Mario Andreya / Deutsche Bank

18.03.21
Cash Management & Zahlungsverkehr

Deutsche Bank forciert Kooperationen mit Tech-Anbietern

Traxpay war erst der Anfang: Die Deutsche Bank will künftig mehr auf Partnerschaften mit Fintechs und Tech-Konzernen setzen, wie die Bank bei ihrer jährlichen GTB-Konferenz ankündigte. Zwei konkrete Kooperationen stellte sie dort vor, die mit Google und TIS.

Die Deutsche Bank will Partnerschaften im Technologiebereich forcieren. Bei der jährlichen Transactionbanking-Konferenz des Geldhauses, die im vergangenen Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer fiel und in diesem Jahr an zwei Tagen virtuell stattfindet, kündigten führende Vertreter der Bank an, Kooperationen insbesondere mit Fintechs ausbauen zu wollen.

„Die Zeiten, in denen Banken ihre Innovationen alleine vorantreiben, sind vorbei“, erklärte Ole Matthiessen, globaler Cash-Management-Chef der Deutschen Bank. „Wir sondieren kontinuierlich, ob wir unseren Firmenkunden durch Partnerschaften schnellere und bessere Lösungen zur Verfügung stellen können.“ Gleichzeitig glaube er aber „sehr stark“ an vertikale Integration: „Unsere Kunden wollen Lösungen aus einer Hand.“

In ein ähnliches Horn stieß mit Stefan Hoops der Leiter der gesamten Unternehmensbank: Die Aufgabe der Deutschen Bank sei es, „die besten Fintech-Lösungen auszuwählen und in unser Produktangebot einzubauen“, erklärte Hoops den zugeschalteten Treasurern und Finanzverantwortlichen.

Deutsche Bank schließt strategische Kooperation mit TIS

Bei dem Digitalevent kündigte die Bank denn auch eine neue Kooperation mit dem Cloud-Softwareanbieter Treasury Intelligence Solutions (TIS) an. Im Rahmen der Partnerschaft werde man künftig in vier Bereichen gemeinsame Produkte entwickeln, erläuterten Christof Hofmann, Global Head of Corporate & Payment Solutions bei der Deutschen Bank und Erol Bozak, Chief Product Officer und Mitgründer TIS.

Den Auftakt macht eine neue Lösung zur Betrugsprävention im Zahlungsverkehr, die die Deutsche Bank und TIS im Juni auf den Markt bringen wollen. Auf Basis von historischen Zahlungsdaten der Kunden sollen Muster erkannt und Betrug vermieden werden.

Zu den anderen drei Bereichen, in denen neue Produkte entwickelt werden sollte, wollten sich die beiden Häuser auf Nachfrage von DerTreasurer nicht konkret äußern. Nur so viel: Es betreffe das Cash Management und setze auf eine tiefere Integration von Bank- und Kundendaten auf. Naheliegend könnte beispielsweise die Entwicklung einer Cashflow-Forecasting-Lösung sein, die auf Datenanalysen aufsetzt. In diese Richtung gehen jedenfalls Bemühungen von anderen Anbieter im Bereich Treasury Management Software.

Von den gemeinsam entwickelten Produkten sollen aber nicht nur Deutsche-Bank-Kunden profitieren, wie Bozak betont: „Wir bleiben unserem Ansatz treu, dass wir multibankfähige Produkte entwickeln. Es wurde keine Exklusivität für einzelne Produkte vereinbart.“ Der Vorteil für die Deutsche Bank sei, dass sie durch die Kooperation Zugang zum gesamten Datentopf von TIS bekäme – und nicht nur die eigenen Zahlungsverkehrsdaten sehe, was die Effizienz neuer Lösungen beschränke. Eine Zustimmung des TIS-Kunden sei dafür erforderlich und Datenschutzvorgaben würden dabei berücksichtigt, sagt Bozak: „Personenbezogene Daten werden ausgeklammert.“

TIS schließt Einstieg von Banken nicht aus

Die Deutsche Bank hatte sich im vergangenen Jahr bereits an Traxpay beteiligt. Damals kaufte sich die Bank mit einem Anteil von unter 10 Prozent bei dem Frankfurter Supply-Chain-Finance-Fintech ein.

