Nicht mehr Bücher, sondern digital: Die Commerzbank will mit Google Services in die Cloud verlagern.

Google

30.03.21
Software & IT

Commerzbank: Google soll Firmenkunden-Services verbessern

Erst Microsoft, jetzt Google: Die Commerzbank vertieft die Partnerschaft mit dem US-Technologiekonzern. Wie können Firmenkunden davon profitieren?

Die Commerzbank setzt in Sachen Digitalisierung künftig noch stärker auf die Expertise der US-Technologiekonzerne: Wie die Frankfurter mitteilen, baut das Geldhaus die Zusammenarbeit mit Google Cloud aus und schließt eine fünfjährige strategische Partnerschaft mit dem US-Datengiganten.

Google unterstützt die Commerzbank bereits seit 2017 technisch und konzeptionell beim Thema Cloud. Mit dem neuen erweiterten Vertrag bietet Google Cloud dem Finanzinstitut sogenannte Plattform-Services an, um die digitale Transformation der Bank zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit dem Suchmaschinengiganten fokussiere sich demnach auf Datenanalysen und Machine Learning.

Google und Coba: Erste Ansätze für Firmenkunden

Auch Firmenkunden soll die am heutigen Montag verkündete Kooperation mit Google zugutekommen: So wird etwa der jüngst von der Commerzbank überarbeitete Pay-per-Use-Kredit künftig von Google unterstützt. Hier ist die Abrechnung komplexer als bei herkömmlichen Darlehen, da die Höhe der Tilgung von der Nutzung der Maschine abhängt. Googles Cloud-Dienst hilft künftig dabei, die Daten der Maschine an die Bank zu übertragen – der komplizierte technische Übertragungsweg war bislang eine Hürde beim Einsatz solcher Pay-per-Use-Darlehen.

Ein weiterer Anwendungsfall der Kooperation ist der Commerzbank zufolge der Identifikationsservice „Matchpoint“, der seit rund einem Jahr im Bereich Ratenkredit und Pfändungen Verwendung findet. Die Bank kann hier über eine API-Schnittstelle Suchanfragen zu Firmen- und Privatkunden stellen. Durch Googles Cloud-Technologie sollen Daten schneller verfügbar und die Qualität verbessert werden. Der Papieraufwand soll ebenfalls deutlich verringert werden, sagt die Commerzbank. Dritter Anwendungsbereich für Firmenkunden ist das Geldwäscherisikotool „Acurrate“, das durch die Zusammenarbeit mit Google verbessert werden soll.

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Auch Deutsche Bank arbeitet mit Google zusammen

Die Commerzbank ist damit das zweite große deutsche Geldhaus, das auf die Services von Google setzt, um Produkte weiter zu entwickeln: Im Juli 2020 hatte bereits die Deutsche Bank eine Zusammenarbeit mit Google bekanntgegeben. Auch die Deutsche Bank will damit unter anderem ihre Angebote im Bereich Pay per Use verbessern, wie Technologievorstand Bernd Leukert kürzlich bei einer Firmenkundenveranstaltung der Bank erklärte.

Die Commerzbank arbeitet zwar auch schon seit 2017 mit Google zusammen, die strategische Partnerschaft scheint das Bündnis aber noch einmal zu vertiefen. Im Januar 2021 hatte die Commerzbank zudem eine tiefergehende Partnerschaft mit dem US-Konzern Microsoft verkündet. Die Bank fährt eigenen Angaben zufolge einen Multi-Cloud-Ansatz, arbeitet also neben Microsoft und Google mit verschiedenen Dienstleistern zusammen. Dabei setzt das Geldhaus auch selbst auf das Prinzip Pay-per-Use: Es zahlt also nur solche Entwicklungen der Technologiepartner, die sie tatsächlich nutzt.

Die Commerzbank nutzt die Cloud-Technologie aber nicht nur, um neue Produkte auf den Markt zu bringen. Auch die Leistungsfähigkeit ihrer Systeme soll sich verbessern, die Betriebskosten der seit Jahren in einer Sanierung steckenden Bank sollen sinken. Bis 2024 hat die Commerzbank sich zum Ziel gesetzt, 85 Prozent ihrer dezentralen Anwendungen in der Cloud zu betreiben. Derzeit ist man mit rund einem Drittel in der Cloud.

Daten werden individuell verschlüsselt

Die beiden größten Geldhäuser Deutschlands reagieren mit den Kooperationen auf eine Entwicklung, die in anderen Teilen der Wirtschaft schon deutlich fortgeschrittener sind. Die IT der Banken gilt seit schon seit einiger Zeit als überholungsbedürftig. In den vergangenen Jahren machten hiesige Finanzinstitute immer wieder mit IT-Störungen auf sich aufmerksam, was insbesondere im Zahlungsverkehr für Unterbrechungen sorgte. Auch die Commerzbank war davon betroffen.

Dass deutsche Banken mit US-Technologieriesen zusammenarbeiten, stößt bei Treasurern allerdings auch bei Bedenken mit Blick auf den Datenschutz. Die Sorge: Der US-Datengigant erhält Zugriff auf sensible Unternehmensinformationen. Hier versucht die Commerzbank zu beschwichtigen: Zugriff auf die Daten habe „ausschließlich die Commerzbank“. Das Sicherheitsniveau sei „hoch“, schreibt das Institut auf Nachfrage von DerTreasurer. Die Anbindung der Commerzbank an die Cloud-Rechenzentren erfolge über exklusive, hoch abgesicherte Direktleitungen. Der Datentransfer ist dabei verschlüsselt. In der Cloud würden die Daten virtualisiert, fragmentiert und individuell verschlüsselt.

Eich[at]derTreasurer.de

Anm. d. Red.: In einer früheren Version hieß es, Firmen- und Privatkunden könnten bei „Matchpoint“ über eine API-Schnittstelle Suchanfragen stellen. Das war nicht korrekt, Banken können die Anfragen stellen. Wir haben die Stelle korrigiert.