Bei der Commerzbank kommt es wieder zum Personalumbau.

Commerzbank AG

16.09.21
Persönlich & Personal

Vorstandsrochade bei der Commerzbank

Der Umbau der Commerzbank läuft holpriger als gedacht: Nun müssen zwei Vorstände ihre Positionen räumen. Dem einen wird offenbar das jüngste M&A-Debakel mit der HSBC zur Last gelegt.

Bei der Commerzbank dreht sich das Personalkarussel unaufhörlich weiter. Der Aufsichtsrat der Bank hat in seiner gestrigen Sitzung Thomas Schaufler mit Wirkung zum 1. Januar zum Vorstand für Privat- und Unternehmerkunden berufen. Er wird diese Aufgaben von Sabine Schmittroth übernehmen, die sich künftig dann „wieder voll“ auf ihre Aufgabe als Arbeitsdirektorin konzentrieren soll. Das teilte die Commerzbank mit. Schaufler ist seit Januar 2021 Vorstandsmitglied für Retail Banking bei der österreichischen Erste Group Bank und gleichzeitig schon seit Februar 2016 Vorstandsmitglied der Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG.

Jörg Oliveri del Castillo-Schulz wird COO

Neben Schaufler hat der Aufsichtsrat der Bank noch Jörg Oliveri del Castillo-Schulz zum neuen Chief Operating Officer (COO) berufen. Oliveri del Castillo-Schulz ist derzeit laut der Bank als selbständiger Berater für Strategie- und Transformationsvorhaben tätig. So verantwortete er zuletzt von 2016 bis 2020 als COO und CHRO im Vorstand der IKB unter anderem die Bereiche IT, Digitalisierung, Operations, Sourcing und Personal.

Sobald die Aufsichtsbehörden der Berufung von Oliveri del Castillo-Schulz als COO zugestimmt haben, werde er Jörg Hessenmüller nachfolgen, wie die Commerzbank weiter mitteilte. Hessenmüllers Vorstandsmandat werde „spätestens“ Ende Dezember dieses Jahres enden und er werde die Bank zum Jahresende verlassen.

Update am 6. Oktober 2021 um 9:15 Uhr:
Der bisherige IT-Vorstand Jörg Hessenmüller hat die Commerzbank offenbar schon verlassen. Ein Banksprecher hat gegenüber Finanz-Szene bestätigt, dass Hessenmüllers Vorstandsmandat bereits „Ende September“ geendet hat, wie die Branchenpublikation berichtet. Sein Nachfolger, Jörg Oliveri de Castillo-Schulz, ist demnach schon an Bord, firmiere allerdings vorerst noch als „Generalbevollmächtigter“, bevor er dann nach der Genehmigung der Bafin neuer IT-Vorstand werden soll.

Jörg Hessenmüller stolpert wohl über HSBC-Deal

Problematisch in Hessenmüllers Ära wird der geplatzte Deal mit der HSBC gesehen. Dabei sollte die Wertpapierabwicklung ausgelagert werden. Das dreijährige Projekt, das kürzlich gestoppt wurde, sorgte für eine hohe Sonderabschreibung bei der Commerzbank ein Verlust zur Unzeit. Deshalb hatten verschiedene Medien wie das „Manager-Magazin“ schon vor Tagen über die Ablösung Hessenmüllers spekuliert. 

Dennoch dankte der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Helmut Gottschalk, Hessenmüller „für sein Engagement als Vorstand und seine langjährige Mitarbeit in der Bank“, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Unter Hessenmüllers Ägide ist die Commerzbank beispielsweise zu Beginn dieses Jahres eine strategische Partnerschaft mit dem US-Konzern Microsoft eingegangen. Dadurch sollte der Weg in die Cloud geebnet werden. Kurz danach folgte eine strategische Partnerschaft mit Google.

Commerzbank baut 10.000 Stellen bis Ende 2024 ab

Hintergrund dieser Personalentscheidungen sind der Umbau der Commerzbank im Rahmen der von CEO Manfred Knof im Februar dieses Jahres verkündeten Strategie 2024: Diese ändert auch viel für Firmenkunden. Zudem ist damit ein massiver Stellenabbau verbunden. Insgesamt 10.000 Stellen sollen bis Ende 2024 gestrichen werden, 900 davon im Firmenkundengeschäft der Commerzbank. Auch im Auslandsgeschäft will die Bank kürzen und sich aus 15 internationalen Standorten zurückziehen. Das Kapitalmarktgeschäft verkleinert sie und verlagert Teile davon an Oddo BHF.

Paulus[at]derTreasurer.de

Weitere Hintergründe zum Vorstandsumbau der Commerzbank finden Sie bei unserer Schwesterpublikation FINANCE.