Die strategische Partnerschaft mit TIS gehe aber nicht mit einem Equity-Investment einher, denn TIS sei sehr solide finanziert, so TIS-Mitgründer Jörg Wiemer. Er wollte im Gespräch mit DerTreasurer allerdings „nicht ausschließen, dass künftig auch Banken als Investoren an Bord kommen.“ Dabei würde es aber nur um einen Minderheitsanteil gehen, um die „Unabhängigkeit als multibankfähiger Anbieter nicht zu gefährden“. 

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Deutsche Bank entwickelt Produkte mit Google

Aber die Deutsche Bank kooperiert nicht nur mit Fintechs: Ein wichtiger Baustein der neuen Partnerschaftsstrategie der Deutschen Bank ist auch die Zusammenarbeit mit Google, die Technologievorstand Bernd Leukert und Unternehmensbank-Chef Hoops im vergangenen Jahr gemeinsam eingefädelt hatten. Auch mit dem Tech-Riesen will die Bank gemeinsam neue cloudbasierte Produkte entwickeln. „Uns geht es um Geschwindigkeit“, erklärt Leukert bei der Veranstaltung. „Wir wollen Produkte schneller an den Markt bringen.“

„Google muss den Nachweis erbringen, dass sie auch große Unternehmen erfolgreich in die Cloud begleiten können. Wir sind der europäische Vorzeigekunden für Google.“ 

Bernd Leukert, Technologievorstand bei der Deutschen Bank

Dazu gehören insbesondere nutzungsbasierte Finanzierungen, im Fachjargon Asset as a Service oder Pay per Use: „Wir sehen – auch im Zuge der Coronakrise – eine steigende Bereitschaft unserer Kunden abhängig von der Nutzung zu bezahlen“, so der ehemalige SAP-Manager Leukert, der im September 2019 zur Deutschen Bank kam. Das verändere aber auch die Art und Weise wie Banking funktioniere, denn bei nutzungsbasierten Ansätzen finde eine „permanente“ Finanzdienstleistung statt: „Das muss technisch integriert werden.“

Wie hält es Google mit dem Datenschutz?

Dass die Deutsche Bank mit Google zusammenarbeitet, stößt allerdings auch auf Bedenken insbesondere mit Blick auf den Datenschutz. Man wisse, dass diese Frage essentiell sei, so Leukert. Daher stünden die Rechenzentren alle in Europa. Außerdem würde alle Daten verschlüsselt. „Den Encryption Key hat nur die Deutsche Bank, Google nicht“, so der Technikvorstand. „Kundendaten sind uns heilig, die werden nicht geteilt“, ergänzt Bankmanager Hoops.

Auf die Nachfrage eines Kunden, warum es für Google interessant sei, mit der Bank zu kooperieren, wenn Daten bei der Bank blieben, antwortete Leukert: „Google muss den Nachweis erbringen, dass sie auch große Unternehmen erfolgreich in die Cloud begleiten können. Wir sind der europäische Vorzeigekunden für Google. Und ich gebe zu: Ich bin das gerne.“

Deutsche Bank will Technologiekompetenz ausbauen

Doch das Partnermodell hat für Leukert auch Grenzen: „Wir brauchen mehr Technologiekompetenz in der Bank. Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu stark auf Partner verlassen, für eine Transformation brauchen wir das Wissen auch intern.“ Ziel sei es deshalb, die Software-Engineering-Kompetenz auszubauen.

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu stark auf Partner verlassen, für eine Transformation brauchen wir das Wissen auch intern.“

Bernd Leukert, Deutsche Bank

Unternehmensbankchef Hoops betont dagegen, man habe in den vergangenen Jahren bereits einige Fortschritte gemacht. Als er die Leitung der Unternehmerbank im Sommer 2019 übernommen hatte, habe der Anteil der internen IT-Mitarbeiter bei etwa 30 bis 40 Prozent gelegen. Heute habe man 70 Prozent der Arbeit internalisiert. „Wir wollen wieder ein attraktiver Arbeitgeber für junge Talente sein“, so Hoops. Das gilt allerdings weniger für das klassischen Banking, sondern vielmehr für Technologieexperten.

Buchholz[at]derTreasurer.de