Birka Benecke nahm für BASF die Auszeichnung Treasury des Jahres 2020 entgegen.

F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn

15.12.20
Persönlich & Personal

#SFDW2020: Neuland auf vielen Ebenen

Die Structured FINANCE fand 2020 erstmal virtuell als „Digital Week“ statt. Das waren die Highlights für Treasurer.

Live-Streamings aus einem eigens dafür aufgebauten TV-Studio, Video-Schalten aus Deutschland und aller Welt, eine virtuelle Messehalle: Fast alles war anders bei der diesjährigen Structured FINANCE 2020. Die Kongressmesse fand vergangene Woche statt, erstmals an vier Tagen und rein digital.

Aus Sicht von F.A.Z. Business Media, dem Verlag von DerTreasurer und FINANCE, war der Plan, die Structured FINANCE in diesem Jahr zu einer Digitalveranstaltung zu machen, bereits im Frühsommer alternativlos: zu groß das Risiko, dass Großveranstaltungen generell nicht erlaubt sein würden; zu hoch die Gefahr, dass eine neue Corona-Welle anrollt – und damit die Gesundheit von Teilnehmern und Ausstellern gefährdet.

Netzwerken mit modernen Tools

Deswegen arbeiteten in den vergangenen Monaten Dutzende Mitarbeiter aus den Bereichen Events, Vertrieb und Redaktion an der neuartigen Structured FINANCE. Dabei stand besonders die Frage im Mittelpunkt: Wie lässt sich der direkte Austausch von CFOs und Treasurern im Ausnahmejahr 2020 realisieren? Moderne Tools für Webinare, Videochats und die Ausstellung trugen dazu bei, dass dies gelang – sogar weitgehend ohne technische Probleme.

Dafür sorgte im Vorfeld eine umfangreiche Vorbereitung mit zahllosen Testläufen. Die Mühe hat sich gelohnt: Insgesamt haben über 1.700 CFOs, Treasurer, Banker und weitere Finanzspezialisten der Veranstaltung beigewohnt. Angemeldet waren sogar über 2.000. Damit war die Structured FINANCE auch im Jahr 2020 die führende Veranstaltung für Unternehmensfinanzierung im deutschsprachigen Raum.

1.500 loggten sich schon zum Start ein

Direkt am ersten Tag der SFDW hatten sich bereits über 1.500 Teilnehmer zum Gipfeltreffen der Firmenkundenbanker auf der Plattform eingeloggt. Die Vertreter von Commerzbank, BNP Paribas, DZ Bank, Hypovereinsbank sowie von LBBW und BayernLB sorgten für einen spannenden Austausch. Knackpunkt der Diskussion: Wie hat sich das Verhältnis von Firmenkunden und Banken in der Coronakrise verändert? 

Klar ist, die Banken sind weiterhin im Markt aktiv, in Teilen aber fokussierter als vor der Pandemie. Die Geldhäuser agieren zunehmend risikoavers: Während Unternehmen, die gut durch die Coronakrise gekommen sind, teils sogar bessere Konditionen erhalten, wird es für Unternehmen, deren Aussichten düsterer sind, in den Kreditgesprächen schwieriger. Fast aussichtlos sind Kreditgespräche ohne öffentliche Hilfe für Reise-, Touristik- oder Gastronomieunternehmen. Bei vielen Automobilzulieferern war die Finanzlage schon vor Corona angespannt; hier hat sich die Lage weiter zugespitzt. Generell ist den Bankern die Profitabilität der Beziehung noch wichtiger als vor der Krise – so eine Kernbotschaft der Diskussionsrunde.

Top-Treasurer von Merck, BMW und Co tauschen sich aus

In der Krise zeigte sich, welche Banken wirklich zu welchen Unternehmen standen. Diese Erfahrungen haben auch große Corporates wie Bosch, ZF und Merck gemacht. Über die Liquiditätsplanung und -sicherung in Krisenzeiten diskutierten in einer Runde angeregt die Treasury-Verantwortlichen Birka Benecke (BASF), Birgit Böhm (BMW), Rando Bruns (Merck) und Michael J. Schütt (Fraport) mit Harald Fritsche (Deloitte) und Moderatorin Desirée Buchholz (DerTreasurer) im Studio in Frankfurt.

Den Banken kam dabei eine Schlüsselrolle zu: Für die großen Corporates spielten in der Krise milliardenschwere Bankkredite eine wichtige Rolle in der Liquiditätssicherung. Auch die entsprechenden Tools für die Liquiditätsplanung waren überlebenswichtig.

Treasury-Preisverleihung im neuen Format

In ganz neuem Format, nämlich virtuell und mit Videogrüßen der fünf nominierten Treasury-Abteilungen, fand die Preisverleihung zum „Treasury des Jahres 2020“ statt. Im Vorfeld hatte eine Jury aus 14 Treasury-Praktikern entschieden, welche die Nase vorne haben würde. BASF konnte sich dieses Mal über den Award freuen. Mit einem eigens entwickelten „Smart Credit Optimizer“ können die Ludwigshafener Kundenrisiken mit Hilfe Künstlicher Intelligenz schneller und effizienter einschätzen als in der Vergangenheit. 

Es war das erste Projekt dieser Art, das ausgezeichnet wurde. Auch das mit Treasury-Chefin Birka Benecke nach elf Jahren eine Frau die Trophäe entgegennahm, war ein Novum. Sie freute sich stellvertretend für ihr Team, bekundete aber auch den anderen Kandidaten von Henkel, Infineon, Telefónica Deutschland und Zalando ihren Respekt.

Steinbrück, Mongomery und Kornblum

Treasury, Green Finance, Digitalisierung: Über 70 Roundtables und Podiumsdiskussionen fanden innerhalb von vier Tagen statt. Mit Peer Steinbrück, Frank Ulrich Montgomery und John Kornblum gaben prominente Sprecher Einblicke über den Treasury-Tellerrand hinaus. So war die Structured FINANCE auch im Ausnahmejahr 2020 eine wichtige Austauschplattform für CFOs und Treasurer. „Die digitale Organisation der SF ist, nachdem sich so ein Oldie wie ich dann langsam eingefuchst hatte, sehr gut und unter den Umständen super“, schrieb uns etwa ein Finanzvorstand im Nachgang. Ähnlich äußerten sich viele weitere Teilnehmer. Ein Wermutstropfen bleibt: Die persönliche Begegnung fehlte.

Vielleicht ist sie ja 2021 wieder möglich. So viel steht zumindest schon fest: Im kommenden Jahr wird es am 24. und 25. November die Structured FINANCE geben, dank rückläufiger Corona-Zahlen dann womöglich nicht mehr komplett digital.

Dentz[at]derTreasurer.de

Fachbeiträge und Mittschnitte finden Sie im Structured FINANCE Content Hub.