Eigentlich könnte man meinen, Digitalisierung steht bei Banken hoch im Kurs. Es ist eines der Schlagworte, mit dem sich Geldhäuser gern schmücken. Von der neuesten Blockchain-Technologie über virtuelle Konten bis hin zu innovativen API-Strukturen.
Doch bei einigen Treasurern herrscht Unmut. „Sie senden uns nach wie vor stapelweise Papier“, ärgert sich ein Treasurer eines MDax-Unternehmens. Dass manche Informationen aus gesetzlichen Gründen papierhaft vorliegen müssten, sei klar. Das heiße aber nicht, dass sie nicht auch digital zur Verfügung gestellt werden könnten.
Kontoauszüge über Ebics gewünscht
Insgesamt bemängelt er, dass Banken falsche Prioritäten setzen. „Es ist für mich völlig unverständlich, dass Banken Kontoauszüge für Tages- und Termingelder oder Depotauszüge immer noch nicht digital über den Ebics-Kanal an Unternehmen senden können. Jeder Privatkunde wird besser mit digitalen Informationen versorgt.“
Ein digitaler Abruf sei zwar inzwischen über die verschiedenen Bankportale möglich, doch für größere Unternehmen mit einer Vielzahl von Banken sei der manuelle Aufwand dadurch einfach zu groß. „Wir nutzen daher keine Bankportale einzelner Häuser.“
Dauerbrenner KYC
Auch im aktuellen Treasurer-Panel machen sich die Befragten Luft: „Das papierlose Büro scheint mit Banken nicht machbar zu sein. Deren Fokus ist praxisfremd auf andere Themen gerichtet.“ Außerdem werden eine zu starke Fokussierung auf die eigenen Portale bemängelt sowie lange Bearbeitungs- und Wartezeiten bei neuen Electronic-Banking-Verträgen und mangelndes Wissen außerhalb des Ebics-Kanals.
Gegenüber DerTreasurer bestätigt eine Treasurerin den Ärger rund um fehlende elektronische Termingeld- und Depotauszüge und ergänzt, dass KYC-Dokumente immer noch mühsam einzeln angefragt und nur mit physischer Unterschrift akzeptiert würden. Die Implementierung digitaler Signaturen scheine für viele Banken immer noch eine Herausforderung zu sein. Das Thema KYC ist der Dauerbrenner unter den Ärgernissen.
Physische Unterschrift noch erforderlich
Die Treasurerin kritisiert zudem die Anforderungen an das Limitmanagement für einzelne Konten. „Die Notwendigkeit, eine Limitanhebung eine Woche im Voraus mit einer physischen Unterschrift des Managements zu beantragen, wirkt in der heutigen Zeit veraltet, und es besteht eine erhebliche Variation der Anforderungen zwischen verschiedenen Banken“, fasst sie zusammen.
Banken, die es schaffen, die alltäglichen Prozesse für Firmenkunden zu vereinfachen, dürften einen echten Wettbewerbsvorteil haben. Die Chancen sind noch ungenutzt.
Antonia Kögler ist Redaktionsleiterin bei DerTreasurer. Sie schreibt über Finanzierung und Asset Management und verfolgt alle Entwicklungen rund um das Thema Sustainable Finance.

