ESG-Links bei Schuldscheinen verändern sich

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Schuldscheine, die an eine ESG-Komponente geknüpft sind, sind inzwischen keine Seltenheit mehr, fast jeder zweite hat einen solchen Link. Inzwischen sehe man aber einen Wandel bei der Strukturierung der Transaktionen, erklärt Tim Buchholz, ESG-Spezialist bei der DZ Bank.

Beispielsweise gebe es einen Trend hin zu einer einmaligen Überprüfung der Nachhaltigkeitskennzahlen am Ende der Schuldscheinlaufzeit. „Die Zielerreichung wurde bei Schuldscheinen bislang in der Regel – ähnlich wie bei Krediten – jährlich überprüft“, so Buchholz.

Der Grund für den neuen Trend liegt auf der Hand. Das vereinfacht den Prozess, während der Laufzeit gibt es keine Veränderungen der Zinsen, sondern nur noch einmal am Ende. Damit fällt für Unternehmen die Notwendigkeit weg, ihre meist mittelfristigen ESG-Ziele auf jährliche Benchmarks herunterzubrechen. „Das ist für viele Unternehmen ein sehr schwieriger Prozess, den sie so überflüssig machen“, so Buchholz.

ESG-linked Schuldscheine ohne Bonus

Außerdem verzichteten mehr Emittenten auf die Bonus-Komponente, berichtet der Experte. In den vergangenen Jahren hatte sich ein Bonus/ Malus-System etabliert. Werden die Ziele erreicht, sinkt der zu zahlende Zins. Werden sie verfehlt, steigt er. „Häufig wird nun nur noch ein Stepup vereinbart, wenn die Ziele nicht erreicht werden. Diese Struktur gibt es bisher so vor allem am Bondmarkt.“ So haben Investoren kein Down-Side-Risiko und müssen keine potentielle Margenverringerung in ihrer Profitabilitätsberechnung berücksichtigen.

Einen weiteren Trend erkennt Buchholz bei der Auswahl der KPIs. Während zwischenzeitlich verstärkt auch soziale Kennzahlen in ESG-Links Einzug gehalten haben, sehe man nun wieder eine stärkere Konzentration auf CO2-Kennzahlen. „Der Grund hierfür liegt sicherlich in der Regulatorik. Durch die CSRD sind viele Unternehmen verpflichtet, entsprechende Kennzahlen zu messen. Werden diese systematisch erfasst, lassen sie sich auch in Finanzierungen einbauen“, erklärt er.

Werden SPOs wichtiger?

Spiegelbildlich zum restlichen Green-Finance-Markt werde auch bei Schuldscheinen stärker über das Ambitionsniveau der gesetzten Ziele diskutiert. „Die Glaubwürdigkeit der KPIs ist für Emittenten und Investoren ein wichtiger Faktor geworden, Unternehmen wollen sich keinem Greenwashing-Vorwurf aussetzen.“ Bislang führe das allerdings noch nicht zu einem Anstieg der Second Party Opinions am Schuldscheinmarkt. Mittelfristig könnten diese externen Bewertungen allerdings wichtiger werden.

Koegler[at]dertreasurer.de

Antonia Kögler ist Redaktionsleiterin bei DerTreasurer. Sie schreibt über Finanzierung und Asset Management und verfolgt alle Entwicklungen rund um das Thema Sustainable Finance.