Cash Management: Das sind die Digitalbaustellen

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Die Corona-Pandemie hat den Digitalisierungsambitionen einiger Treasury-Abteilungen zeitweise einen Dämpfer versetzt. Nun werden die Projekte aber mit viel Kraft vorangetrieben. Das verdeutlichten die Diskussionen auf dem 9. Cash Management Campus, der an diesem Dienstag als Digitalkonferenz stattfand. Insgesamt 275 Treasury- und Cash-Management-Verantwortliche nahmen an dem Event teil, das DerTreasurer gemeinsam mit BNP Paribas ausrichtete.

Ein Beispiel dafür ist der Ludwigsburger Filtrationsspezialist Mann+Hummel. Dessen Treasury-Chef Dominik Paschinger berichtete auf dem virtuellen Campus, dass sein Team die geplante Einführung einer Inhouse-Bank  im vergangenen Jahr um einige Monate verschoben hat: „Wir haben die Prioritäten verändert“, erzählte Paschinger, dessen Team sich zeitweise in Kurzarbeit befand. „Der Fokus lag auf Liquiditätsplanung und -sicherung.“

So erging es einigen der zugeschalteten Treasurer: In einer TED-Umfrage erklärte ein Drittel, Projekte seien zeitweise gestoppt worden. Rund die Hälfte gab jedoch auch an, dass Digitalvorhaben wie geplant fortgeführt wurden. Bei immerhin jedem fünften Teilnehmer sind nun andere Digitalthemen relevant als vor Ausbruch der Pandemie.

Baustellen: e-BAM, Liquiditätsplanung, Betrugsprävention

Zu den neueren Projekten gehören vor allem E-Signaturen, elektronisches Bankkontenmanagement (e-BAM) und Betrugsprävention im Zahlungsverkehr. Dazu gesellt sich der Einsatz neuer Technologien für die Liquiditätsplanung. Diese Bereiche identifizierten die Teilnehmer der Auftaktdiskussionsrunde als drängendste Digitalbaustellen im Treasury. Neben Paschinger beteiligten sich Pfleiderer-Treasurer und VDT-Vorstand Carsten Linker, Gregor Opgen-Rhein (Omikron) und Andrej Ankerst (BNP Paribas) an der Diskussion.

„Die Coronakrise war für viele Treasurer ein ungewollter Statusbericht über die Evolutionsstufe, auf der man sich befindet.“

Carsten Linker, Treasury-Chef bei Pfleiderer und Vorstandsmitglied beim VDT

„Die Coronakrise war für viele Treasurer ein ungewollter Statusbericht über die Evolutionsstufe, auf der man sich befindet“, fasste Linker zusammen. Das sei aber auch eine Chance, um mit neuen Projekten etwa beim Forecasting anzusetzen – „vielleicht sogar mit Rückendeckung von ganz oben“.

Request to Pay im Fokus

Bei vielen Treasurern und Cash Managern richtet sich nach der Problembewältigung der Blick jetzt nach vorne, schließlich gibt es im Zahlungsverkehr derzeit so viele Umwälzungen wie seit Jahren nicht mehr. So wird im Sepa-Raum mit Request to Pay (RTP) gerade ein neues Verfahren eingeführt, das dem schleppenden Einsatz von Instant Payments endlich Auftrieb verleihen soll: Bei Request to Pay handelt es sich um eine der Zahlung vorgeschaltete Aufforderung. Sofern der Kunde sie bestätigt, wird sofort eine Überweisung ausgelöst. Vor allem Händler und andere B2C-Unternehmen erhoffen sich Vorteile von dieser neuen Methode, die im Juni offiziell gestartet ist.

„Wir werden im Juli oder August die ersten Pilotprojekte mit Kunden sehen“, prognostizierte Walter Genter, Head of Sales Cash Management Deutschland, BNP Paribas in seinem Vortrag. Im Schnitt hätten die Banken schätzungsweise 8 bis 10 Millionen Euro investiert, um auf Seiten des Zahlenden Sepa RTP anbieten zu können. Allerdings müssen auch die Unternehmen mitziehen: Michael Scholz, Chef des Softwareanbieters Ementexx, erläuterte, wie es gelingen kann, dass Treasury-Abteilungen direkt über den Eingang von Echtzeitzahlungen informiert werden.

Siemens-Treasury berichtet über M2M-Payments

Deutlich weniger konkret, aber dafür umso einschneidender für den Zahlungsverkehr dürfte die Entwicklung von digitalem Zentralbankgeld (auf Englisch kurz CBDC) sein. Bislang gibt es nur wenige Treasury-Abteilungen, die sich mit diesem Thema befassen. Im Technologiekonzern Siemens, dessen Treasury-Team zu den größten Deutschlands zählt, befasst sich mit Ramin Ghafari ein eigener Experte mit dem programmierbaren Geld.
Der Grund: Machine-to-Machine-Payments werden für Siemens immer wichtiger, und CBDCs eignen sich am besten für diese Zahlungen, erläuterte Ghafari in seinem Vortrag. Sein Plädoyer: „Der digitale Euro sollte dezentral aufgesetzt werden“, sagte Ghafari. 

Gefragt, ob sich Siemens wünsche, ein Konto direkt bei der Zentralbank zu haben und damit Banken auszuklammern, äußerte sich der Experte allerdings diplomatisch. Aus visionärer Sicht würden „wir uns wünschen, direkt zwischen Corporates Peer-to-Peer interagieren zu können.“ Allerdings müsse man in diesem Fall alternative Lösungen für KYC- und Geldwäsche-Prävention finden, denn diese Aufgaben übernähmen heute die Banken. „Ich bin daher offen für beide Varianten.“

Das Treasury von Henkel erhält neue Aufgaben

Mit neuen Bezahlverfahren setzt sich auch der Konsumgüterhersteller Henkel auseinander, wie Treasury-Chef Ulrich Borgstädt und Cash Manager Marc Rommerswinkel beim abschließenden On-Stage-Interview berichteten. Die Düsseldorfer bauen derzeit weltweit für diverse Marken Online-Shops auf – das Treasury befasst sich daher seit einigen Monaten intensiv mit Zahlungsverkehrs-Fintechs wie Stripe und Adyne, legt Anforderungen für neue Dienstleister fest und positioniert sich auch intern neu. 

„Wir müssen jetzt beginnen, die Strukturen zu schaffen und als Treasury die Hand zu heben“, berichtete Borgstädt. Das sei im vergangenen Jahr erfolgt, unter anderem mit der Benennung von Cash Manager Rommerswinkel als Projektmanager für neue Zahlungslösungen im Direktvertrieb. Die neuen Entwicklungen im Zahlungsverkehr dürften nicht nur das Henkel-Treasury in den kommenden Jahren auf Trab halten. Der Bedarf nach einem Erfahrungsaustausch bleibt also hoch.

„Wir müssen jetzt beginnen, die Strukturen zu schaffen und als Treasury die Hand zu heben.“

Ulrich Borgstädt, Treasury-Chef bei Henkel

Info

Falls Sie die Veranstaltung verpasst haben sollten, können Sie sich die Vorträge und Diskussionsrunden des Cash Management Campus in unserem Content Hub als Videomitschnitte anschauen.