Zinssätze je nach Laufzeit lagen demnach für die Fix-Tranchen zwischen 1,1 Prozent und 1,8 Prozent.

Ursprünglich wollte der Stiftungskonzern lediglich 500 Millionen Euro einsammeln. „Aufgrund der signifikanten Überzeichnung in einem herausfordernden Marktumfeld“ habe ZF das Volumen aber „deutlich ausgeweitet“, teilte der Konzern weiter mit. Commerzbank, LBBW, Helaba und Unicredit haben die Emission begleitet. Nach Angaben der Banken hat der Autozulieferer bei dieser Transaktion ein Rekord-Ordervolumen erzielt.

Plattform VC Trade bildet Großteil des ZF-Orderbuchs ab

Der Konzern vom Bodensee hat bei der Vermarktung des Schuldscheins eigenen Angaben zufolge auf einen „Multi-Channel-Ansatz“ gesetzt. Das heißt, die Vermarktung erfolgte sowohl auf klassischem Wege als auch über die beiden digitalen Emissionsplattformen VC Trade und Debtvision, die von der LBBW und der Börse Stuttgart ins Leben gerufen worden ist. Dabei hat VC Trade eigenen Angaben zufolge „etwa 85 Prozent der abgegebenen Orders“ auf seiner Plattform abgebildet.

Damit haben die Friedrichshafener erneut einen der größten Schuldscheine aller Zeiten begeben. Bereits Anfang 2015 hatte ZF solch einen Milliarden-Schuldschein platziert. 2,2 Milliarden Euro sammelte der Stiftungskonzern damals ein und hatte damit früher als gedacht einen Teil der Brückenfinanzierung für die Übernahme des US-Unternehmens TRW Automotive abgelöst. Ursprünglich wollte der Konzern damals lediglich einen bestehenden Schuldschein über 400 Millionen Euro refinanzieren. Doch die Nachfrage übertraf alle Erwartungen, was ZF intelligent für die M&A-Finanzierung nutzte.

Auch diesmal verwendet ZF den Emissionserlös des Schuldscheins zur M&A-Finanzierung: Mit den aufgenommenen Mitteln löst der Automobilzulieferer eigenen Angaben zufolge Teile der Brückenfinanzierung zur geplanten Übernahme des Nutzfahrzeugbremsenherstellers Wabco ab. Als weiteren Baustein zur Ausfinanzierung wollen die Friedrichshafener noch Euro-Anleihen emittieren.

BASF-Treasurer Ulf Loleit wechselt zu ZF

Für das Treasury von ZF Friedrichshafen ist diese Schuldscheintransaktion ein neuerlicher Erfolg und die erste Erfahrung mit einer digitalen Schuldscheinplattform. Die Digitalisierung der Treasury-Abteilung dürfte bei dem Automobilzulieferer künftig weiter forciert werden. Denn zum 1. November wechselt der derzeitige BASF-Treasury-Chef Ulf Loleit nach Friedrichshafen, um dort die Funktion des Senior Vice President Corporate Finance zu übernehmen. Loleit hat bereits die Digitalisierung und die Automatisierung des BASF-Treasury vorangetrieben und dürfte das auch bei ZF Friedrichshafen zum Ziel haben.

Auch die Plattform VC Trade zeigt mit diesem ZF-Schuldschein, dass derart große Transaktionen über eine Digitalplattform abgewickelt werden können. In diesem Jahr hatte bereits die Lufthansa mit 800 Millionen Euro die bislang größte Schuldscheintransaktion, die komplett digital platziert worden ist, durchgeführt.

Inzwischen sind nach Angaben von VC Trade mehr als 450 Investoren an die Plattform des Fintechs, das sich zum Arranger-Modell bei der Schuldscheinplatzierung bekennt, angebunden. Arranger-Modell bedeutet, dass das Fintech ausschließlich Schuldscheine zusammen mit begleitenden Banken (Arrangern) abwickelt. Emittenten können keinen Schuldschein in Eigenregie über VC Trade platzieren.

„Wir schätzen, dass es 400 bis 450 wirklich aktive Schuldschein-Investoren gibt, so dass wir nun schon den Großteil des Investorenuniversums auf VC Trade haben“, sagt Stefan Fromme, Mitgründer und Geschäftsführer von VC Trade, gegenüber DerTreasurer. „Wir sind optimistisch, auch die noch nicht auf VC Trade aktiven Investoren zeitnah für die Plattform zu gewinnen.“

Investoren können E-Signatur bei Schuldschein nutzen

Die Transaktion verbleibt zudem dem Fintech zufolge über den gesamten Lebenszyklus auf VC Trade, wodurch die Plattform auch nach dem Settlement als einheitliches und zentrales Informationsmedium diene. Die Investoren konnten zudem auch die neueingeführte E-Signatur für den Deal nutzen.

Seit Ende August dieses Jahres bietet VC Trade an, Transaktionen mit einer E-Signatur abzuschließen. Seitdem ist eine vollständig digitale Schuldscheintransaktion möglich. Allein in diesem Jahr haben bereits 33 Transaktionen mit einem Volumen von insgesamt rund 7,5 Milliarden Euro auf der Plattform des bankenunabhängigen Fintechs stattgefunden.

Paulus[at]derTreasurer.de

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